Zum Hauptinhalt springen

Christian Zahler tritt Ende Jahr zurück

ostermundigenChristian Zahler (SP) kandidiert nicht für eine weitere Amtszeit als Gemeindepräsident. Er tritt Ende Jahr nach zehn Jahren aus dem Amt zurück. Im Gespräch sieht er die Gemeinde auf Kurs.

Herr Zahler, bei Amtsantritt 2003 hängten Sie Ihre Wahlversprechen im Büro an die Wand. Konnten Sie Wort halten? Christian Zahler: Ja. Die Entwicklung von Ostermundigen ist während meiner Amtszeit gut vorangekommen. Besonders im baulichen und im sozialen Bereich haben wir vieles erreicht. Die laufenden Projekte sind auf einem guten Zwischenstand, ich trete nach zehn Jahren mit einem guten Gefühl zurück. Schwierig bleiben die Finanzen: Ein Defizit jagt das andere, das Eigenkapital schrumpft, die Steueranlage ist hoch. Wieso waren Sie da nicht erfolgreicher? Man muss die gesamte Entwicklung sehen: Mit der Steuererhöhung für das laufende Jahr korrigierten wir bloss einen Teil der vom Kanton beschlossenen Steuersenkung. Zusammen mit der Steuersenkung von 2005 resultierte für die Steuerzahler in zwei Schritten eine tiefere Steuerbelastung. Dass sie im Vergleich mit umliegenden Gemeinden weiterhin hoch ist, liegt an unserer Bevölkerungsstruktur und der Bausubstanz. Daran arbeiten wir, es ist aber ein langfristiger Prozess. Ändern sollen dies die vielen Planungsgeschäfte, die der Gemeinderat vorantreibt. Läuft Ostermundigen nicht Gefahr, mit dem angestrebten Wachstum an Attraktivität zu verlieren? Da habe ich gar keine Bedenken. Wir wollen hauptsächlich verdichten und die Wohnqualität insgesamt erhöhen. Ostermundigen ist keine Landgemeinde. Wir bieten städtische Wohnqualitäten: Alles ist zu Fuss erreichbar, man ist schnell im Stadtzentrum und schnell im Grünen. Ostermundigen ist attraktiv, das zeigt sich auch bei der Nachfrage der verschiedenen Neubauprojekte. Das Tram Region Bern, für das Sie an vorderster Front kämpften, war im Ostermundiger Parlament eine enge Sache. Wird es nicht hart, dieses Geschäft loszulassen? Sicher gehört das Tram zu den Projekten, die ich gerne weiter bearbeiten würde. Gleichzeitig wusste ich schon lange, dass ich das erste Tram, das durch Ostermundigen fährt, nicht mehr als Gemeindepräsident erleben würde. Mit dem Rücktritt auf Ende Jahr bleibt meiner Nachfolgerin oder meinem Nachfolger genügend Zeit, um sich in das Thema einzuarbeiten und die Abstimmung über den Baukredit vorzubereiten. Die Mehrheitsverhältnisse werden unberechenbarer, da nächstes Jahr der Gemeinderat verkleinert wird und Sie nicht mehr antreten. Gefährden Sie mit Ihrem Rücktritt nicht sogar das ganze Projekt Tram Region Bern? Das Projekt ist so zentral für die Entwicklung unserer Gemeinde, dass auch die nächste Regierung das so erkennen wird. Es stimmt aber, dass wir mit dieser Überzeugung beim Volk noch keine Mehrheit auf sicher haben. Ostermundigen bezahlt beim Tramprojekt fast nur die Sanierung der Bernstrasse, die ohnehin notwendig ist. Es ist übrigens eine schöne Ironie der Geschichte: Das deutliche Nein des Volks zum Ausbau der Bernstrasse war die grösste Niederlage meiner Arbeitszeit. Mit dem Tram würden nun die Probleme an der Bernstrasse auf eine noch bessere Art gelöst. Welches sind die Geschäfte, die Ihr letztes Amtsjahr prägen werden? Wir wollen noch verschiedene Geschäfte in die Mitwirkung bringen: das Bären-Hochhaus, ein Areal beim Bernapark an der Grenze zu Stettlen sowie das Gebiet Rütibühl. Zudem soll im Rothus aus einer Landwirtschaftszone eine für Sport- und Freizeitanlagen werden. Sie sind 59-jährig und schreiben in Ihrer Rücktrittserklärung, Sie wollen eine neue berufliche Tätigkeit ausüben, die über das Rentenalter hinausreichen soll. Machen Sie sich selbstständig? Tatsächlich ist noch überhaupt nichts konkret. Bisher konnte ich auch nicht sondieren. Ich möchte weiterhin etwas bewirken und insbesondere meine politischen und planerischen Erfahrungen einbringen können. 2008 trat SVP-Gemeinderätin Annagreth Friedli nach Querelen zurück, Hardlinerin Aliki Panayides ersetzte sie. Ist das schwieriger gewordene Klima in der Regierung auch ein Grund für Ihren Rücktritt? Das Gegenteil ist wahr. 2008 hatten wir eine schwierige Phase, doch haben wir sie gut bewältigt. Heute ist das Klima im Gemeinderat sehr gut. Interview: Christoph Hämmann Christian Zahlerist Architekt ETH. Vor der Wahl zum Gemeindepräsidenten arbeitete er als Informatiker. Der 59-Jährige ist ledig.>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch