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Zuschauerrückgang fürs Stadttheater

Die Zahlen der zweiten Spielzeit unter Intendant Marc Adam liegen auf dem Tisch. Erneut muss das Stadttheater einen Zuschauerrückgang vermelden. Verwaltungsratspräsident Henri Huber setzt auf Zweckoptimismus.

Der Publikumsrenner im Musiktheater: «A Midsummer Night’s Dream» von Benjamin Britten mit Dirk Bach als Puck.
Der Publikumsrenner im Musiktheater: «A Midsummer Night’s Dream» von Benjamin Britten mit Dirk Bach als Puck.
Keystone

«Mit diesen Zahlen darf niemand zufrieden sein. Das wäre eine schiefe Optik», sagt Stadttheaterpräsident Henri Huber mit Blick auf die Saison 2008/2009. Kein Wunder: In der zweiten Saison unter Intendant Marc Adam hat das Stadttheater erneut einen empfindlichen Besucherschwund hinnehmen müssen: 85308 Zuschauer waren zu verzeichnen – das entspricht einem Rückgang von knapp 5000 Besuchern oder 5,5 Prozent.

«Negativwelle»

Über die Gründe lässt sich spekulieren. Das Problem sei «teilweise hausgemacht», meint Huber. Aber man könne nicht alles über eine Leiste schlagen. «Es gibt Produktionen, die mehr Zuschauer verdient hätten und solche, die zu Recht tiefe Zahlen hatten.» Klar ist: Das Imageproblem des Hauses hat sich im letzten Jahr weiter verschärft, wozu nicht zuletzt der öffentlich ausgetragene Zwist mit dem Berner Symphonieorchester beigetragen hat. Huber sieht das Stadttheater auf einer «Negativwelle», die es schwer mache, wieder Boden gutzumachen.

Mitschuldig am Ergebnis ist aus Sicht des Verwaltungsratspräsidenten aber auch die «publikumsfeindliche Disposition» der Opernaufführungen – ein leidiges Thema, das seit längerem zu Konflikten mit dem Berner Symphonieorchester (BSO) führt und im Hinblick auf die nächste Subventionsperiode ab 2012 endlich ausgeräumt werden soll. «Auf dem Höhepunkt der Saison gab es kaum Opern zu sehen. Das Angebot schoss erst in die Höhe, als sich die Saison bereits ihrem Ende zuneigte.»

Tatsache ist: Einmal mehr ist vor allem die Opernsparte unter den Erwartungen geblieben, während das Ballett – wenn auch nur geringfügig – zulegen konnte. Verloren hat insgesamt zwar auch die Schauspielsparte, allerdings sind die Zuschauerzahlen in den Vidmarhallen im zweiten Jahr leicht gestiegen – um 3,5 Prozent auf 17500.

«Neue Perspektive»

Trotz schlechten Zahlen übt sich Huber – anders als vor Jahresfrist – in Zurückhaltung. Damals schlug er Alarm, sprach von desolaten Zuständen, strukturellen Problemen, und malte einen Kollaps der Institution an die Wand. Jetzt gibt er sich mit Blick auf das Projekt «Neues Theater Bern» optimistisch. Der Entscheid der Politik, das Stadttheater und das BSO unter einem Dach zusammenzulegen, habe neue Perspektiven eröffnet und «den Glauben an die Zukunft» wiederhergestellt. Eine entsprechende Arbeitsgruppe, in der auch Huber sitzt, hat ihre Tätigkeit Ende November aufgenommen.

Offene Fragen

Noch ist manches unklar. Wie die neue Dachorganisation konkret aussehen und wer sie leiten wird, steht noch in den Sternen, ebenso wie viele Stellen auf dem Spiel sind. Zudem steht die Ballettsparte auf wackligen Füssen. Zwar hat sich die Politik zum Ensemble bekannt und zusätzliche Mittel für einen Teuerungsausgleich in Aussicht gestellt. Eine nachhaltige Lösung ist das jedoch nicht.

Fakt ist: Der Subventionsvertrag mit der Theatergenossenschaft ist auf Ende 2011 gekündigt worden. Intendant Marc Adam hält sich offiziell zwar bedenkt. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass seine Tage in Bern gezählt sind. In der neuen Organisation käme er höchstens als Opernchef in Frage. Falls er 2012 weitermachen möchte, müsste er sich neuerlich bewerben. Wenig spricht dafür, dass er dies tun wird.

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