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Bezauberndes Musik-Heimspiel

Der Saanenländer Pianist Reto Reichenbach verzauberte im ausverkauften Tertianum Thun mit Werken von Frédéric Chopin.

Die Klaviersoirée am Freitagabend im Tertianum Thun war quasi ein Heimspiel für den erfolgreichen, im Saanenland aufgewachsenen Pianisten Reto Reichenbach und deshalb schon lange im Voraus ausverkauft. Der 36-Jährige bestritt das dritte Konzert eines sechsteiligen Chopin-Zyklus, den der Thuner Verein Musik Resonanz zum 200.Geburtstag des Komponisten durchführt. Da der Zyklus chronologisch aufgebaut ist, spielte Reichenbach Werke des 26- bis 28-jährigen Frédéric Chopin, also der frühen mittleren Jahre. Zu dieser Zeit lebte Chopin bereits in Paris und hatte mit seiner schwachen Gesundheit zu kämpfen. «Dies hat dazu geführt, dass sich seine innig geliebte Verlobte Maria Wodzinska von ihm trennte», so der Freiburger Literaturprofessor Stefan Bodo Würffel, der die Stücke jeweils erläuterte und mit seinen Ausführungen auch interessante Einblicke in Chopins Leben gewährte. Zauberhafte Töne gespielt Die Ballade Nr.1 in g-Moll, Opus 23, welche als erstes Musikstück überhaupt den aus der Lyrik stammenden Titel «Ballade» trägt, eröffnete den Abend. Wenn feine Nuancierung und gute Tonqualität die wichtigsten Merkmale eines guten Pianisten sind, wie Chopin laut Würffel seinen Klavierschülern zu sagen pflegte, dann wäre Reichenbach ein Musterschüler gewesen. Zauberhafte Töne entlockte er dem Klavier; sein Spiel war so sanft und ruhig, dass man teilweise kaum zu atmen wagte. Reichenbach gestaltete differenziert; auch die heftigen, lauten und leidenschaftlichen, aber niemals gewalttätigen Passagen beeindruckten. Mit zwei Nocturnes, einer Polonaise, einem Walzer und dem Scherzo Nr.2 in b-Moll, Opus 31, folgten weitere für Chopin typische Gattungen. Anspruchsvolle Stücke Nach der Pause bewies der Saanenländer Pianist seine Virtuosität mit den zwölf Etüden, Opus 25, welche die Gattung sowohl vom technischen wie auch vom musikalischen Anspruch her auf eine völlig neue Ebene stellten. Hier konnte eigentlich nicht mehr von Studienmusik gesprochen werden. Auch diese höchst anspruchsvollen Stücke spielte Reichenbach gelassen, aber mit schönem, gleichmässigem Fluss; man konnte meinen, sie wären kinderleicht. Am Applaus gemessen, hätte das Publikum trotz Zugabe, dem Prélude in Des-Dur, noch lange zugehört. Doch das ist ja das Schöne an einem Zyklus: Fortsetzung folgt. Miriam Schild >

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