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Das Kokain lag unter Chiquita-Bananen

utzenstorfDer Chef der Steffen-Ris AG lobt, wie seine Leute auf den Koksfund in den Bananenschachteln reagiert haben. Und sieht seine Firma als Opfer einer missratenen Schmuggelaktion.

«Unsere Leute haben sich von A bis Z richtig verhalten.» Thomas Steffen, der Chef der Früchte- und Gemüsehändlerin Steffen-Ris AG in Utzenstorf, windet seinen Mitarbeitern ein Kränzchen. Schliesslich war er «nicht nur überrascht, sondern schockiert», als ihn am Dienstagnachmittag um zwei Uhr aus der hauseigenen Bananenreiferei die beunruhigende Nachricht ereilte: In einer Charge Bananen waren rätselhafte Päckchen mit einem hart zusammengepressten Pulver entdeckt worden. Nur zufällig sei dieser Fund gemacht worden, fährt Steffen fort, denn eigentlich werde die ein- und ausgehende Ware nur stichprobenmässig geprüft. Die Reiferei funktioniere nämlich so, dass man ganze Paletten aufs Mal in die einzelnen Zellen schieben und davon ausgehen könne, dass die Früchte schön gleichmässig gelb würden. Nur wenn es Probleme gebe, müsse man genauer hinschauen. Eile im Hafen Antwerpen «Wir haben relativ rasch gesehen, dass es sich beim Pulver um Rauschgift oder zumindest um einen rauschgiftähnlichen Stoff handeln muss», kommt Steffen auf die Ereignisse vom Dienstag zurück. Vor diesem Hintergrund habe man umgehend die Polizei eingeschaltet – und tatsächlich erwies sich der erste Verdacht mehr als berechtigt: Nicht weniger als 70 Kilo Kokain von hohem Reinheitsgehalt kamen zum Vorschein, wie die Polizei tags darauf mitteilte. Den Marktwert schätzte sie «auf mindestens eine Million Franken». Die Päckchen seien in sieben Kisten verstaut gewesen, schön versteckt unter einer Schicht Bananen, fährt Steffen fort. So seien sie von aussen gar nicht einsehbar gewesen. Für die Polizei war schnell klar, dass die Sendung nicht für die Früchte- und Gemüsehändlerin in Utzenstorf bestimmt gewesen war. Schon am Mittwoch sprach sie von einem Irrläufer, von einer Sendung, die nicht einmal in die Schweiz hätte kommen sollen. In dieser Frage tappte sie noch gestern im Dunkeln, wie sie in einer weiteren Mitteilung deutlich machte: «Insbesondere ist die Frage nicht geklärt, wer der eigentliche Empfänger der Kokainlieferung sein sollte.» Bereits gesichert ist dagegen, dass die Bananen aus Kolumbien stammen und über Antwerpen in die Schweiz gelangten. Offenbar erreichten sie den Hafen in Belgien mit Verspätung, weshalb beim Umlad auf die Lastwagen Eile angesagt war und es zur Verwechslung kam. Erst- und einmalig Mit dem Fund in den sieben Schachteln war die Sache für die Utzenstorfer übrigens noch nicht ausgestanden. Steffen bestätigt, dass das wenig später in Graubünden und im Thurgau entdeckte Kokain ebenfalls in Bananenkisten aus seiner Reiferei gelegen hatte. So kamen weitere 30 Kilo dazu, der Marktwert erhöhte sich auf anderthalb Millionen – «ein Teil der Charge war halt am Dienstagnachmittag bereits an die Kunden ausgeliefert», sagt er zur Erklärung. Dann betont er noch, dass ein solcher Fund in der fast 20-jährigen Geschichte der Bananenreiferei erst- und einmalig sei. Nicht einmal die exotischen Spinnen, wie sie gemeinhin in den importierten Kisten vermutet würden, kämen in der Realität vor – «wir wurden», wiederholt er, «Opfer einer missratenen Schmuggelaktion». Genauso wie Chiquita, die Lieferantin.Stephan Künzi>

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