Zum Hauptinhalt springen

Dällenbach bläst dem Rat den Marsch

thunDie Nächstenliebe und eine sachliche Diskussionskultur: Für diese Werte will sich Jürg Dällenbach als höchster Thuner einsetzen. Denn: Der EVP-Stadtrat spielt 2012 nicht nur in seiner Freizeit Es-Horn, sondern bläst dem Rat den Marsch. Dieser wählt ihn morgen zu seinem Präsidenten.

Jürg Dällenbach hebt im Wohnzimmer seine Hieroglyphen-Schmuckschildkröte hoch und legt sie auf seine Hand, die er vor sein Gesicht hält. Das Schalentier zieht sofort die Beine ein, den Kopf dagegen hält es unbeirrt geradeaus gestreckt und schaut ihn an. «Ich weiss nicht, ob sie mich kennt», sagt der 43-jährige EVP-Stadtrat und lächelt ihr zu. «Ich finde diese Tiere spannend, wie auch Schlangen und Echsen», sagt er, während er seine namenlose Wasserschildkröte wieder in ihrem Terrarium absetzt. Jürg Dällenbach, der morgen Abend zum Stadtratspräsidenten und damit zum höchsten Thuner im Jahr 2012 gewählt wird, fühlt sich wohl in seinem Reich. «Ich bin hier aufgewachsen und ha-be, abgesehen von einem Jahr, immer in dieser Wohnung und in diesem Viergenerationenhaus mit unserem Familienbetrieb gelebt.» Die christlichen Werte Jürg Dällenbachs Vater Peter, der ebenfalls EVP-Stadtrat war und 1981 gestorben ist, wäre bestimmt stolz auf ihn. Wie er einst hält sein Sohn Fische in einem riesigen Aquarium im Wohnzimmer, musiziert, führt das Geschäft, politisiert und lebt nach den Grundsätzen der Bibel und ist Mitglied Freien Evangelischen Gemeinde Thun (FEG). «Die christlichen biblischen Werte sind mein oberstes Gebot und Ziel. Sie sind die Grundlage für meine Politik und nicht das Parteibüchlein.» Das heisst für ihn: An erster Stelle steht die Nächstenliebe. «Damit ist alles gemeint, was dem Wohle des Menschen dient.» Dazu gehörten ein Umfeld, das ihm ein gutes Leben und den Verdienst für den Lebensunterhalt seiner Familie bietet, wie auch eine existenzsichernde Sozialhilfe. «Wichtig sind mir ebenso die Achtung vor der Schöpfung und der Natur, was zum Beispiel ein gesundes Mass an Verkehr beinhaltet.» «Die FEG ist meine geistige Heimat, dort fühle ich mich wohl.» Wenn es zeitlich möglich sei, gehe er zur Predigt. «Dort sind meine Freunde, und ich höre die Worte Gottes und profitiere und lerne von der Bibel.» Die familiären Bande In der FEG hat Dällenbach auch seine Ehefrau Theres kennen gelernt, die wie er als Kind in dieser Gemeinschaft aufgewachsen ist. Auf der Bühne, als die beiden vor 24 Jahren die Hauptrollen in «Die Jungfer Elise» spielten, verliebten sie sich. «Wir waren stets zusammen – und da hat es gefunkt», erinnert er sich und schaut verschmitzt zu seiner Frau hinüber, die neben ihm am Wohnzimmertisch sitzt und dem Gespräch beiwohnt. 1990 haben sie geheiratet, 1991 kam Tobias zur Welt, 1992 Rebekka und 1994 Manuel. «Sie sind wie ich früher in der Jungschar aktiv, was mich sehr freut», sagt Dällenbach. Für ihn ist seine Frau die Kraft im Hintergrund: «Sie ist mein Ein und Alles, meine Lebenspartnerin, Freundin, Geliebte und die Mutter meiner Kinder.» Die geschäftlichen Ziele Jürg Dällenbach leitet die W. Dällenbach AG mit 13 Angestellten seit 1996 in der dritten Generation. Sein Grossvater hat den Betrieb 1947 gegründet. Heute betreut der Stadtratspräsident 2012 die Malerei, sein Cousin Stefan Dällenbach die Gipserei. Sein Onkel Walter Dällenbach ist Verwaltungsratspräsident und arbeitet im Hintergrund mit. «Meine Stärken sind das Organisieren und dabei die Übersicht zu bewahren, meine Schwäche ist dagegen meine Unsicherheit, wenn etwas nicht wie geplant abläuft.» Gerade beschäftigen ihn die Entwicklungen im arabischen Raum und in Nigeria, wo ein Angestellter wegen der Streiks und Unruhen nicht ausreisen kann. «Mir widerstrebt das Fundamentale und das Fanatische, ob bei Christen oder Muslimen.» Die musikalischen Töne Nebst Schildkröten und Fischen und dem Fotografieren ist seit Kindheit die Musik sein grösstes Hobby. «Mein Vater blies Trompete, ich blase das Es-Horn.» Der EVP-Stadtrat präsidiert den Posaunenchor Thun, spielt an Gottesdiensten und mit seinem Onkel in ihrem Musikzimmer im Dachstock des Hauses. «Das Es-Horn ist das schönste Instrument. Im Orchester ist sein Platz zwischen den hohen und tiefen Tönen, es füllt die Lücken, bietet kleine Solos, und wenn es nicht da ist, fehlt es.» Dies seien Eigenschaften, die wohl seinem Wesen entsprechen würden. Er freut sich, 2012 dem Rat den Marsch zu blasen und die Sitzungen zu leiten: «Ich freue mich auf alles, was diese Amt bietet, auf die Einladungen und die Repräsentationsarbeit für die Stadt Thun.» Die politischen Wünsche Als Stadtratspräsident sieht er sich als Vermittler im Rat, als einer, der Fäden knüpft. In den Debatten will Dällenbach keine Zeitlimiten setzen. «Diskussionen braucht es, sie müssen jedoch sachlich sein.» Ihm sei bewusst, dass er Thun in diesem Jahr nicht auf den Kopf stellen könne. «Doch mein Wunsch ist, dass nach dem vergangenen ersten Einarbeitungsjahr des neu zusammengesetzten Gemeinderates im Jahr 2012 Nägel mit Köpfen gemacht werden.» Marchsteine wie die geplante Volksabstimmung zum Schlossberg oder die Planung zur Sanierung des Eisstadions Grabengut seien für ihn zentral. «Ich möchte Ende Jahr sagen können, dass Thun 2012 weitergekommen ist», sagt der EVP-Stadtrat, dem das Politisieren sozusagen in die Wiege gelegt worden ist: «Als ich ein Kind war», erinnert sich Jürg Dällenbach, der 2001 für Robert Hari nachgerutscht ist und seit 2004 nach Peter Holenstein (CVP) als Sechster die Fraktion der Mitte vertritt, «hat die EVP in unserer Wohnung sogar die Fraktionssitzungen durchgeführt.» Franziska Streun>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch