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Das Schiff, der See, die Promenade

Obs am türkis glitzernden See liegt? Um Brunnen im Herzen der Schweiz weiss man. Um sein Emmentaler Pendant dagegen kaum.

Dieses Brunnen kennt man. Es liegt am Vierwaldstättersee im Herzen der Schweiz, ältere und neuere Hotelbauten prägen das Bild, und wenn im Sommer die Tage strahlend und die Touristen zahlreich sind, pulsiert hier das Leben. Gerade an der Uferpromenade, wo regelmässig das Dampfschiff anlegt. Und wo adrett zurechtgeschnittene Bäume in Reih und Glied willkommenen Schatten spenden. Satt hebt sich ihr grünes Laub vom türkis schimmernden Wasser ab. Welch ein Farbenspiel. Beerenweine, Beerenliköre Jenes Brunnen kennen nur wenige. Es liegt im südwestlichen Zipfel der Gemeinde Dürrenroth und leicht erhöht an einem Ort, an dem aus allen Richtungen eine Handvoll Strässchen zusammenlaufen. Stattliche, zum Teil reich verzierte Bauernhäuser prägen das Bild des Weilers, zu dem auch eine alte, stillgelegte Käserei gehört. Auf der Weiterfahrt nach Weier fallen die Beerenkulturen von Peter Bracher auf. Beerenweine, Beerenliköre sowie Sirupe und Konfitüren finden von hier aus den Weg zu ihren Abnehmern – und tragen Dürrenroth und vielleicht sogar Brunnen trotz allem ein bisschen Bekanntheit ein. Mit einem Blick aufs Rütli Brunnen am Vierwaldstättersee gibt sich von Beginn weg patriotisch. An der Strasse vom Bahnhof zur Promenade sticht eine prächtig mit den Wappen von Uri, Schwyz und Unterwalden bemalte Fassade ins Auge. Vorbei gehts an Souvenirshops mit heimatlichen Postkartenauslagen zur Bundeskapelle und weiter zum Auslandschweizerplatz am See. Hier flattert vor der Kulisse des grossen und kleinen Mythen auch die rote Fahne mit dem weissen Kreuz im Wind. Wen wunderts, gleich gegenüber grüsst vom andern Ufer die Rütliwiese, auf der sich 1291 die Vertreter der drei Urkantone Treue geschworen und damit die Eidgenossenschaft gegründet haben sollen. 24 Jahre später bekräftigten sie ihren Bund in Brunnen, das als Hafen des Landes Schwyz seit je das Tor zur Welt und fortan auch zu den Bundesgenossen war. Nachzulesen ist all dies im Führer zu den beiden Kulturwegen, auf denen sich Brunnen und sein Umland am besten entdecken lassen. Die kleine Schrift liegt gratis im Tourismusbüro auf, und sie lenkt den Blick nun auf weitere Kirchen und Kapellen, wie sie in dieser urkatholischen Gegend so zahlreich sind. Apollonia und das Zahnweh Auf die Bundeskapelle aus dem 17. Jahrhundert folgt die moderne, noch nicht ganz 40-jährige Theresienkirche. Später liegt die Nothelferkapelle am Weg, die von den Gebäuden links und rechts fast erdrückt zu werden scheint. Oder, wie speziell, die noch etwas kleinere Zahnwehkapelle mit ihrer Figur der heiligen Apollonia. Die Patronin gegen das Zahnweh hält sogar eine kleine Zange in der Hand. Im Geist der 1970er-Jahre Dazu kommt, natürlich, die alte Pfarrkirche in Ingenbohl, auch sie aus dem 17.Jahrhundert. Sie liegt dem Kloster Ingenbohl zu Füssen, das erst seit gut 150 Jahren an dieser Stelle steht und heute Mutterhaus einer Kongregation mit 3900 Nonnen in über 15 Ländern ist. Nach umfassenden Umbau- und Erweiterungsarbeiten atmen seine Gebäude über weite Teile unübersehbar den Geist der 1970er-Jahre. Ingenbohl? Genau, denn hier, im alten bäuerlichen Kern rund um die Pfarrkirche, schlägt das politische Herz der Gemeinde, die eben Ingenbohl und nicht Brunnen heisst. Brunnen ist – genau wie sein Pendant im Kanton Bern – nur ein Ortsteil, wenn auch der mit Abstand grösste innerhalb der Gemeindegrenzen. Eine Fabrik, die dominiert Im ebenen Hinterland legt Brunnen sein touristisches Gewand ab. Hier, direkt an der Autobahn und Eisenbahn, machen sich die vielfältigsten Lager- und Industriebauten breit, allesamt überragt von der traditionsreichen, mittlerweile aber geschlossenen Zementfabrik. Nebenan wird in grossen Siedlungen gewohnt – und überall zeugen Profile und Kräne davon, dass gerade dieser Boom wohl noch lange nicht zu Ende ist.Stephan KünziUnter dem Titel «Zwillingsorte» stellen wir Gemeinden oder Ortsteile vor, die gleich heissen wie ihre Pendants im Emmental. Bisher erschienen: «Zwischen Kirchen und Kühen» (13.7.), «Hügel und Hügelchen als Berge» (17.7.), «Mutten – mal steil und mal eben» (20.7.), «Die Spuren des Sankt Nikolaus» (24.7.), «Zum Entspannen unter Tannen» (27.7.), «In Wiler hängt alles an der Bahn» (31.7.), «Ein Stadtteil mit Überraschungen» (3.8.). >

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