Der Erfolg macht nachdenklich

Lauterbrunnen

Im Tourismus wurden 2018 gleich mehrere Rekorde gebrochen. Die Kehrseite des Erfolges sind unter anderem Verkehrsprobleme. Tourismus wird deshalb bei der Gemeinde Lauterbrunnen vorstellig.

Bei touristen beliebt: Lauterbrunnen.

Bei touristen beliebt: Lauterbrunnen.

(Bild: Bruno Petroni)

Budgetiert hatte Lauterbrunnen Tourismus für 2018 total 419'000 Franken Kurtaxen. Tatsächlich eingenommen wurden 514'272 Franken. Mit Ausnahme der Gruppenunterkünfte haben alle Sparten zugelegt. «Die 77'497 Logiernächte in den Hotels übertrafen den Rekord von 2017 noch einmal», berichtete Geschäftsführer Thomas Durrer an der Mitgliederversammlung vom Donnerstag im Hotel Oberland. «Damit erreichte die Hotellerie eine Bettenauslastung von 51,28 Prozent – ein guter Wert, liegt doch der Schweizer Durchschnitt bei 46 Prozent.»

Vielfältiges Angebot

Die Gäste, die zusammengezählt 235'837-mal in Lauterbrunnen übernachteten, waren unternehmungslustig. Neben Wanderwegen, Pisten und Bergbahnen nutzten sie die Angebote des Verkehrsvereins in der Sportanlage Eyetli und bescherten etwa dem Schwimmbad ein Rekordergebnis. «Auch die Loipe wurde gut genutzt, weil wir sie letzten Winter für einmal wieder durchgehend offen halten und deshalb auch richtig bewerben konnten», berichtete Durrer. Das gute Rechnungsresultat wurde vor allem für Abschreibungen und Rückstellungen verwendet.

Die Destination ist in unterschiedlichsten Medien präsent und hat mit Telemark-Vizeweltmeisterin Martina Wyss eine gute Botschafterin. Einsame Werbespitze ist Lauterbrunnen Tourismus in den Social Media, wo mit 79'555 Fans alle anderen Destinationen des Kantons übertroffen werden. Doch auch um Gäste aus der Nähe, die eher ruhige Orte suchen, kümmert sich Lauterbrunnen Tourismus – etwa mit der Unterstützung der Movie-Nights auf Winteregg oder der guten Zusammenarbeit mit der Sulwaldbahn und ihrem Beizli.

Die Kehrseite des Erfolgs

«In der Sportanlage Eyetli könnten wir mehr für Familien und Einheimische tun», meinte ein Mitglied des Tourismusvereins und schlug vor, einen der beiden Tennisplätze durch einen Beachvolleyballplatz oder einen Skatepark zu ersetzen. Einheimische Familien brauchen aber vor allem auch mehr Sicherheit für ihre Kinder und für ältere Leute im Verkehr, waren sich die Anwesenden einig.

Mit der Verkehrsüberlastung der engen Dorfstrasse, wo zum Beispiel Reisecars oft unversehens aufs Trottoir ausweichen, werde die Situation der schwächsten Verkehrsteilnehmer immer prekärer. Der Vorstand übernahm es, bei der neuen Volkswirtschaftskommission der Gemeinde vorstellig zu werden; diese solle prüfen, ob die Verkehrssicherheit mit Tempo 30 oder anderen Massnahmen verbessert werden kann. Da es sich um eine Kantonsstrasse handelt, war Gemeindepräsident Martin Stäger wenig zuversichtlich, meinte aber, der Rückhalt vom Tourismus stärke die Position der Gemeinde.

Die Frage führte zu einer ruhig und nachdenklich geführten Diskussion über Fluch und Segen des Massentourismus und die Schwierigkeit, das richtige Mass zu treffen. Einig gingen die Mitglieder mit Präsident Stefan Abegglen, dass der Tourismus Lauterbrunnens wichtigster Wirtschaftszweig ist und dass deshalb zum Beispiel die Social-Media-Präsenz nicht abgestellt werden kann. Gefordert wurde aber eine bessere Information der Touristen etwa durch die Reiseveranstalter, damit sie nicht mehr versuchen, in Privatgärten zu picknicken und in Privathäusern auf Fotosafari zu gehen.

Mendes neu im Vorstand

Die Versammlung genehmigte sämtliche Geschäfte. Als Nachfolgerin für Cécile Mäder, die im Vorstand das Ressort Ferienwohnungen betreut hat, wurde Catarina Mendes gewählt; Präsident Stefan Abegglen wurde für eine weitere Amtsperiode bestätigt.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt