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Chance, Geschichte zu schreiben

und Ab – nicht immer verlief der Heilungsprozess so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Vor allem zu Beginn war es mühsam, als ich nicht abschätzen konnte, wann ich wieder auf dem Platz stehen kann. Das Wichtigste ist nun, dass ich die Vorbereitung auf die Rückrunde schmerzfrei absolvieren konnte. Es dauerte einen Moment, bis ich mich wieder an den intensiven Trainingsrhythmus gewöhnt hatte. Plötzlich spürte ich am Abend wieder Muskelkater, das kannte ich vor meiner Verletzungspause nicht. Mit der Rückkehr in die Startformation rechne ich vor dem Spiel gegen Basel am Sonntag noch nicht. Noch befinde ich mich nicht in Bestform. Während meiner Pause habe ich praktisch jedes unserer Spiele gesehen. Dadurch erhielt ich für einmal eine Aussensicht auf die YB-Auftritte. Aufgefallen ist mir vor allem, wie kompakt die Mannschaft agiert. Und in jedem Spiel ist jemand bereit, besonders viel Verantwortung zu übernehmen. Für die Rückrunde sind das gute Voraussetzungen. Es ist nicht so, dass wir innerhalb der Mannschaft ständig davon sprechen, wie es sein könnte, in ein paar Monaten den Meisterpokal in den Händen zu halten. Das Thema wird von aussen an uns herangetragen. Der FC Basel wird der stärkste Konkurrent im Titelrennen sein. Die Basler verfügen ebenfalls über eine spielstarke Equipe, ausserdem sind sie sehr erfahren. Aber ich bin überzeugt, wir setzen uns durch. Ich kann mich noch erinnern, wie wir letztes Jahr, nach dem verlorenen Cupfinal, das Scheitern rechtfertigen mussten. Diesmal will ich am Saisonende nicht nach Erklärungen suchen.» Marco Wölfli: «Gut, ist Doumbias Zukunft geklärt» «Ich sage immer: ‹Step by step›. Schritt für Schritt wollen wir uns in der Rückrunde dem Meistertitel nähern. Zwar sind wir mit YB nach der Vorrunde in einer komfortablen Ausgangslage, doch gewonnen haben wir trotz sieben Punkten Vorsprung auf Basel noch gar nichts. Es ist nach der Vorbereitung schwierig, zu sagen, wie weit wir bereits sind. Erst nach einigen Meisterschaftsspielen werden wir wissen, wo wir stehen. Eines steht aber schon jetzt fest: Am fehlenden Teamgeist werden wir nicht scheitern. Schon in der Vorrunde zeichnete uns der Zusammenhalt aus. Alle sind füreinander da. Daran hat sich in der Winterpause nichts geändert – jeder übernimmt Verantwortung. Etwa wenn es darum geht, die neuen Spieler zu integrieren. Diese Eigeninitiative macht die Situation für mich als Captain äusserst angenehm. Ich muss mich nicht um alles kümmern, was neben dem Platz geschieht. Im Vergleich zur letzten Saison hat die Mannschaft einen Reifeprozess durchlaufen. Wir lassen uns nicht leicht aus der Ruhe bringen. Auch der plötzliche Abgang von Saif Ghezal hat uns nicht gross beschäftigt. Er hat seine Aufgaben in der Vorrunde gut erledigt, doch wir können ihn in der Verteidigung ersetzen. Diejenigen, die in der ersten Saisonhälfte nicht so oft gespielt haben, stehen als Alternative bereit – Marc Schneider und Issam Mardassi. Mit Hassan Lingani hat der Klub ja noch einen neuen Verteidiger verpflichtet. Dass Gilles Yapi und Seydou Doumbia uns am Saisonende verlassen, macht mir für den restlichen Saisonverlauf ebenfalls keine Sorgen. Im Falle Doumbias ist es für alle gut, ist seine Zukunft geklärt. Seine Einstellung hat sich bis jetzt nicht verändert, und das wird auch so bleiben. Persönlich setze ich mir jeweils sowohl kurzfristige als auch längerfristige Ziele. Das heisst, ich will einerseits Tag für Tag im Training meine Bestleistung abrufen. Ausserdem will ich die Captainrolle auch in der zweiten Saisonhälfte zur Zufriedenheit aller ausfüllen. Andererseits will ich mit YB den Titel gewinnen und als Schweizer Meister mit dem Nationalteam an der WM in Südafrika dabei sein. Damit hätte ich meinen Fahrplan eingehalten.» Christian Schneuwly: «Das Interesse an mir ist gestiegen» «Nervosität spüre ich vor dem Spiel in Basel nicht. Wir haben gut trainiert und sind auf alles vorbreitet. Ich wünsche mir, dass es für das Team und für mich in der Rückrunde so weitergeht wie in der ersten Saisonhälfte. Ich erhielt vom Trainer mehr Einsatzzeit, als ich mir erhofft hatte, und meine Leistungen stimmten. Das hat mir Vladimir Petkovic während eines Einzelgesprächs im Trainingslager gesagt. Ich profitiere in dieser Saison davon, dass ich zuvor ein Jahr in Biel gespielt habe. In der Challenge League habe ich praktisch jedes Spiel bestritten, und ich trug viel Verantwortung. Das hat mich weitergebracht. Mein persönliches Highlight in der Vorrunde war mein Siegtreffer zum 2:1 in Basel Ende August. Diesen Moment werde ich so schnell nicht vergessen. Ab und zu schaue ich mir den Treffer auf Youtube noch einmal an – und immer wieder ist es ein spezielles Gefühl. Ich habe nicht den Eindruck, dass meine Mitspieler mich seit diesem Tor mit anderen Augen betrachten. Ihren Respekt habe ich immer gespürt, auch wenn ich mit bald 22 Jahren noch ein junger Spieler bin. Der Treffer gegen Basel hat mich aber etwas stärker in den Fokus gerückt. Das Interesse an meiner Person ist gestiegen, und ich musste mehr Interviews geben als zuvor. Mein Bruder Marco und die Teamkollegen Paolo Collaviti und Marc Schneider haben sich um mich gekümmert und mir gesagt, wie ich damit umgehen soll. Auf diesem einen, kleinen Erfolg werde ich mich aber garantiert nicht ausruhen. Petkovic fordert, dass ich mich weiterentwickle, auch ich bin noch lange nicht zufrieden. Es stimmt, junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs hatten es in der Vergangenheit bei den Young Boys nicht leicht. Ich bin trotzdem überzeugt davon, dass meine Perspektiven in Bern sehr gut sind. Klar ist die Konkurrenz gross, und sie wird immer grösser. Doch jeder Spieler kann uns weiterbringen. Ich bin auch nicht desillusioniert, wenn einer kommt, der im Mittelfeld auf den gleichen Positionen spielen kann wie ich. Ich versuche dann einfach, meine Stärken im Training noch stärker unter Beweis zu stellen.» Marc Schneider: «Der Druck wird noch zunehmen» «Ich mag es schon gar nicht mehr hören, dass wir den Titel bis zum Saisonende ja ohnehin wieder verspielen. Wir werden für den Erfolg kämpfen. Dabei stehen wir in der Verantwortung unserer Fans. Sie geben alles für uns, einige sind sogar nach Andalusien gereist, um uns im Trainingslager zu unterstützen. Das ist Wahnsinn. Sie opfern ihre Zeit und ihr Geld für uns. Dieses Engagement wollen wir belohnen. Ich freue mich auf die Rückrunde. Mit sieben Punkten Vorsprung auf den FCB befinden wir uns in einer tollen Ausgangslage. Das Spiel in Basel kann am Sonntag wegweisend sein. Genau so wichtig sind aber die Partien gegen die kleineren Teams. Gegen Aarau oder Bellinzona stehen wir jeweils enorm unter Druck, weil da nur der Sieg zählt. In Basel aber dürfen wir einfach nicht verlieren. Mit einem Unentschieden halten wir den FCB auf Distanz. Persönlich hoffe ich in der Rückrunde natürlich auf mehr Einsatzzeit. In Vladimir Petkovics System werden nur drei Verteidiger gebraucht, und weil der Erfolg da war, gab es für den Coach keinen Grund, an der Startaufstellung etwas zu ändern. Mit dem Abgang von Saif Ghezal ist eine neue Situation entstanden. Petkovic wird entscheiden, wer Ghezals Platz in der Abwehr übernimmt. Das Verhältnis zwischen dem Trainer und mir ist gut, auch wenn ich auf mehr Einsätze gehofft hatte, als ich vor der letzten Saison nach Bern kam. Als ich zu YB stiess, hiess der Trainer noch Martin Andermatt. Unter Petkovic hat sich dann einiges geändert, das war für alle nicht ganz einfach. Auf meine Rolle im Team hat es aber keinen Einfluss, ich bin kein Stammspieler. Im Mannschaftsrat übernehme ich Verantwortung, meine Art kommt bei an bei den Kollegen. Aus meiner Zeit beim FC Zürich weiss ich, was es heisst, im Meisterrennen zu sein, und auch, was es braucht, um den Titel zu holen. Im Moment können bei YB alle gut mit der Situation umgehen. Aber ich bin sicher, der Druck auf uns wird zunehmen, je näher das Saisonende rückt. In dieser Phase werde ich meine Erfahrung einbringen. Wir haben die Chance, Geschichte zu schreiben. Die wollen wir nutzen.» Aufgezeichnet:Alexander Wäfler>

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