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Der «Funi»: Ein revolutionäres Gefährt wird vorgestellt

Saanen/LauenenGestern startete im Museum der Landschaft Saanen eine Ausstellung über den «Funi». Die so genannte Schlittenseilbahn wurde zirka 1934 vom Lauener Arnold Annen erfunden und gilt noch heute als touristische Pionierleistung.

Viele können sich wohl noch an das Gefährt erinnern, das, mit Skigästen beladen, quietschend und rüttelnd den Berg hinauf kroch. Stundenlanges Anstehen nahmen die Wintersportler in Kauf, damit sie einen der begehrten Plätze – im zwischen 60 und 100 Personen pro Stunde transportierenden – «Funi» ergattern konnten. Denn die so genannte Zweischlittenseilbahn brachte um 1934 im Saanenland eine kleine Revolution mit sich: Man musste nicht mehr selbst den Berg hinauf stapfen oder den Schlitten vom Pferd hochziehen lassen, damit man dem Skivergnügen frönen konnte, sondern konnte sich mehr oder weniger bequem chauffieren lassen. Eine Zeitung sprach 1937 gar von der «Beglückung der Aufstiegsscheuen». Nun lässt eine Ausstellung im Museum der Landschaft Saanen das geschichtsträchtige Gefährt wieder aufleben. Seit der gestrigen Vernissage kann man sich in einen vom Sohn des Museumspräsidenten Stephan Jaggi, Fabian Jaggi, original nachgebauten «Funi» setzen und alten Zeiten nachschweifen – oder etwas Unbekanntes kennen lernen kann. Um 1907 gab es bereits eine Schlittenseilbahn in Dornbirn und ab 1924 zwei in Crans Montana. Diese waren jedoch so genannte Windenseilbahnen, bei denen jeweils nur ein Schlitten mittels Winde hinaufgezogen und hinab gelassen wurde. Solche Bahnen gab es sodann auch im Saanenland. Jedoch erst Arnold Annen aus Lauenen baute zusammen mit seinem Freund Oswald von Siebenthal die erste Funibahn mit zwei pendelnden Schlitten (analog einer Standseilbahn) und einem Motor zum Antrieb. Die beiden Pioniere gründeten sogar eine Gesellschaft zum Betriebe und Verkauf von solchen Schlittenseilbahnen. Die Idee zum «Funi» hatte der Landwirt, Handelsmann und Säger Arnold Annen beim Transport von Holz, welches Pferde mit einem Flaschenzug-ähnlichen System einen Steilhang hinauf zogen. Diese Transportart brachte ihn auf die Idee, dass auch Menschen in einer ähnlichen Art transportiert werden könnten. Er tüftelte mit einer Fadenspuhle – damals noch aus Holz – an einer Bahnanlage herum, experimentierte an der Winden-Einschlittenbahn im Lochstafel ob Saanenmöser und setzte danach den ersten «Funi» mit zwei Schlitten 1934 an der Wispile in Gstaad in Betrieb. Das Fortbewegungsmittel fand regen Anklang und wurde schweizweit gebaut. Im Verkaufsprospekt hiess es: «Der Funi, neuartige Personenbeförderung in Skigebieten. Kleine Baukosten und rationell im Betrieb.» Bis um 1986 fuhren die «Funis» im Saanenland; der letzte – und lange noch einzige – auf den Hornberg. Nachkommen engagieren sich Die Ausstellung im Museum der Landschaft Saanen wurde von Ruth Annen, Grosstochter des Erfinders Arnold Annen, initiiert. Zusammen mit ihrem Bruder Arnold Burri, Hans-Peter von Siebenthal, dem Sohn des Mitbegründers Oswald von Siebenthal, und mit dem letztes Jahr verstorbenen Bergbahnenfanatiker Jörg Walker, der eine Internetseite über den «Funi» eröffnete, stellte sie das Material zusammen. In der Ausstellung werden alte Unterlagen und Fotos von damals gezeigt.Luzia Kunzwww.museum-saanen.ch >

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