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BKW-Chefs: «Das AKW Mühleberg hält einem Erdbeben der Stärke 7 stand»

BKW unter DruckDie Führung des Berner Energiekonzerns BKW will nichts von einer Abschaltung des Atomkraftwerks Mühleberg wissen. Die Chefs beteuern, die Anlage erfülle die Vorschriften und würde ein starkes Beben und eine anschliessende Flutwelle überstehen. Trotzdem steigt der politische Druck.

So schnell kann es gehen: Noch vor einem Monat hat sich das Berner Stimmvolk – wenn auch nur sehr knapp – positiv zum Ersatz des bestehenden AKW in Mühleberg geäussert. Heute spricht längst niemand mehr von einem Neubauprojekt in Mühleberg. Im Gegenteil. Nach der verheerenden Atomkatastrophe in Japan muss das Berner Energieunternehmen BKW sogar froh sein, wenn es Mühleberg 1 nicht vorzeitig abschalten muss. Weil in Mühleberg derselbe Reaktortyp verwendet wird wie in den havarierten Werken in Japan, ist der Druck auf die BKW in den letzten Tagen gestiegen. Mit Spannung wurde deshalb der Auftritt der BKW-Spitze anlässlich der Jahresmedienkonferenz gestern in Bern erwartet. Wer allerdings erwartet hatte, die BKW würde den Reaktor vorübergehend freiwillig abschalten, sah sich getäuscht. BKW hält ihr AKW für sicher Man habe sich gefragt, ob eine sofortige Abschaltung nötig sei, sagte BKW-Chef Kurt Rohrbach. Nicht zuletzt aufgrund der Rückmeldung des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) sei die BKW zur Ansicht gelangt, dass in Mühleberg keine betrieblichen Sofortmassnahmen ergriffen werden müssten. Es würden jedoch laufend weitere Überprüfungen gemacht, versicherte Rohrbach. Das Katastrophenmodell Die BKW ist nach wie vor der Ansicht, ihre Anlage sei sicher und würde anders als die japanischen Kraftwerke eine für die Schweiz vergleichbare Katastrophe ohne gravierende Folgeschäden für Menschen und Umwelt überstehen. Als Veranschaulichung übertrug Hermann Ineichen, Chef Energie Schweiz bei der BKW, die Ereignisse in Japan auf den Grossraum Bern. Sein Modell geht von einem Erdbeben der Stärke 7 aus, dessen Epizentrum 20 Kilometer vom AKW Mühleberg entfernt liegt. Die Stärke des Bebens ist ungefähr vergleichbar mit dem vernichtenden Basler Erdbeben von 1356. Aufgrund des Bebens kommt es im BKW-Szenario zum Bruch des Wohlenseedamms, was eine fünf Meter hohe Flutwelle auslöst. Das entspricht für Schweizer Verhältnisse laut Ineichen einem Worst-Case-Szenario. Infolge der beiden extremen Ereignisse würden im AKW Mühleberg wohl die externe Stromversorgung und der Notstromdiesel ausfallen. Hier kommt laut Ineichen nun aber der entscheidende Unterschied zu Japan ins Spiel: Im AKW Mühleberg sorge in solchen Fällen das sogenannte Susan-Gebäude für einen gesicherten Ablauf der Katastrophe. Im geschützten Kommandoraum sind zwei räumlich getrennte Notstromaggregate vorhanden, welche während maximal neun Tagen die Notstromversorgung sicherstellen würden. Auch für den Nachschub von Kühlwasser aus der Aare für die Brennelemente wäre laut Ineichen gesorgt. Dank den Susan-Systemen könne ein partieller Kernschaden oder gar eine Kernschmelze verhindert werden. Ineichens Fazit fällt entsprechend optimistisch aus: «Das AKW Mühleberg könnte ein Erdbeben der Stärke 7 und eine darauf folgende Flutwelle sicher beherrschen.» Politischer Druck steigt Trotz dieser Beruhigungsaktion: Die AKW-Gegner schenken diesen Aussagen keinen Glauben. Vorab die Grünen zeigten sich gestern enttäuscht von der BKW und erneuerten ihre Forderung, das AKW Mühleberg 2012 vom Netz zu nehmen. Sie wollen dieses Thema in der nächsten Grossratssession aufs Parkett bringen. Auch der Berner Regierungsrat wird aktiv (siehe Ausgabe von gestern). Er bestellt die BKW-Chefs demnächst zum Gespräch. All dies zeigt: Der politische Druck auf die BKW steigt, und die Zukunft des AKW Mühleberg bleibt ungewiss. Philippe Müller>

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