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Der FC Thun sitzt am kürzeren Hebel

Arena ThunDer Machtkampf rund um das neue Fussballstadion spitzt sich zu. FCT-Präsident Markus Stähli sagt sogar: «Wir werden genötigt!»

«Es geht um Macht und um Geld.» FC-Thun-Verwaltungsratspräsident Markus Stähli redet nicht um den heissen Brei herum. Noch am Donnerstagabend hatte einer der Stadioninvestoren, Ferdinand Locher von der Arco Real Estate, behauptet, es gebe keinen Machtkampf. Dem ist aber nicht so, sonst hätte nicht der gesamte Verwaltungsrat der Arena Thun AG den Bettel hingeworfen. Und auch bei der donnerstagabendlichen Präsentation des neuen Verwaltungsrates gab es Misstöne. So wunderte man sich, wieso vonseiten des FC Thun niemand anwesend war, gehört der FCT doch auch zu den Genossenschaftern. «Der FC Thun wurde vor drei Wochen eingeladen», sagte Carlos Reinhard, Präsident der Genossenschaft Fussballstadion Thun Süd. «Ich habe erst am Montagabend davon erfahren», sagt FCT-Präsident Markus Stähli. «Ich werde den Verdacht nicht los, dass wir nicht erwünscht waren.» In der Grundsatzvereinbarung vom 11.Februar 2008 zwischen den Stadioninvestoren und dem FC Thun wurde festgehalten, dass der Genossenschaft ein Drittel der FCT-Aktien übertragen werden muss. Mit einer sogenannten Sperrminorität sollten ungewünschte Statutenänderungen bei der FC Thun AG verhindert werden können. Für eine Statutenänderung braucht es eine Zweidrittelmehrheit. Bei 10000 Aktien waren dies 6667 Aktien. Das «Sperrdrittel» hätte 3334 Aktien betragen. 3000 Aktien sind heute bereits im Besitz der Genossenschaft. Um die restlichen 334 Aktien streiten sich die Parteien. Wer sagt die Wahrheit? Markus Stähli anerkennt zwar die Grundsatzvereinbarung, sagt aber : «Am 26.Oktober 2008 wurde eine Parteikonferenz durchgeführt, anlässlich deren protokollarisch festgehalten wurde, dass sich die Genossenschaft mit total 3000 Aktien zufriedengibt und auf diese 334 Aktien verzichtet.» Genossenschaftspräsident Reinhard bestätigt zwar das Treffen, sagt aber auch, dass man nur davon gesprochen habe, «unterschrieben wurde nichts», auch weil die Investoren nicht anwesend gewesen seien. Sie hätten später der Abtretung nicht zugestimmt. Stähli hält dem entgegen, dass die Investoren am 28.Oktober 2008, also nur zwei Tage später, über die Abmachungen orientiert worden waren und diese ausdrücklich akzeptiert hatten. Auch hierüber liege ein schriftliches Protokoll vor. Interessanterweise hat der Streitpunkt, die 334 Aktien, seit der ursprünglichen Vereinbarung deutlich an Wert verloren. Unterdessen fand eine Aktienkapitalerhöhung mittels Statutenänderug statt. Nun sind 12000 Aktien auf dem Markt. Der Anteil der Genossenschaft würde sich also mit den 334 Aktien nur von 25 auf 27,8 Prozent erhöhen. «Umso mehr verstehe ich nicht, dass der FCT die Aktien nicht herausrückt», sagt Reinhard. Die Genossenschaft und die Investoren wollen nicht auf die Aktion verzichten. Im Dezember wurde dem FC Thun daher kein Geld mehr überwiesen. «Wir werden zum Verkauf der Aktien genötigt», sagt Markus Stähli. Im Dezember habe man noch allen Verpflichtungen nachkommen können, jetzt gelange die FC Thun AG in einen Liquiditätsengpass. «Das Geld liegt auf einem Sperrkonto», sagt Reinhard, «sobald wir die Aktien haben, wird es freigegeben.» Wer gibt zuerst nach? In der aktuellen Pattsituation sitzt der FC Thun am kürzeren Hebel. Markus Stähli sagt denn auch, dass man über den Verkauf der Aktien sprechen könne. Er zeigt sogar die Bereitschaft, den Anteil der Genossenschaft nicht nur auf 3334, sondern auf 4000 Aktien (ein Drittel von 12000) zu erhöhen, stellt dafür aber zwei Bedingungen. Einerseits solle verbindlich bestätigt werden, dass die beiden Verwaltungsräte der Arena Thun AG und der FC Thun AG raschmöglichst zusammengelegt werden. Anderseits müsse die Genossenschaft breiter abgestützt werden. «Die Investoren kontrollieren, zusammen mit zugewandten Orten, noch die Mehrheit der Stimmen. Das darf nicht sein.» Reinhard widerspricht: «Es sind 36 Anteile vorhanden, davon 31 Stimmberechtigte. 10 Stimmen sind durch die Investoren kontrollierbar und 21 durch Thuner und Oberländer Betriebe oder Privatpersonen beziehungsweise durch Mitglieder von FC-Gönnervereinigungen.» Die Genossenschaft sei keine geschlossene Gesellschaft: «Wir nehmen gerne neue Mitglieder auf.» Der Verwaltungsrat der FC Thun AG habe ein Formular bekommen. «Bis heute hat sich aber keiner entschlossen, Genossenschafter zu werden», sagt Reinhard. Dem wiederum hält Stähli entgegen, er wisse von mehreren Personen, die willens seien, neue Anteile zu zeichnen, von der Genossenschaft aber bewusst nicht bedient würden. Das letzte Wort in diesem Streit ist noch lange nicht gesprochen.Roger Probst>

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