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Christoph Kohli (Span)

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«Es war 1972, vor genau vierzig Jahren, als wir uns entschlossen, gegen den Willen unserer Eltern mit dem bürgerlichen Leben zu brechen. Wir waren alle kaum zwanzig und hatten gerade unsere Lehre beendet. Ich, mein Bruder Matthias und Schöre Müller spielten bereits in verschiedenen Schülerbands. Wir hörten von der Hippiebewegung, von Kommunen, und Freiheit – und fingen Feuer. Also gründeten wir eine Art Supergruppe aus den besten Musikern der Nachwuchsbands und nannten uns Grünspan. Wir mieteten für 335 Franken pro Monat ein Bauernhaus in Hämlismatt oberhalb von Biglen. Dort lebten wir von der Hand in den Mund und probten im umfunktionierten Kartoffelkeller. Für die Einheimischen waren wir die wilden Rocker aus der Stadt, ein Faszinosum. Eine eigentliche Rockszene gab es damals noch nicht, unser Song «Bärner Rock» von 1974 gab ihr erstmals einen Namen. Ein Jahr später trennten wir uns vom damaligen Sänger und Gitarristen, neu stiess Daniel Sigrist dazu. Aus Grünspan wurde Span. Es war eine chaotische Zeit. Einmal gaben wir ein Konzert spontan und ohne Bewilligung, auf dem Schulhausplatz in Hasle-Rüegsau. Die Schüler freuten sich, und die Lehrer liessen uns gewähren. Die Stimmung in dieser Anfangszeit war enthusiastisch. Wir liessen uns von nichts leiten als von Lust und der Dringlichkeit, Musik zu machen. Überzeugt davon, dass wir eines Tages berühmt werden würden. Wir lebten im Jetzt, an die Zukunft dachte niemand. Jenseits der dreissig? Das war uralt und unvorstellbar weit weg. Wie eine Art Familie lebten wir fast zehn Jahre lang in diesem Bauernhaus und machten Musik. Verträge untereinander gab es keine – auch heute nicht. Man weiss sowieso nie, was passieren wird, auch mit Vertrag nicht. 1985 löste Schöres Bruder Stefan Müller Daniel Sigrist ab, und bis 2008 spielten wir in dieser Formation. Als mein Bruder aus der Band ausstieg und Schlagzeuger Matthias Nydegger zu Span stiess, änderte sich die Dynamik, neue Impulse beflügelten uns. Zurzeit arbeiten wir an den Songs für unser erstes Album in der neuen Zusammensetzung, Ende Jahr soll es erscheinen – wir gehen es nun ruhiger an als früher, mit weniger Druck. Warum wir uns damals Grünspan nannten? Grünspan wird umgangssprachlich die grüne Alterungsschicht auf Kupferoberflächen genannt, zum Beispiel auf der Bundeshauskuppel. Grünspan ist giftig und schön – und äusserst hartnäckig.» Aufgezeichnet: Maria Künzli;Jubiläumskonzert Span: «40 Jahre Christoph Kohli und Schöre Müller», Freitag, 20.Januar, 21 Uhr, Mühle Hunziken, Rubigen. Reservation: Tel. 031 7210721. >

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