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Undurchsichtige Geldflüsse bei der Spitex

Nun schaltet sich der Kanton in die Berner Spitex-Affäre ein. Er will Finanzen, Strukturen und Entschädigungen von Spitex-Betrieben untersuchen.

Johannes Reichen
Der Kanton möchte von der Spitex regelmässig über die aktuelle Anzahl Einsätze informiert werden.
Der Kanton möchte von der Spitex regelmässig über die aktuelle Anzahl Einsätze informiert werden.
Walter Pfäffli

Werner Egloff, Direktor der Spitex-Dienste Laupen, fragt sich: «Finanziere ich die exorbitanten Entschädigungen des Verwaltungsrates der Spitex Bern mit?»

Die Spitex Bern macht Schlagzeilen mit der Entlassung des Geschäftsführers und mit hohen Gehältern von Verwaltungsräten. Die Spitex-Dienste Laupen wiederum, die zum Betagtenheim gehören, beziehen von der Spitex Bern die «spitalexterne onkologische Pflege», kurz Seop. «Das ist eine sehr wichtige Abteilung mit sehr guten, kompetenten Mitarbeitenden», sagt Egloff. Sie könne in komplexen Situationen von anderen Spitex-Organisationen beigezogen werden, etwa wenn Patienten Atemnot oder starke Schmerzen haben.

Die Seop werde wie jede andere Spitex finanziert, könne aber den von den Krankenkassen vorgegebenen höheren Tarif in Rechnung stellen. Trotzdem arbeite sie de­fizitär. Deshalb hätten Spitex- Betriebe, die die Seop beziehen, letztes Jahr mit der Spitex Bern einen Vertrag unterschreiben müssen. «Nun müssen wir jede geleistete Stunde zusätzlich mit 55 Franken vergüten.»

Das stört Egloff, gerade wegen der hohen Entschädigungen. «Es kann doch nicht sein, dass öffentliche Spitex-Organisationen die Defizite von anderen decken müssen.» Er erwarte volle Transparenz.

Finanzströme untersuchen

Die will nun auch der Kanton Bern. Er schaltet sich ein in die Affäre und will in den nächsten Monaten die Finanzen und Strukturen von gewissen Spitex-Organisationen prüfen. Um welche Betriebe es sich handelt, ist noch nicht klar. Sicher gehört die Spitex Bern dazu.

«Es ist uns ­aufgefallen, dass zwischen vielen Spitex- und Pflegeorganisationen Verbindungen bestehen», sagt Astrid Wüthrich, Vorsteherin des kantonalen Alters- und Behindertenamts. Diese wolle man punktuell untersuchen.

Weiter will sich der Kanton auch einen Überblick über die Entschädigung in den Aufsichtsgremien verschaffen. Das hohe Gehalt von Rahel Gmür, die bei der Spitex Bern als fest angestellte Verwaltungsratspräsidentin rund 180 000 Franken pro Jahr verdient, hat die Behörden aufgeschreckt. Ihnen war bisher unbekannt, dass sie fest angestellt ist.

«Der Kanton bezahlt Spitex-Leistung, und wir wollen sicherstellen, dass möglichst viel Geld für die Versorgung und Pflege der Patienten verwendet wird», sagt Wüthrich. Für Spitex-Organisationen gibt es aber keine Vorschriften über maximale Entschädigungen, im Gegensatz ­etwa zu Regionalen Spitalzentren. Eine Offenlegungspflicht zu den Löhnen besteht auch nicht.

Spitex muss Bericht erstatten

Wie der Kanton weiter mitteilte, muss die Spitex Bern nun jede Woche Rechenschaft über die Anzahl Mitarbeitenden, Patienten und Einsätze machen. «Bis jetzt hat es nach unserer Kenntnis keine Versorgungslücken gegeben», sagt Wüthrich. Im Kanton gibt es 51 öffentliche und 33 private Spitex-Organisationen.

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