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Der Händedruck des Marschalls

Wenn morgen das Talschaftsrennen Lauterbrunnen stattfindet, kommen Erinnerungen an das Montgomery-Rennen in Mürren auf. Und Adolf Feuz erzählt die ehrfürchtige Szene, wie er dem Marschall die Hand reichte.

«Ich hatte vor Bernard Montgomery grosse Ehrfurcht, und meine Kameraden standen ungeheuer neugierig neben mir», erinnert sich Adolf Feuz an den festen Händedruck des berühmten Feldmarschalls bei der Preisverteilung im «Palace» Mürren. Der Stechelberger Neuntklässler wurde am ersten «Monty-Rennen» vom 3.Februar 1952 in Mürren Zweiter in der Einzelrangliste. Seine Mannschaft brillierte mit dem dritten Platz im ersten Schülerrennen um den Montgomery-Becher. «Die Stechelberger waren die grosse Überraschung des Tages, indem sie sich vor den Wengenern, die man allgemein zu den Favoriten zählte, zu platzieren vermochten», schrieb das «Oberländische Volksblatt» (OV). Das Gruppenklassement wurde von Mürren (Roland Niederer, Christian von Allmen, Hanspeter Feuz) angeführt, vor Lauterbrunnen (Peter Huggler, Heinz von Allmen, Fritz Bühler) und Stechelberg (Adolf Feuz, Heinz Brunner, Viktor Feuz sowie Fritz Litzler mit Streichresultat). «Brandschwarzes Ziel» «Als Rennstrecke war die ‹Finel› gewählt worden, 1845 Meter lang und 500 Meter Höhendifferenz, mit Start auf dem Gipfel des Schiltgrats und Ziel bei der Talstation des Skilifts», berichtete das OV. Auf der Strecke seien acht Kontrolltore aufgestellt worden, um das Rennen nicht in eine wilde Raserei ausarten zu lassen. Wegen des in der Nacht gefallenen Neuschnees habe die Piste am Sonntagmorgen erneut gestampft und hergerichtet werden müssen. Zeitweiliger Nebel und Schneefall habe dann noch das Stecken von Richtungsfähnchen notwendig gemacht, wusste das OV weiter. Im untersten Abschnitt der Rennstrecke, der als Riesenslalom ausgesteckt war, habe der Blick ins Zielgebiet richtig Auftrieb gegeben, schwärmt Adolf Feuz: «Es war brandschwarz von den vielen Zuschauern im Ziel.» Auch der britische Feldmarschall Montgomery war anwesend, er weilte in Mürren in den Ferien. Berühmt war er seit dem Zweiten Weltkrieg, als er mit seinen Truppen Erwin Rommels Afrikakorps und dessen italienische Verbündeten besiegt hatte. Zu Fuss ins Skigebiet «Die Kinder in Stechelberg konnten nur am Rehtschuggen trainieren – zu Fuss hinaufsteigen und eine Minute Abfahrt», erklärt Adolf Feuz. Er habe manchmal im Pfang noch Slalom trainiert. Dort seien Godi und Ferdinand Gertsch seine Vorbilder gewesen. Die Stechelberger Schulklassen hätten zweimal pro Winter am Schiltgrat in Mürren Ski fahren dürfen, schildert Adolf Feuz: «Ski und Rucksack mussten wir hinauftragen, zu Fuss über Gimmelwald.» Die Schilthornbahn gab es noch nicht. Beim Hinunterfahren seien sie auch etwa in der Pschütti gelandet, beim Springen über eine Mauer in Gimmelwald. «Wir fuhren mit dem Velo nach Lauterbrunnen, die Skis geschultert, und hatten keinen Betreuer», beschreibt Adolf Feuz die Expedition seiner Mannschaft ans «Monti-Rennen» in Mürren via Grütschalp. Persönliche Einladung Die Schulen im Lauterbrunnental wurden ein Jahr vorher zum ersten Montgomery-Rennen in Mürren eingeladen. Im Buch «Aus der Schul- und Dorfchronik Stechelberg» hat Verfasser und Lehrer Hans Buchs eine Kopie des handgeschriebenen Originalbriefs vom 14.Februar 1951 von Montgomery an die Schule Stechelberg wiedergegeben: «Dear Herrn Buchs, I send you this copy of the rules for the Challenge Cup I am giving for the Annual Schools Ski Race for the schools of the Community of Lauterbrunnen. I hope you will enter a team for the race next year: 1952. Yours sincerely Montgomery of Alamein, Field Marshal.» Ein Jahr nach dem ersten Montgomery-Rennen in Mürren für Knabenteams stiftete der Wengen-Gast Air-Marshal Lord Tedder einen Wanderpreis für Mädchen. Seit 1968 bestreiten Schulkinder aus Gimmelwald, Lauterbrunnen, Mürren, Stechelberg und Wengen (seit 1973 auch aus Isenfluh) das alljährliche Talschaftsrennen der Einwohnergemeinde Lauterbrunnen. Morgen Mittwoch ist es wieder so weit: Die Volksschule Wengen und der Skiclub Wengen führen das Talschaftsrennen ab 13 Uhr auf dem obersten Abschnitt der Lauberhornabfahrt durch. Ferdinand Waespe >

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