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«Damit leiste ich meinen Zivildienst»

SpiezWer den Oltner Erfolgsautor Alex Capus bis am Mittwoch noch nicht kannte, verfiel seinem Charme spätestens in der beliebten Gesprächs-Reihe «Under üs gseit» in der Bibliothek. Mehrere seiner Bücher standen auf der Bestsellerliste.

«Alex Capus liebt die Menschen, deshalb lieben die Menschen seine Bücher.» So versuchte Walter Zimmermann, Gesprächsleiter und Präsident des Vereins Bibliothek Spiez, den Erfolg des mehrfach Bestsellerlisten anführenden Autors zu erklären. Die Zuhörenden glaubten ihm aufs Wort, zumal sie die Schweiss treibende Hitze im alten «Providurium» schon vor einer Stunde vergessen hatten. Alex Capus weigerte sich standhaft, aus seinem jüngsten, zum Teil autobiografischen Roman «Léon und Louise» vorzulesen. Dafür verriet er Pariser Geheimnisse, die schon damals allen bekannt gewesen waren. Etwa von der jungen Lehrerin aus dem Schwarzbubenland, die auszog, um England zu erobern und bereits in Frankreich einer ausgeliehenen Postkarte zum Opfer fiel. Es begann in Afrika Die humorvolle, aber nie flache Lebensnähe im Gespräch fesselte Kenner seiner Bücher ebenso wie Neulinge. Das muss schon mit seinem ersten von insgesamt 14 Büchern angefangen haben. Die Geschichte des Forschers Werner Munzinger, der vor 150 Jahren in Afrika zu Ansehen und Reichtum gekommen war, habe er noch im Selbstverlag unter die Leute gebracht. Dann kamen die Buchhandlungen und der Diogenes-Verlag von selbst zu ihm. Ob die Welt seit der Geschichte aus Afrika besser geworden sei, wollte Walter Zimmermann wissen. Wer mochte der schlagfertigen Antwort – «die Summe von Intelligenz und Dummheit bleibt immer gleich, auch wenns heute beim Zahnarzt besser ist» – schon widersprechen? Die Mischung aus Realität, umfassend recherchierter Grundlagen und eigener Erfahrung im Umgang mit den Figuren kamen im «Under üs gseit» als weiterer Erfolgsgrund zum Vorschein. «Am nächsten sind mir Vorbilder, die sich durchbeissen müssen im Leben», sagte der mehrfache Träger von Förder-, Literatur- und Anerkennungspreisen und erinnerte sich ans Fremdsein, als er selbst als Fünfjähriger mit der Mutter in die Schweiz gezogen war. Als Miteigentümer des legendären und wieder belebten Eisenbahner-Restaurants «Flügelrad» in Olten sei er nicht zum Neokapitalisten geworden, widersprach Capus der Zimmermannschen Unterstellung. So könne er sein Kapital für Menschen statt nach Bruttorendite einsetzen, entgegnete der 50-j$hrige Absolvent der Universität Basel in Geschichte, Philosophie und Ethnologie, Journalist und mehrjährige Inlandredaktor der Schweizerischen Depeschenagentur sda. «Zum Parteipräsidenten der SP Olten wurde ich, weil keines der anderen 200 Mitglieder wollte», bekannte der Familienvater von fünf Buben verschmitzt, um gleich darauf die Annahme des Mandats zu begründen: «Als Schriftsteller kann man nicht abseits stehen, die andern kritisieren und selber nichts tun. Damit» – so Capus – «leiste ich meinen Zivildienst.» Guido Lauper>

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