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Zukunftsangst wegen einer Baustelle

Eine Baustelle, die den kleinen Läden das Geschäft vermiest: Die Bahn­hofstrasse in Worb wird saniert, die Arbeiten dauern bis November an. Nicht alle Läden werden wohl die Umsatzeinbussen überstehen.

Annic Berset
Peggy Steinmann steht mit ihrer Papeterie vor einer ungewissen Zukunft.
Peggy Steinmann steht mit ihrer Papeterie vor einer ungewissen Zukunft.
Christian Pfander

Lärm schlägt allen entgegen, die in die Worber Bahnhofstrasse einbiegen. Seit etwas mehr als zwei Wochen ist die Strasse zur Grossbaustelle geworden. Bis November werden Werkleitungen saniert und ein neuer Belag eingebaut. Die Baustelle ist Teil der Umgestaltung im Zentrum von Worb. Wie schon die Bernstrasse wird künftig auch die Bahnhofstrasse verkehrsberuhigt – Tempo 30, Hindernisse zum Umfahren und Poller sind Massnahmen, die der Kanton und die Gemeinde umsetzen.

Schwierige Branche

Der Lärm der Baustelle ist nicht die grösste Sorge der kleineren Geschäfte an der Bahnhofstrasse. Weil die Strasse während Monaten nur im Einbahnverkehr befahren werden kann und viele Parkplätze zurzeit nicht mehr zugänglich sind, verlieren sie einen grossen Teil ihrer Laufkundschaft. «Wenn die Leute nicht mehr bei mir vor dem Laden anhalten können, kommen sie nicht wieder» sagt Peggy Steinmann, Inhaberin der Papeterie und des Cafés Paprica.

Sie habe die fehlenden Kunden schon nach einer Woche schmerzlich zu spüren ­bekommen. Dementsprechend düster schaut Steinmann in die Zukunft. «Ich weiss nicht, ob ich unter diesen Umständen bis November durchhalten kann.» Und sie sagt auch: «Ich habe mir überlegt, die Papeterie ein halbes Jahr zu schliessen, aber die Fixkosten von Miete und Druckgeräten würden ja trotzdem bleiben.»

Nicht einfacher werden die ­Zukunftsprognosen mit der Tatsache, dass es in der Papeteriebranche schon ohne Baustellen seit Jahren kriselt. Auch andernorts in der Region Bern müssen immer mehr Fachgeschäfte mangels Umsatz die Segel streichen. Im Mai 2014 schloss die Paputik in Wabern ihre Türen, im selben Jahr verlor auch Gümligen die letzte Papeterie im Dorf. Zu ­wenig hatten beide Geschäfte rentiert, zu gross war die Konkurrenz der Post und der Grossverteiler geworden, wo sich der Kunde genauso mit Papeterieartikeln ausstatten kann.

Auch Zuversicht

In Worb ist nicht nur Peggy Steinmanns Papeterie von der Baustelle betroffen. Auch die Inhaber der Stern-Apotheke haben seit Baubeginn weniger Kundschaft in ihrem Laden. «Dank unseren Stammkunden werden wir diese Monate meistern können», erklärt Lisa Salzmann. Mehr Sorgen bereiten ihr die Poller, durch die die Apotheke künftig «am Wochenende und abends gar nicht mehr als Laden entdeckt werden kann.» Die Apothekerin spricht aber auch von Glück, dass ihr Geschäft eines sei, dass für viele Leute immer notwendig bleibe.

Ein weiteres Geschäft an der Bahnhofstrasse ist der Blumenladen von Ursula Grädel. «Die Auswirkungen der Baustelle sind noch nicht richtig abzuschätzen», sagt die Inhaberin. Für sie werde der wichtigste Faktor sein, dass die Parkplätze, die zum Laden gehören, jederzeit für die Kunden zugänglich bleiben. «Das ist überlebenswichtig», sagt ­Grädel. Sie sehe der Verkehrsberuhigung an der Bahnhofstrasse positiv entgegen, auch wenn das bedeute, nicht mehr so viel Laufkundschaft zu haben. «Gerade deshalb müssen die kleineren Geschäfte mehr auf sich aufmerksam machen.» Ausserdem hofft sie, dass sich die Strasse zu einem Treffpunkt für Fussgänger entwickeln wird.

Ob die Papeterie an der Bahnhofstrasse die sanierte Strasse ­erleben wird, weiss Peggy Steinmann nicht. «Ich habe die Gemeinde und den Kanton angeschrieben und ihnen meine ­Situation geschildert», sagt die Inhaberin. Grosse Anteilnahme und ein Interesse, die kleinen Geschäfte im Dorf zu erhalten, habe sie aber nicht gespürt. «Wenn niemand etwas unternimmt, ist es kein Wunder, wenn das Ladensterben hier weitergeht», so Steinmann.

Solidarität des Einzelnen

Worbs Gemeindepräsident Niklaus Gfeller (EVP) zeigt Verständnis für die Sorgen der Ladeninhaber. «Es ist klar, die kleinen Geschäfte brauchen vor allem Kunden in ihren Läden.» Wenn nur noch sechs Personen die Papeterie am Vormittag besuchten, wo es sonst normalerweise zwanzig seien, habe das logischerweise Einbussen zur Folge.

Eine finanzielle Unterstützung sei aber kaum umzusetzen und auch vom Kanton her nicht vorgesehen. Ähnliche Massnahmen hatten auch Betreiber in Lyss gefordert, als die Bielstrasse 2016 während 14 Monaten umgebaut worden war. Auch dort litten die kleinen Geschäften unter massiven Umsatzeinbussen, wurden aber finanziell nicht unterstützt.

Gfeller appelliert in Worb vor allem an die einzelnen Einwohner. «Ich hoffe auf die Solidarität der Leute, dass sie die Geschäfte häufig berücksichtigen, auch wenn eine Baustelle da ist.» Auch er selber mache im Bekanntenkreis und in der Verwaltung darauf aufmerksam.

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