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Das Duell steht im Schatten einer Justizgeschichte

RadIm Vorfeld der Tour de France deutet vieles auf einen neuerlichen Kampf zwischen Alberto Contador und Andy Schleck hin. Die Teilnahme des Spaniers ist höchst umstritten.

Für Fabian Cancellara hat das Abenteuer Tour de France wider seinen Vorstellungen begonnen. Ehe der Berner am Dienstagmorgen an die Präsentation der Leopard-Trek-Delegation nach Luxemburg reiste, war er zu Hause in Ittigen von Dopingkontrolleuren besucht worden. Es sei ihm kaum mehr Zeit geblieben, sich von seiner Familie zu verabschieden, verkündete der 30-Jährige. Was er dabei dachte, liess er die Öffentlichkeit via Twitter wissen – mit Rücksicht auf jugendliche Leser wird auf die Wiedergabe des Gezwitschers verzichtet. Fällt am Samstag an der Atlantikküste der Startschuss zur 98.Auflage der Frankreich-Rundfahrt, werden sich Cancellaras Gedanken vornehmlich um ein Thema drehen. Weil kein Prolog angesetzt ist, stellt er die eigenen Ambitionen zurück und sich in den Dienst des Teams. Ziel der «Leoparden» ist der Triumph in der Gesamtwertung, realisiert werden soll dieser durch Andy Schleck. Vor Jahresfrist musste sich der Luxemburger um lediglich 39 Sekunden geschlagen geben, nun gilt der 26-jährige Schlaks wiederum als erster Herausforderer Alberto Contadors. Der Spanier, welcher den Giro d’Italia nach Belieben dominierte, die Konkurrenten mitunter wie Anfänger aussehen liess und sich als erster Fahrer seit Marco Pantani 1998 das «Double» Giro/ Tour sichern könnte, spaltet die Szene. Während Schleck zu sagen pflegt, er konzentriere sich auf die eigene Leistung, gibt es zusehends mehr Protagonisten, die ihren Unmut über die Tour-Präsenz des dreimaligen Gewinners publik machen. Weil der Internationale Sportgerichtshof das Dopingverfahren gegen den Iberer zurückgestellt hat, steht dessen Teilnahme nichts im Weg und die Rundfahrt im Schatten einer Justizgeschichte. Aus diesem Grund wurde das in Lausanne ansässige Gremium von Christian Prudhomme kritisiert. Der Direktor der Tour de France monierte, er könne nicht nachvollziehen, dass der Fall Contador fast ein Jahr nach der positiv ausgefallenen Dopingkontrolle am zweiten Ruhetag der «Grande Boucle» noch nicht geklärt sei. Ungewiss ist auch, ob sich Andy Schleck überhaupt einer Verfassung erfreut, die es ihm ermöglicht, an der Festung Contador zu rütteln. Anlässlich der Tour de Suisse hinterliess er einen zwiespältigen Eindruck, was insofern relativiert werden muss, als die Schlaufe durch die Schweiz etlichen Leadern primär zum Einfahren und Testen dient. An Unterstützung wird es ihm kaum mangeln. Sein Bruder Fränk Schleck und Jakob Fuglsang werden ihn am Berg begleiten, Jens Voigt (39) und Stuart O’Grady (37) ihre Erfahrung einbringen. Der Australier steht vor seiner 15.Tour-Teilnahme und wird in dieser Rangliste auf Position 2 vorrücken – hinter Joop Zoetemelk, der 1980 als letzter Holländer reüssierte und 16-mal dabei war. Sein Zimmerkollege Cancellara wird schon am Sonntag richtig gefordert sein, als Lokomotive im 23 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren in Les Essarts. Es gilt, den Rückstand auf die in dieser Sparte besten Equipen in Grenzen zu halten, ohne zu stark in die Pedale zu treten. Es ist auch schon vorgekommen, dass die leichtgewichtigen Kollegen das Hinterrad des Spezialisten nur unter grösster Anstrengung zu halten vermochten. Micha Jegge>

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