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Branchentreffen und Kontaktbörse

FussballAn der U-21-EM trifft sich in diesen Tagen die

Schauplatz ist am Sonntag Viborg, eine hübsche dänische Kleinstadt, bald trifft die ukrainische U-21-Auswahl an der EM auf die tschechische – und oben auf den Tribünen trifft sich die Fussballbranche. YB hat zwei Angestellte vor Ort, der eine ist Stéphane Chapuisat und Chefscout, der andere heisst Ingo Winter, ist Deutscher und arbeitet als Scoutingkoordinator. Eine Woche bleiben die beiden am Turnier, sie teilen sich die Partien auf und heute bei der Beobachtung die zwei Teams. «Aber wir sind auch hier», sagt Winter, «weil viele Leute aus dem Fussballgeschäft an der EM sind und man zahlreiche Kontakte knüpfen kann.» Grösste Talente nach Russland Chapuisat und Winter führen im dänischen Sommer unzählige Hintergrundgespräche. So hat sich Winter mit einem Spielerberater getroffen, der in Weissrussland einflussreich ist. «Spieler aus Ländern wie Weissrussland, der Ukraine oder anderen EM-Teilnehmern aus kleinen Fussballländern sind interessant», sagt Winter, «aber wir müssen bereit sein und ein Bein im Markt haben. Oft gehen die grössten Talente nach Russland.» Und während Chapuisat und Winter in einem Restaurant über ihre Erlebnisse an der U-21-Euro berichten, taucht plötzlich John Sivebaek auf, dänischer Spieleragent und 1992 als Fussballer Europameister geworden. In seinem Schlepptau sind zwei Mitarbeiter, der eine ist der Berater des dänischen Nationalspielers und Neu-YB-Akteurs Michael Silberbauer. «Es sind wirklich viele Leute hier», sagt Stéphane Chapuisat, der bestens vernetzt ist und diskret, wie es seine Art ist, vorgeht. «Wir werden hier kaum einen Spieler entdecken, den man vorher nicht gekannt hat», sagt Chapuisat. «Dafür sind die Fussballer mit 18 bis 22 Jahren schon zu alt und meistens zu teuer.» Aber es gehe eben auch darum, Informationen zu gewinnen und neue Türen aufzumachen. Der wilde englische Markt Und es geht darum, schnell zu sein! Das ist das Motto in der Szene. Besonders gilt das für einen Verein wie YB, der im kontinentalen Vergleich eine kleine Hausnummer darstellt. Die englischen U-21-Nationalspieler Jordan Henderson (20 Jahre alt, Mittelfeld, von Sunderland zu Liverpool) und Phil Jones (19, Abwehr, von Blackburn zu Manchester United) wechselten in den letzten Tagen für rund 30 Millionen Franken den Arbeitgeber. «Der englische Markt ist ziemlich verrückt», sagt Ingo Winter. Die Schweizer Fabian Lustenberger und Jonathan Rossini jedenfalls spielen bisher an der EM besser als Henderson und Jones, dennoch sind sie keinen Zehntel der englischen Jungstars Wert. Shaqiri, der Bluechip Die erfolgreichen und starken Schweizer Talente werden aber auch hoch gehandelt, die Basler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri sind gar Bluechips auf dem Transferbasar. Natürlich wissen die Spieler das, sie sind in Kontakt mit ihren Agenten und haben ausreichend Zeit, um sich im Internet zu amüsieren, wo wieder welcher Spieler warum wie viel kosten soll. «Und dabei beginnt die Transferzeit in Ländern wie Italien und Spanien erst noch», sagt Winter. Besonders wild ufern die täglichen, manchmal stündlichen Spekulationen um Shaqiri aus. Den Krafttechniker kümmerts wenig, im Training witzeln die Mitspieler darüber, einmal fragt Fabien Frei lachend Shaqiri, ob Sir Alex Ferguson, der Trainer von Manchester United, heute schon angerufen habe. Und so ist zwischen Manchester United und YB, 30-Millionen-Transfers und Schnäppchenjäger alles an der U-21-EM vertreten, was im europäischen Fussball Rang und Namen hat. Berater Gaetano Giallanza, der frühere Stürmer der Young Boys, ist ebenfalls in Dänemark, er betreut unter anderem Timm Klose und freut sich über dessen starke Leistung am Dienstag beim 2:0-Erfolg der Schweizer gegen Island. Klose ist bereits von Thun nach Nürnberg verkauft worden in dieser Transferperiode, aber der nächste Deal wartet bestimmt. Giallanza unterhält sich mit vielen Leuten, einmal am Abend isst er mit Jörn Andersen, einem derzeit arbeitslosen Trainer, in einer schicken Pizzeria in Aalborg. Einige Tische daneben speist Chapuisat mit Erwin Zogg, der unter anderem den Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld berät. Die Fussballwelt ist klein hier an der Euro in der dänischen Provinz. Und doch so gross, dass bei der Partie Schweiz gegen Island in Aalborg unter den 1903 Zuschauern vermutlich mehr als die Hälfte aus beruflichen Gründen im Stadion sitzt.Fabian Ruch, Aalborg;Schweiz-Weissrussland: Liveticker, Sa ab 20.45 Uhr. www.bernerzeitung.ch/sport>

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