Zug des Anstosses: Bieler nerven sich über BLS

Seit kurzem verkehrt auf dem BLS-Netz der SCB-Mutz, ein Doppelstockzug in den Farben des SC Bern. Er fährt auch nach Biel. Der EHC Biel und seine Fans sind nicht erfreut.

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«Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie den Namen Tristan Scherwey hören?» Pät, Fun-Punk-Musiker, grosser Fan des EHC Biel und Einheizer bei dessen Heimspielen: «Das ist nicht druckreif.» Hansueli Köhli, Velokurier-Gründer und langjähriger Fandelegierter beim EHC Biel, schnauft und sagt: «Warum fragen Sie?»

Beat Moning, Sportjournalist beim «Bieler Tagblatt» und Autor eines Buchs über den EHC Biel, antwortet gelassener: «Privat ist er ein flotter Giel. Aber er ist einer, den man lieber in der eigenen Mannschaft hat als beim Gegner.»

Für Nicht-Eishockey-Insider: Tristan Scherwey ist eine der Teamstützen beim SC Bern, für Fans gegnerischer Mannschaften eine Reizfigur.

Anschlussfrage: Könnten Sie sich denn vorstellen, in einem Zug zu fahren, in dem Sie ein grosses Porträt von Scherwey anschauen müssten? Eher weniger, lauten die Antworten, man nähme dann lieber den nächsten Zug.

Innen noch mehr SCB

Genau dies kann nun aber dem geneigten Fan des EHC Biel passieren, wenn er nach Bern pendelt. Seit letzter Woche ist nämlich der SCB-Zug der BLS in Betrieb. Die BLS ist Goldsponsorin des SCB, und für SCB-Fans ist der Doppelstockzug eine einzige Freude: Ein mächtig glänzendes Schwarz ist seine Grundfarbe, alle paar Meter prangt das SCB-Logo an den Wagen, vorne zeigt ein Bär Zähne, im Innern prangen grosse Spielerporträts, es gibt ­Informationshäppchen zum SCB («90 Dezibel beträgt die Lautstärke der Fans – kreisch!»).

Allein: Der Zug verkehrt nicht nur in den Stammlanden des SCB, also in Bern und Umgebung, sondern er fährt auch nach Biel und nach Freiburg – und dürfte dort mit deutlich weniger Begeisterung empfangen werden.

«Ich würde mich darin nicht sehr wohl fühlen», sagt etwa Köhli. «Das ist mehr als nur ungeschickt von der BLS», sagt Pät. «Ich sehe das zwar nicht als Provokation», meint Moning, «aber die BLS macht sich in Biel wohl wenig Freunde.»

In den sozialen Medien ist der Ton offensiver. Auf der Facebook-Seite der BLS heisst es etwa: «Tja, eine Person weniger, die Zug fährt.» Jemand hat ein animiertes Bild einer sich erbrechenden Person gepostet, und was noch weiter geht, dürfte gelöscht worden sein. Auf Twitter schreibt ein User: «Geben wir ihm zwei Tage. Diese Farben werden ändern.» Der BLS wird empfohlen, den Zug nicht über Nacht in Freiburg stehen zu lassen.

Auch während der Saison

Das allerdings wird durchaus der Fall sein. Im Rahmen der Einsatzplanung werde der Zug auch in Biel und Freiburg stehen, teilt Mediensprecherin Helene Soltermann mit. Der BLS sei bewusst, «dass der Zug nicht allen Fahrgästen gleichermassen gefällt».

Dass der SCB-Zug auf allen Strecken zum Einsatz kommt, auf denen Doppelstockzüge verkehren können, lasse sich nicht vermeiden: «Unsere Zugeinsatzplaner können nicht einen einzelnen Zug aus dieser integrierten Planung herausnehmen.»

Das gilt auch für die Zeit der Eishockeysaison. Allerdings werde man bei der Einsatzplanung darauf achten, dass nicht etwa Freiburg-Fans mit dem SCB-Mutz ans Auswärtsspiel nach Bern fahren müssen – «wenn es uns möglich ist».

Beim EHC Biel selber ist man mässig erfreut über den SCB-Zug. Er habe zahlreiche Reaktionen von Fans erhalten, die sich an dem Zug störten, sagt EHC-Geschäftsführer Daniel Villard. Er selber zieht es vor, sich nicht zu äussern: «Ich glaube nicht, dass es allzu schlau wäre, meine Meinung öffentlich zu äussern.» Er fahre selten Zug, «also werde ich ihn wenigstens nicht allzu oft ­sehen».

Die Reaktionen der Fans mögen übertrieben wirken, doch stellt sich aus Sicht der Markenführung und der Imagepflege durchaus die Frage, ob es geschickt ist, einen Teil der Zielgruppe zu verärgern. Zitierbare Aussagen von Experten aus der Region zu erhalten, ist gar nicht so einfach – zahlreiche Kommunikationsagenturen im Bernbiet haben die BLS auf ihrer Kundenliste.

Der SCB-Zug wird denn auch ambivalent beurteilt: Die Aktion sei gut gemeint, aber nicht zu Ende gedacht, heisst es beispielsweise. Oder: Gerade im Hinblick auf die künftige Konzession für die Strecke Bern–Biel wäre auch ein EHC-Biel-Zug nicht verfehlt.

Oder: Die Förderung des Sports und ein klares und mutiges Auftreten seien positiv zu werten, zumal die BLS als Unternehmen mit Standort Bern zu verstehen sei – allerdings sei auch die Kritik am Zug verständlich.

Andrea B. Roch, Geschäftsführerin der Bieler Agentur Bu­siness4you, sagt es so: «Die Grundidee der Aktion ist sicher gut und visuell schön umgesetzt. Strategisch lässt sie aber Fragen offen.» Ein Tram in der Stadt Bern wäre kein Problem, in den Regionen aber könnten Zielgruppen brüskiert werden, was es eher zu vermeiden gelte.

Roch gibt aber zu bedenken: «Ich kenne die Ziele der Kampagne nicht. Wenn es darum geht zu provozieren, dann ist sie gelungen.» Zudem könne sich die BLS mehr erlauben als andere Akteure, da die Kunden ja nicht auf ein anderes Bahnunternehmen umsteigen könnten.

Antwort auf dem Eis

Der Einsatz des SCB-Zugs ist für die nächsten drei Jahre vorgesehen. Dass die BLS sozusagen als «Zückerli» auch andere Vereine unterstützt, ist nicht vorgesehen: «Um eine Verzettelung der Kräfte zu vermeiden, fokussieren wir uns derzeit auf unser Engagement beim SCB», heisst es seitens BLS.

Die Bieler wollen die Antwort im Stadion liefern: «Wir haben den Anspruch, den SCB auf dem Eis möglichst oft zu schlagen», sagt Daniel Villard, «und solange wir die schöneren Penaltys machen, kann der SCB von mir aus den schöneren Zug haben». (Bieler Tagblatt)

Erstellt: 09.07.2018, 17:58 Uhr

Das Engagement

Soll sich eine Bahn, die zu einem guten Teil von Steuergeldern lebt, finanziell im Spitzensport engagieren? Bei der BLS, die schwergewichtig im Regionalverkehr tätig ist und von der öffentlichen Hand entsprechend entschädigt wird, stellt sich diese Frage besonders. Die Verantwortlichen sehen darin aber kein Problem. Das machten sie schon vor sechs Jahren deutlich, als die BLS ihr Goldsponsoring mit dem SCB einging.

Mit der Partnerschaft wolle sich die BLS «einem noch breiteren Publikum bekanntmachen», rechtfertigte ein Sprecher den Schritt. Im Besonderen gehe es darum, die Züge besser auszulasten, «gerade auch ausserhalb des Pendlerverkehrs».

Zur Höhe des finanziellen Engagements sagte er nichts. Er betonte nur, dass ein gewichtiger Teil aus Naturalleistungen bestehe. Goldsponsor beim SCB wird man ab 400'000 Franken im Jahr. skk

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