Zu Mobbing-Vorwürfen kommt es immer wieder

Der junge Mann, der sich von den Ausbildnern der Kantonspolizei abschätzig behandelt fühlte, ist nicht allein: Mobbing seibei Lehrlingen vermehrt ein Thema, sagt der Kanton.

«Die Mobbingthematik kommt in der beruflichen Grundbildung immer wieder vor», sagt Christoph Düby, der zuständige Abteilungsleiter in der kantonalen Erziehungsdirektion. So erging es etwa einem jungen Mann aus Belp, der sich in der Lehre bei der Polizei abschätzig behandelt fühlte.

«Die Mobbingthematik kommt in der beruflichen Grundbildung immer wieder vor», sagt Christoph Düby, der zuständige Abteilungsleiter in der kantonalen Erziehungsdirektion. So erging es etwa einem jungen Mann aus Belp, der sich in der Lehre bei der Polizei abschätzig behandelt fühlte.

(Bild: Andreas Blatter)

Stephan Künzi

Die Geschichte ist kein Einzelfall. Am Dienstag berichtete diese Zeitung über einen jungen Mann aus Belp, der nach dem zweiten Lehrjahr vor dem rauen Umgang bei der Kantonspolizei kapitulierte.Für den Schluss seiner Ausbildung zum Fachmann Betriebsunterhalt wechselte er in ein Hotel, wo sich mit dem Arbeitsklima auch seine Leistungen besserten. Am alten Ort sei ihr Sohn gemobbt worden, ärgern sich Heinz und Monika Signer, die Eltern, im Rückblick.

Zuweilen der bessere Weg

Nun bestätigt Christoph Düby, der zuständige Abteilungsleiter in der kantonalen Erziehungsdirektion: «Die Mobbingthematik kommt in der beruflichen Grundbildung immer wieder vor.»

Ob und wenn ja, inwieweit seine Direktion in ihrer Funktion als Aufsichtsbehörde in den Fall einbezogen war, sagt Düby nicht. Das gebiete ihm die Schweigepflicht. Umso klarer streicht er etwas anderes hervor: Ein Lehrverhältnis vorzeitig aufzulösen, «ist nicht etwas Verwerfliches». Bei Spannungen sei dieser Weg zuweilen der bessere.

Unheilvolle Begegnung

Düby weist darauf hin, dass es auch andere Gründe für einen Wechsel geben kann. Allem voran die Erkenntnis, den falschen Beruf gewählt zu haben – je nach Beruf könne die Quote «bis zu 25 Prozent» betragen, sagt er.

Und nochmals zum Mobbing: Dass das Thema immer wieder hochkoche, habe sicher auch mit der im Vergleich zu früher höheren Sensibilisierung zu tun. Erhärten liessen sich die Vorwürfe aber nur in wenigen Fällen. Einem Konflikt lägen in der Regel unterschiedliche Standpunkte oder persönliche Auseinandersetzungen zugrunde.

Der junge Mann aus Belp hatte den Eltern von verbalen Entgleisungen erzählt, die ihn zutiefst trafen. Ihr Sohn sei vom Ausbildner der Kantonspolizei als komisch, ja dumm und behindert hingestellt worden, fassten Heinz und Monika Signer das Geschehene in einer aufsichtsrechtlichen Anzeige zusammen.

Mit dem Wechsel war die Sache nicht ausgestanden. Nach einem ruhigen Jahr im Hotel trat der Sohn im Mai zur Abschlussprüfung an. Eine erste Lektion schaffte er gut – doch dann traf er unverhofft auf seinen alten Ausbildner, vermasselte prompt die nächsten Lektionen und fiel am Ende durch die Prüfung.

Wie die unheilvolle Begegnung möglich war? Peter Kernen, Präsident des für die Prüfung zuständigen Berufsverbandes, kennt den Fall nicht im Detail. Er betont aber, dass den Lehrlingen nie ein aktueller oder alter Ausbildner als Prüfungsexperte zugeteilt wird. «An diese Regel haben wir uns gehalten» – dass sich zwei Personen auf dem recht engen Prüfungsgelände zu Gesicht bekämen, sei dagegen nicht von vornherein zu verhindern.

Trotzdem muss es im nächsten Jahr, wenn der Sohn erneut zur Prüfung antritt, nicht zwingend wieder zur Konfrontation kommen: Auf Verlangen der Erziehungsdirektion «können wir das selbstverständlich so planen».

Die Schulen beraten

Christoph Düby rät derweil den Lehrlingen, sich bei Konflikten im Betrieb frühzeitig an die Beratungsstellen der Berufsfachschulen zu wenden. Die Lehrer suchten, sobald sie Anzeichen feststellten, auch von sich aus das ­Gespräch.

Weitere Infos: www.erz.be.ch.

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