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Bitte mehr Verbote

Erst die Franzosen und nun auch noch die Belgier. Burkaverbote sind in Mode und auch in der Schweiz noch nicht so ganz vom Tisch. Wer hätte aber gedacht, dass ausgerechnet im sonst eher konservativen Berner Oberland die wohl höchste Burkadichte der Schweiz gemessen werden kann. Spaziert man dieser Tage durch Interlaken, trifft man vermummte Menschen auf Schritt und Tritt. Skandalgewimmer, Aufschreie der Empörung – vonseiten der Touristiker jedenfalls nicht. Ganz im Gegenteil, Hoteliers, Gastronomen, Bergbahnbetreiber, Schmuckhändler, Taxifahrer und Pferdekutscher loben die Gäste aus dem arabischen Raum als «angenehm» und vor allem «zahlungskräftig» – Ganzkörperschleier hin oder her. Lieber eine schweigende Vollverhüllte mit grossem Portemonnaie unter dem schwarzen Umhang als knickerige Deutsche, ausgeflippte Amis, laute Russen, Horden von Chinesen oder nörgelnde Schweizer. Wohl fühlen soll sich der Gast in seinem Urlaub, das Oberland in guter Erinnerung behalten, den Geist der Freiheit atmen in den Schweizer Bergen – Verbote sind da eher hinderlich, aber allgegenwärtig: Burkaverbot, Rauchverbot, Alkoholverbot, Parkverbot, Überholverbot, Nacktwanderverbot, Spuckverbot – weg damit! Und fort mit Schildern, die das Fahrräderabstellen, das Schuttabladen oder das Springen vom Beckenrand verbieten! Stattdessen sollte man verbieten, was den Gästen aus aller Welt wirklich die schönste Zeit des Jahres vermiest: Dauerregen und 14 Grad im Juli, warmes Bier, überhöhte Preise, schlecht gelauntes Servicepersonal, Lawinen und Bergrutsche, Schweissfüsse und Achselnässe, zu steile Wanderwege, lange Schlangen am Skilift, Mittagspausen in Bäckereien, Banken und Postämtern. Und ausserdem sollte man Vögeln verbieten, auf die Windschutzscheibe zu kacken.c.jezella@bom.ch>

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