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Zu teuer: SBB verlieren Rübentransporte

Weil die Preise unter Druck geraten sind, will die Zuckerfabrik Aarberg günstiger produzieren können. Den Hebel setzt sie auch bei den Rübenzügen an – mit einem neuen Konzept und neuen Transporteuren. SBB Cargo hat das Nachsehen.

Die Züge der SBB werden verschwinden. Künftig sind für die Rübentransporte zur Zuckerfabrik zwei private Unternehmen verantwortlich.
Die Züge der SBB werden verschwinden. Künftig sind für die Rübentransporte zur Zuckerfabrik zwei private Unternehmen verantwortlich.
Walter Ruetsch

Jetzt rumpeln sie wieder über die Gleise, die langen Züge mit ihren vollbepackten, schweren Wagen, die die Zuckerfabrik in Aarberg mit Rüben versorgen. Rund 7000 Tonnen rollen Tag für Tag auf der Schiene an, weitere 5000 Tonnen erreichen das Areal im selben Zeitraum auf der Strasse, kein Wunder: Seit Ende ­September und noch bis zu den Weihnachtstagen läuft die Produktion auf Hochtouren.

Zwei Lose statt eines

Die Arbeiten laufen wie jedes Jahr – und doch macht sich diesmal unter den Beteiligten wohl schon hier und dort leise Wehmut breit. Denn mit dem Schluss der diesjährigen Rübenkampagne, so der Fachausdruck, wird eine lange Tradition zu Ende gehen. Die SBB werden ihren allerletzten Zuckerrübenzug auf die Reise schicken und dann das Feld frei machen für andere.

Die Schweizer Zucker AG hat die Schienentransporte im freien Wettbewerb ausgeschrieben, und die SBB-Gütertochter SBB Cargo ist unterlegen. An ihrer Stelle stellt, eine Premiere, ab 2018 der aus dem Gleis- und Fahrleitungsbau bekannte Bahntechnikkonzern Sersa die Fahrten nach Aarberg sicher. Für die Lieferungen ins Schwesterwerk Frauenfeld ist neu das kleine private Bahnunternehmen Swiss Rail Traffic zuständig.

Nur noch ganze Züge

Der Grund für die Ausschreibung? Peter Imhof, der Leiter des Rübenmanagements, muss die Antwort nicht lange suchen. Er erinnert daran, dass der inländische Zucker nicht mehr durch Zölle von der Konkurrenz aus dem europäischen Ausland geschützt ist. Und daran, dass sich die Preise in Europa angesichts immer grösserer Produktionsmengen auf das tiefe Weltmarktniveau zubewegen, kurz: In dieser Situation sei der Zuckerpreis auch in der Schweiz stark unter Druck geraten, «die Ausschreibung der Bahntransorte ist eine der Massnahmen zur Reduktion der Kosten».

Möglich wird dies zum einen dank der beiden neuen Transporteure, zum andern auch dank eines neuen Konzepts. In Auftrag gegeben hat es die Schweizer Zucker AG selber, wie Imhof weiter ausführt. Es sieht vor, dass die Rübenzüge nicht mehr wie heute schwergewichtig in der Nacht ankommen, wenn die Gleise frei sind, sondern auch tagsüber. Das erlaubt einen gleichmässigeren Einsatz der Lokomotiven und Wagen, unter dem Strich sind weniger Fahrzeuge nötig.

Und: An den Ausgangsbahnhöfen sollen nicht einzelne Wagen, sondern gleich ganze Züge mit Rüben bestückt werden. Das allerdings hat zur Folge, dass einige Verladepunkte wohl aufgegeben werden müssen. Weil ein grosszügig bemessenes Abstellgleis, wie es für die bis zu 400 Meter langen Züge nötig wäre, vielerorts schlicht fehlt.

Imhof sagt offen, dass das Konzept noch nicht bis ins letzte Detail ausgearbeitet ist. Entsprechend will er sich auch nicht näher dazu äussern, welchen Betrag die Schweizer Zucker AG dank der Neuorganisation der Bahntransporte sparen kann. Nur so viel: Das Auftragsvolumen für Sersa und Swiss Rail Traffic erreicht die Grössenordnung von 10 Millionen Franken pro Jahr.

In Nischen tätig

Die Betroffenen reagieren ihrerseits sehr verschieden auf den Ausgang des Ausschreibeverfahrens. Die SBB, die die Rübenzüge in der Vergangenheit als unrentabel bezeichnet hatten, wollen sich nicht weiter zum Verlust des Auftrags äussern, so Sprecher Daniele Pallecchi. Ähnlich wortkarg gibt sich bei den Gewinnern Sersa-Sprecherin Helene Rapold. Sie betont nur, dass Sersa weit mehr als ein reines Bauunternehmen sei und gerade als Logistiker sehr erfahren sei.

Mehr Auskünfte gibts bei Swiss Rail Traffic. Die Rübentransporte seien «sehr interessant», sagt Geschäftsführer Philipp Schneider. Sie passten auch gut in die Strategie der Firma, sich auf Nischenangebote zu spezialisieren. So habe man einst die verseuchte Deponieerde aus Kölliken wegge­führt. Und plane nun, anstelle der SBB den Verkehr zum Güterterminal in Rekingen zu über­nehmen.

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