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Das Artistenseil hängt über dem See

thunerseeEin Helikopter und rund 15 Spezialisten spannten gestern ein über

Hansueli Rösti kennt sich aus mit Seilzügen. Ausgerüstet mit Helm und Umlenkrollen macht er sich gestern Morgen früh auf den Weg. Als Mitarbeiter der Zurbrügg Seilbahnen und Montage AG aus Frutigen leitet er eines der vier Teams, welche damit beauftragt sind, ein über 3,3 Kilometer langes Seil über den Thunersee für einen Fussgänger zu spannen. Der Fussgänger ist Seilartist Freddy Nock. Er will morgen Samstag riskieren, was noch kein Mensch vor ihm wagte, und ohne Sicherung auf dem 20 Millimeter dicken Seil von Leissigen zu den St.-Beatus-Höhlen laufen. Doch bevor es so weit ist, sind Hansueli Rösti und rund 15 Leute gefordert. Denn obwohl die Frutiger Firma schon in Hongkong oder in New York Seile für Bahnen mit grosser Spannweite eingezogen hat, bedeutet der Seilzug über den Thunersee nicht Routine. «Die Distanz ist das Spezielle», sagt Rösti, und montiert am Felshaken über den Beatushöhlen eine Umlenkrolle, derweil sein Schwiegervater und Seniorchef Fritz Zurbrügg mit seinem Team unten am Parkplatz das aufgerollte Seil kontrolliert. Unterstützt wird die Firma dabei von Mitarbeitern der umliegenden Seilbahnbetrieben Niederhorn, Stockhorn und Niesen. Teamarbeit das A und O «Teamarbeit ist das Wichtigste, wir müssen uns auf alle verlassen können», sagt Fritz Zurbrügg. Angesprochen sind damit die Leute vom Seerettungsdienst, die während der Aktion für die Sicherheit auf dem See sorgen, die Leute des Verkehrsdienstes, welche die Kantonsstrasse überwachen, und das Team der Berner Oberländer Helikopter AG Bohag. Letztere sind gleich mit drei Flughelfer vor Ort. «Das Ziehen des Seils bedeutet eine besondere Herausforderung», erklärt Bohag-Geschäftsführer Daniel Sulzer. Der Helikopter trägt dazu eigens ein rund 400 Kilogramm schweres Gewicht, damit sich das Seil am Fluggerät nicht verheddern kann. Für Helipilot Simon Thöni ist die Aufgabe jedenfalls ziemlich anspruchsvoll, als Hansueli Rösti und Flughelfer Beat Moor das Seil oberhalb der Beatushöhlen am Heli präzis anhängen. «Über dem See hat der Pilot keine Referenzpunkte, an denen er sich orientieren kann», erklärt Sulzer. Gewissermassen über den See gelotst wird er von den Flughelfern und einem Boot, die dem Piloten den möglichst kürzesten Weg nach Leissigen vorgeben. Zudem bleibt offen, wie weit die Helikraft reicht, um das 800 Kilogramm schwere Seil übers Wasser zu ziehen. «Das Ganze lässt sich im Vorfeld nur bedingt berechnen, wie weit es über den See geht, entscheidet der Pilot», sagt Daniel Sulzer. Auf dem See warten Boote der Seerettung. Sie sollen das Seil übernehmen, sobald Helikopter und Pilot an ihre Grenzen kommen. Doch vorerst heisst es abwarten. Der Helikopter bringt das Seil fast bis ans andere Ufer. Nur ein paar Meter vor Leissigen reicht die Leistung nicht mehr. Dem Team von Projektleiter Réy Supersaxo bleibt einzig, das Artistenseil ans Ufer zu ziehen. Dort soll es an einem Betonfundament mit vier Ankern, welche zwölf Meter tief in die Erde reichen, befestigt werden. Doch das Seil erweist sich als fast 100 Meter zu lang, um es mit rund acht Tonnen Zugkraft zu spannen. Es muss eingekürzt werden. «Ein solches Kunststoffseil ist immer schwierig zu berechnen und birgt immer eine gewisse Toleranz», erklärt Supersaxo. Der Projektleiter hat eine Lösung bereit: Um das in England hergestellte Seil einzukürzen, wird ein Spezialist der Seilfirma Jakob AG aus Trubschachen angefordert. Der Weltrekordversuch über dem Thunersee ist der Abschluss einer ganzen Reihe (siehe Kasten). Freddy Nocks Rekordjagd kommt der Stiftung Unesco – Bildung für Kinder in Not zugute. Das Projekt unterstützt Kinder in Bangladesch. Organisiert wird der Weltrekordversuch von Thunersee Tourismus (TST). Rund 100000 Franken budgetiert TST für diesen spektakulären Anlass. Stefan Kammermann >

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