Zum Hauptinhalt springen

Burgdorf bekommt Lob für ein ungeliebtes Kind

Ausgerechnet die geplante Uferweg-Überbauung hat vom Kanton einen Preis erhalten – ein Vorhaben also, das in der Burgdorfer Bevölkerung höchst umstritten ist.

Die 150000 Franken Preisgeld, die der Burgdorfer «Bauminister» Martin Kolb gestern beim Kanton abholen durfte (siehe Text oben), dürften in Burgdorf nicht überall Jubel auslösen. Im Gegenteil: Der grosse Baukörper, den die Pensionskasse Previs anstelle der rund 50-jährigen Uferweg-Blöcke errichten will, stösst in der Bevölkerung auf einigen Widerstand. Eine Oppositionsgruppe um Erich Buser, Fritz Bösiger und mehreren Siedlungsnachbarn sammelte letzten Sommer gegen die Überbauung respektive die dafür nötige Änderung des Zonenplans innert weniger Wochen über 800 Unterschriften und reichte sie als Petition ein. Käme das Geschäft im Stadtrat trotz allem durch, würde die Gegnerschaft das Referendum ergreifen. Auch die offizielle Politik schaltete sich im Zuge der erhitzten Debatte letztes Jahr ein: Die Burgdorfer SP-Sektion bezeichnete in einer Medienmitteilung den vorgesehenen gut 130 Meter langen und 7 Stockwerke hohen Neubauriegel als «unverhältnismässig» und forderte den Gemeinderat auf, sich mit der Bauherrschaft zusammenzusetzen und nach neuen Lösungen zu suchen. Die Projektgegner stossen sich allerdings nicht nur an der Ästhetik, sondern vor allem auch an der sozialen Problematik. In der heutigen Uferweg-Siedlung wohnen zumeist Leute mit beschränktem Budget, während der Neubau in einem gehobenen Mietstandard realisiert werden soll. Die 300 Leute, die in den 130 alten Wohnungen leben, müssen sich somit nach einem anderen Zuhause umsehen. Das Land schonen Und ausgerechnet dieses in Burgdorf überaus umstrittene Projekt ist nun also vom Kanton wegen seiner Urbanität ausgezeichnet worden. Die architektonischen Vorzüge waren bereits letztes Jahr vom Burgdorfer Stadtbaumeister Peter Hänsenberger hervorgestrichen worden: Der Neubau verursache keine Beschattung von Nachbarbauten und mache die Erweiterung des Gyriparks möglich. Zudem sorge die verdichtete Bauweise für einen schonenden Umgang mit den Landressourcen. «Wir haben den Preis mit grosser Genugtuung entgegengenommen – umso mehr, als er uns von einer kantonalen und in dieser Sache neutralen Jury zugesprochen wurde», sagte gestern der für Planung und Hochbau zuständige Burgdorfer Gemeinderat Martin Kolb auf Anfrage. Bewertet worden sei das Gesamtkonzept; dabei hätten nebst den gestalterischen unter anderem auch die ökologischen Aspekte eine Rolle gespielt. Das Preisgeld geht nicht an die Bauherrschaft, sondern an die Stadt als Planungsinstanz. «Es ist nicht so, dass wir die 150000 Franken nun einfach in die Stadtkasse legen können», erklärt Kolb. «Um an das Geld zu kommen, müssen wir Gesuche stellen und nachweisen, dass wir es wirklich bestimmungsgemäss, das heisst projektbezogen, einsetzen.» Anders gesagt: Würde die Überbauung beim Stadtparlament und beim Volk abblitzen, gäbe es auch nichts zu realisieren – und das Geld bliebe in der Kantonsschatulle. Von diesem Szenario mag Kolb jedoch nicht ausgehen, denn: In Burgdorf solle das Geld für verkehrstechnische, ökologische und soziale Begleitvorhaben eingesetzt werden – also unter anderem auch, um Härtefälle bei den Wohnungskündigungen abzufedern. Dies dürfte, ist er überzeugt, die politische Ausgangslage deutlich verbessern. Auf der Suche nach Lösungen Dass der Kanton das Projekt ausgezeichnet hat, wird auch bei der Bauherrschaft gut aufgenommen. «Ich würde es neutral bis positiv bewerten», sagt Roger Müller, Leiter Immobilien bei der Previs. Der Preis zeige, dass gut und zeitgemäss geplant worden sei. Allerdings stehe man erst am Anfang des Vorhabens. «Wir haben die Reaktionen und Anliegen aus der Burgdorfer Bevölkerung gehört und nehmen sie ernst; jetzt gilt es, entsprechende Lösungen zu suchen.» Hans Herrmann>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch