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Das Ende einer 100-jährigen Tradition und ein Neuanfang

SpiezErstmals nach

Holz für Winterwärme dürfte im Bürgwald schon vor 5000 Jahren ein Thema gewesen sein. Davon zeugen Ausgrabungen aus der Jungsteinzeit um 3500 bis 2200 vor unserer Zeitrechnung und aus der Bronzezeit (2200 bis 1400 vor Christus). «Ohne Holz kein warmes Essen, war noch Anfang des letzten Jahrhunderts üblich», wusste Hans Adolf Mühlematter, der sich am vergangenen Samstag an die Silvesterholzsteigerungen während des Zweiten Weltkriegs erinnerte. «In den letzten Jahren hatte diese Steigerung nur noch symbolischen Charakter», begründete Bäuertpräsident Ruedi Thomann das Ende der langen Tradition. Und: «Ich kam mir manchmal vor wie der einsame Rufer, der auf sein Echo lauschte und nichts zu hören bekam.» Gar so schlimm wars nicht gewesen. Die Bäuertgemeinde musste das Holz weder in den vergangenen Jahren noch heuer im Wald stehen lassen. Und die alte Tradition ist nicht ganz verschwunden: Die Bäuertgemeinde von Faulensee will an Silvester oder kurz vorher auch künftig einen Verkauf mit anschliessendem Apéro durchführen. Allerdings ohne Versteigerung, so wie das an Silvester nun zum ersten Mal passierte. Diesmal hatten die fünf im Inforama Hondrich entsprechend ausgebildeten Männer laut Förster Toni Mühlematter während zehn Tagen im Bürgwald 60 Ster Brennholz (Buche und Eiche) aufgerüstet und 42 Kubikmeter Buche bereitgestellt. Letztere werden als Nutzholz in die Burgdorfer Sägerei Lörtscher verkauft. Dazu kommen rund 1000 Kubikmeter Brennholz im Seeholzwald, die im Frühjahr durch Forstlehrlinge im Zusammenhang mit ihrer Abschlussprüfung um 300 Kubikmeter ergänzt werden. Eine Nachkalkulation des Revierförsters Stefan Luginbühl habe ergeben, dass das Brennholz an den früheren Steigerungen zu jeweils 120 bis 130 Franken pro «Tisch» (anderthalb Ster) unter dem Gestehungswert verkauft worden war, erklärte Ruedi Thomann. Auch mit dem Festpreis von 135 Franken würde lediglich die Arbeit bezahlt; das Holz selber bleibe so gut wie geschenkt. Offene Energiezukunft «Sollte eine neue Situation, wie beispielsweise Rohstoffmangel, entstehen, könnte man die Situation neu überdenken und gegebenenfalls auf die Steigerung zurückkommen», schaute der Bäuertpräsident in die Zukunft. Ein Hinweis, der bei Glühwein, Käse und Züpfe zu angeregten Diskussionen über eine ungewisse Energiezukunft führte. Dabei waren sich alle Beteiligten einig: «Auf die traditionelle Versorgung mit Brennholzvorräten im Bürgwald für den übernächsten Winter – frisch aufgerüstetes Holz muss bekanntlich zwei Jahre gut gelüftet gelagert werden – wollen wir nicht verzichten.» Guido Lauper>

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