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Den Berner Urbewohnern auf der Spur

Die Überreste sind uralt, die Hinweistafeln ganz neu: Auf dem Archäologiepfad auf der Engehalbinsel erfahren Besucher, wie Kelten und Römer in der Aareschlaufe gelebt haben. Die meisten Funde liegen

Seit Jahrzehnten ist die Engehalbinsel ein beliebtes Ausflugsziel. Kelten und Römer sorgten vor 2000 Jahren dafür, dass sich heute, nur eine Busfahrt vom Berner Hauptbahnhof entfernt, das Bräteln an der Aare trefflich mit einer Geschichtslektion verbinden lässt. Archäologen sind von der Fundstelle von nationaler Bedeutung fasziniert. Regelmässig finden dort archäologische Untersuchungen statt. Seit 44 Jahren verbindet ein Archäologiepfad die interessantesten Stellen im Rossfeld und im Reichen-bachwald. Doch der Pfad wurde mit den Jahren lückenhaft, die Hinweistafeln wurden unleserlicher. Für 70000 Franken hat der Archäologische Dienst des Kantons nun den Pfad erneuert. Fussball auf dem Grabfeld Von keltischen und römischen Gräbern übers Theater und den Tempelbezirk bis zum Badegebäude zuhinterst im Reichen-bachwald führt der vier Kilometer lange Rundgang. Wer auf den Spuren der Berner Urbewohner wandeln will, muss sich allerdings bewusst sein: Auf den keltischen Grabfeldern spielen heute Kinder Fussball, und die römischen Tempel sind mit Löwenzahn überwachsen. Schätze bleiben im Boden Heutige Archäologen sind zurückhaltend mit Grabungen. Der Berner Kantonsarchäologe Daniel Gutscher sagte gestern an einer Medienorientierung: «Meist sind die Funde dort am besten aufgehoben, wo sie liegen.» Denn sobald man die Überreste aus alten Zeiten ans Tageslicht holt, müssen sie aufwändig vor Verwitterung, Vandalen und Dieben geschützt werden. René Bacher, Leiter der provinzialrömischen Archäologie beim Kanton, vermutet, dass auf der Engehalbinsel noch viele Geheimnisse unter dem Boden schlummern. «Wir graben nicht alles aus. Wir möchten auch unseren Nachfahren ein paar spannende Entdeckungen gönnen.» Kelten auf der HalbinselDer erneuerte Archäologiepfad präsentiert zwar viele grüne Wiesen, unter denen man sich die Bauten unserer Vorfahren vorstellen muss. Die Grundmauern des römischen Theaters sind jedoch deutlich sichtbar. Die Zuschauertribüne aus Holz hingegen lässt sich nur auf der Hinweistafel betrachten. Wer die 15 Stationen des Pfads besucht hat, weiss, dass die Geschichte Berns lang vor der Gründung Stadt im Jahr 1191 beginnt. Die Kelten wählten allerdings für ihre Siedlung nicht die gleiche Aareschlaufe wie später der Herzog Berchtold von Zähringen, sondern die Engehalbinsel, die sich besser sichern liess: Auf der Höhe der heutigen Äusseren Enge bauten sie einen Wall. Die Römer, die später Helvetien eroberten, verkleinerten die Siedlung und erstellten bei der heutigen Matthäuskirche im Rossfeld einen zweiten Wall. Der Niedergang des Römischen Reichs machte sich auf der Engehalbinsel um 300 nach Christus bemerkbar: Das einst stolze römische Dorf leerte sich und wurde schliesslich aufgegeben.Esther Diener-MorscherStart des Pfades: Kirchgemeindehaus Matthäuskirche, Reichenbachstrasse 112. Vitrinen mit Ausgrabungsfunden stehen vor dem Eingang. >

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