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Das schwierige Traumlos

Am 17.August in Bern und am 25.August in London trifft YB in den Champions-League-Playoffs auf Tottenham. Im englischen Spitzenklub spielen zahlreiche Starspieler mit einem Marktwert von insgesamt 350 Millionen Franken.

Gleich als erstes Team wurde YB am Freitagmittag gezogen, und wenige Sekunden später war der Berner Gegner in den Champions-League-Playoffs bekannt. Es ist: nicht Bremen, nicht Sevilla, nicht Zenit St.Petersburg und nicht Ajax Amsterdam. Es ist: Tottenham Hotspur F.C.! «Das ist das sportlich schwierigste Los», sagt Sportchef Alain Baumann. «Aber Tottenham ist natürlich ein sehr reizvoller Gegner.» Das Stade de Suisse dürfte am 17.August um 20.45 Uhr ausverkauft sein, der Vorverkauf beginnt am Mittwoch (siehe Seite 12). Acht Tage später müssen die Berner zum Rückspiel an der wunderbaren White Hart Lane im Nordosten Londons antreten. Vladimir Petkovic stört sich nicht daran, erneut zuerst zu Hause spielen zu müssen. «Gegen Fenerbahçe ging das ja auch gut», sagt der YB-Trainer. Und: «Tottenham ist ein internationales Spitzenteam. Das wird noch mal viel schwieriger.» YB als Wunschgegner Tottenham ist einer der Traditionsvereine Englands, die zwei Meisterschaften aber liegen lange zurück (1951 und 1961). Doch in der letzten Saison gelang es den Spurs, die am 14.August gegen das neuschwerreiche Manchester City in die Saison steigen, endlich einen der grossen vier Premier-League-Teams zu verdrängen (Liverpool). Und jetzt wird YB als «Wunschlos» bezeichnet, um erstmals die Königsklasse zu erreichen. Der routinierte Trainer Harry Redknapp, 63 Jahre alt, wollte unbedingt Dynamo Kiew ausweichen. Er erklärt wie andere Vereinsvertreter, YB nicht zu unterschätzen: «Wer Fenerbahçe in Istanbul schlägt, muss über Qualitäten verfügen.» Und während die Verantwortlichen des Topklubs jetzt hektisch daran sind, Informationen über den unbekannten Kontrahenten zu sammeln (und den Kunstrasen fürchten), ist über Tottenham allerhand Beeindruckendes bekannt. Lauter Nationalspieler YB-Trainer Vladimir Petkovic fallen als Erstes die drei kroatischen Nationalspieler – der famose Spielmacher Luka Modric, der trickreiche Dribbler Nico Kranjcar sowie der offensivstarke Rechtsverteidiger Vedran Corluka – ein. Sowieso besteht das Kader Tottenhams fast nur aus international erfahrenen Akteuren. An der WM 2010 stellte der Verein mit fünf am meisten englische Nationalspieler (Michael Dawson, Ledley King, Aaron Lennon, Peter Crouch, Jermain Defoe) – und damit mehr als die Konkurrenten Chelsea (vier), Liverpool (drei), Manchester United (zwei) und Arsenal (null). Eine Wunschaufstellung Tottenhams könnte derzeit so aussehen: Gomes (Brasilien); Corluka (Kroatien), King (England), Dawson (England), Bale (Wales); Lennon (England), Jenas (England), Modric (Kroatien), Kranjcar (Kroatien); Crouch (England), Defoe (England). Gerade der flotte Aussenspieler Gareth Bale, aber auch Lennon und Modric sind «Blue Chips» auf dem globalen Transfermarkt und erhalten regelmässig gigantische Angebote. Und mit dem starken Honduraner Wilson Palacios, den Engländern Tom Huddlestone und David Bentley (mit den Initialen DB und als rechter Mittelfeldspieler einst als «neuer David Beckham» gefeiert), dem Iren Robbie Keane sowie dem Russen Roman Paw-ljutschenko stehen weitere Hochkaräter im Aufgebot. Spitzentalente wie der mexikanische Supertechniker Giovani Dos Santos sowie Sandro drängen ins Team. Sandro, vor kurzem für 15 Millionen Franken verpflichtet, wird gegen YB nicht dabei sein, der Mittelfeldspieler bestreitet in den nächsten Tagen noch die zwei Endspiele der Copa Libertadores mit dem brasilianischen Verein Internacional gegen Guadalajara. Sutters Kindheitstraum 360 Millionen Franken (!) beträgt der Marktwert aller Tottenham-Akteure – Fenerbahçes Team besitzt einen Wert von rund der Hälfte, während die YB-Spieler auf www.transfermarkt.de nicht mal auf einen Zehntel taxiert werden. Für einen von ihnen, Scott Sutter, geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Der englisch-schweizerische Doppelbürger lebte bis zu seinem 16.Lebensjahr in England und besass als Kind eine Saisonkarte Tottenhams. «Mit acht Jahren schwärmte ich für Jürgen Klinsmann», sagt Sutter, «und jetzt darf ich selber an der White Hart Lane spielen.» Würden die Young Boys, die morgen bei GC antreten, die Champions League erreichen, wäre das eine Riesensensation. Aber zumindest das Vereinsmotto Tottenhams passt ausgezeichnet zur YB-Ausgangslage: Audere est facere – es zu wagen, ist es zu tun. Fabian Ruch Morgen GC - YB Seite 12>

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