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Das Zepter ist fest in Narrenhänden

Farbige Kostüme, Konfetti und laute Rhythmen: Die 13.Thuner Fasnacht wurde gestern Abend eröffnet. Unter dem Motto «Konfettizauber» zogen zehn Guggenmusiken durch die Strassen auf den Rathausplatz, wo der Stapi traditionsgemäss das Zepter an den Obergring übergab.

«Ich bin sicher, auch Petrus war ein Fasnächtler», ruft Thuns höchster Fasnächtler, Hanspeter Aellig, ins Mikrofon. Wettermässig sieht es für die nächsten vier Tage nämlich gut aus. Eine halbe Stunde vorher: Zehn Guggenmusiken aus der Region Thun versammeln sich kurz vor sieben Uhr auf dem Aarefeld-platz, von wo sie sich in Bewegung setzen: wie immer durch die Obere Hauptgasse auf den Rathausplatz, wo die Zepterübergabe stattfindet. Thuner stehen am Strassenrand und winken hie und da einem bekannten Kostüm zu. Der Rathausplatz ist voll, einige Hundert Leute sind gekommen, um die «schönste fünfte Jahreszeit», wie Aellig die Fasnachtszeit nennt, zu erleben. Es riecht nach Glühwein, gebrannten Mandeln und Bratwürsten. Während die Guggenmusiken auf der aufgestellten Holztribüne trommeln, pauken und tröten, was das Zeug hält, stehen die Zuschauer – nur ein paar wenige sind verkleidet – noch etwas zögerlich umher. Vorne wird gewippt und geklatscht, allerdings scheinen die Thuner noch nicht ganz begriffen zu haben, dass die Fasnacht begonnen hat. Doch wenn in den nächsten Tagen nicht die Rhythmen die Thuner zur Bewegung animieren, so werden bestimmt die angekündigten frostigen Temperaturen für tanzende Glieder in den Gassen sorgen. Der gesamte Gemeinderat samt Sekretär ist anwesend und will sich nicht entgehen lassen, wie Aellig – er ist passenderweise als Pirat verkleidet – meutert und dem Stapi Lanz das Zepter entreissen will. Aellig scheint indes ein Pirat mit unwiderstehlichem Charme zu sein. Stadtpräsident Lanz übergibt ihm das Zepter widerstandslos, mehr noch, mit den besten Wünschen für die nächsten vier Tage. Pirat Aellig verspricht denn im Gegenzug auch Sorge zu tragen zum Städtchen Thun und ruft die Bevölkerung gleich zu Sauberkeit und Frieden auf. Genauso nett wie Stapi und Obergring miteinander umgehen, so auch die Thuner. Denn obwohl «Konfettizauber» das Motto der diesjährigen Fasnacht ist, wirft (noch) niemand mit Papierschnipsel um sich. «Gring hoch», tönt es inzwischen aus dem ungeduldigen Publikum, und unter kräftigem Applaus zieht ein Kran den Gring «Schloss Thun» in die Höhe, wo er die nächsten vier Tage hangen wird. Mit dieser gut sichtbaren Narrenfreiheit machen sich die ersten Guggenmusiken auf und davon, um den Thunern die Fasnacht anzukündigen. Wer mit «Gring hoch» und der Fasnachtszeit nichts anfangen kann, tut gut daran, sich dem gegenteiligen Motto von Anita Weyermann anzuschliessen: «Gring ache u seckle.» Sibyl Heissenbüttel>

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