Dem Risiko auf der Spur

Meiringen

Gesichert durch Seil und Karabiner, arbeiten sie dort, wo andere nicht hinkommen. Arbeiten in grosser Höhe sind die Spezialisten gewohnt. Die Gefahr auch. «Man muss lernen damit umzugehen», sagt Profialpinist Stephan Siegrist.

Profialpinist Stephan Siegrist (links) und Baumpfleger Patrick Zürcher haben gelernt, mit den Risiken ihrer Tätigkeiten umzugehen.

Profialpinist Stephan Siegrist (links) und Baumpfleger Patrick Zürcher haben gelernt, mit den Risiken ihrer Tätigkeiten umzugehen.

(Bild: Patrick Gasser)

Morsche Äste in 15 Meter Höhe absägen oder Fassadenelemente eines Hochhauses austauschen. Wer als Baumpfleger oder Industriekletterer arbeitet, braucht starke Nerven. Er versuche die Risikofaktor im Alltag so tief wie möglich zu halten, beruhigt Patrick Zürcher. Der Baumpfleger verdient sein Geld mit der Säge. Seine Lebensversicherung ist dabei ein Seil. Knoten und Karabiner müssen sitzen, Hektik ist fehl am Platz. Gleiches gilt für Stephan Siegrist. Der Ringgenberger ist Bergführer und zugleich einer der wenigen, die durch Sponsoren von der Kletterei leben können. Diesen Monat will er in Kashmir die Nordwand des Cerro Kishtwar besteigen. 1200 Höhenmeter Fels erwarten Siegrist.

Milchbüechlirechnung

Es sind Menschen aus unterschiedlichsten Berufsgattungen, die sich vergangenen Freitag und Samstag im Seilbahnzentrum Meiringen trafen: Feuerwehrleute, Betreiber von Seilparks oder Spezialisten der alpinen Rettung. «Unser Ziel ist es, diese Fachleute zusammenzubringen und den Horizont zu erweitern», sagt Thomas Hofmann, OK-Mitglied von Vertical Connect. Während draussen Stände und Vorführungen von Anbietern für Sicherungstechnik auf die Besucher warteten, wurde drinnen über ­Sicherheitsmanagement sinniert.

Die Podiumsdiskussion erreicht beinahe philosophische Ausmasse. Das mag zum einen am beteiligungsfreudigen Publikum liegen, zum anderen aber auch am wenig eingrenzenden Thema «Risiko im Bereich Arbeit oder Freizeit» liegen. Mit der notwendigen Sorgfalt und der angemessenen Sicherheitsausrüstung lassen sich die Risiken minimieren, sagt Baumpfleger Patrick Zürcher. Das gelte allerdings nur für jene, die man selber beeinflussen kann, so Stephan Siegrist. Etwa bei der vorsichtigen Wahl der Route am Berg. «Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, habe ich keinen Einfluss darauf, ob jemand durch Unachtsamkeit auf meine Spur gerät.»

Herausforderungen im Leben einzugehen, sei es auf der Strasse oder am Berg, heisse eben auch Risiken einzugehen. «Jeder hat sein Risikomilchbüechli», so Siegrist weiter. «Irgend einmal ist es voll.» Es sind exakt jene Worte, die Siegrist bereits im Mai nach dem Tod ­seines Bergsteigerkollegen Ueli Steck geäussert hatte. «Die Herausforderung, der sich jeder stellen muss, sei es, mit der herrschenden Gefahr umzugehen», hält Siegrist fest.

Berner Oberländer

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