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Der Hausherr und die «Praline»

Erster, Zweiter, Erster:

Die Titlisschanze gehört nicht zu den exponierten im Weltcup. Im Gegenteil: Sie ist schön in den Wald eingebettet, die Bäume federn den Wind weitgehend ab. Doch wer gestern in der Schlussphase des dritten Engelberger Springens sah, wie es den Neuschnee von den Wipfeln blies, dem war klar, dass es am Schanzentisch turbulent zu- und hergehen musste. Die besten acht warteten auf ihren Einsatz, als die Jury entschied, den Wettkampf abzubrechen und nur den ersten Durchgang zu werten. Der Entscheid ist zumindest partiell als Reaktion auf die mit scharfer Kritik kommentierten Ereignisse in Lillehammer zu verstehen. Als Juryvorsitzender amtete in Engelberg der gleiche Mann wie vor zwei Wochen, als Gregor Schlierenzauer nur mit Glück unverletzt geblieben war. Die 8000 Zuschauer – am Samstag waren es 6000 gewesen – nahmen das vorzeitige Ende gerne in Kauf. So war die Gefahr gebannt, dass Simon Ammann von der Spitze verdrängt werden könnte. «Ich hätte gerne bewiesen, dass ich auch einen zweiten guten Sprung zeigen kann», sagte der Schweizer, dem im ersten Durchgang ein fabelhafter Satz auf 141 Meter gelungen war. Die grosse Frage lautete: Schanzenrekord ja oder nein? Die Engelberger führen jene 142 Meter als Bestwert, die Sigurd Pettersen vor einem Jahr im Continental Cup gesprungen war. Die FIS hingegen berücksichtigt nur Weiten, die im Weltcup registriert werden, weil da in der Regel mit weniger Anlauf gesprungen wird. Deshalb behauptete Ammann zu Recht, den fünf Jahre alten Rekord von Janne Ahonen egalisiert zu haben. «Das war die Praline dieses Wochenendes», meinte der Sieger. Fast wie vor Jahresfrist Das Duell zwischen Ammann und Schlierenzauer – in den ersten beiden Springen hatten sie je einen ersten und zweiten Platz belegt – wurde vom Wind verweht. Der 28-jährige Toggenburger hatte ganz leichten Aufwind, der 19-jährige Tiroler etwas Rückenwind. Schlierenzauer landete deshalb nur auf dem sechsten Platz und musste die tags zuvor eroberte Weltcup-Führung wieder abgeben. Ammann und Schlierenzauer spielen mit dem gelben Leadertrikot Pingpong. Sie haben der ersten Saisonphase den Stempel aufgedrückt, allerdings weniger extrem als im Vorjahr. Damals hatte Ammann nach sechs Springen 525 Punkte auf dem Konto (jetzt 424), Schlierenzauer 410 (jetzt 382). Die beiden heben sich wieder von der Konkurrenz ab, doch speziell Ammann ist den Saisonstart bewusst konservativer angegangen. Er erhofft sich davon, seine Hochform bis zum Ende der Vierschanzentournee konservieren zu können. Wird aus der Hoffnung Realität, stellt sich die Frage, ob während des Vierteilers jemand in der Lage sein wird, aus dem hochklassigen Zweikampf als lachender Dritter hervorzugehen. Der Norweger Björn Einar Romören, der gestern Zweiter wurde, ist ein Kandidat; mit Ahonen und Harri Olli ist ebenfalls zu rechnen, sofern die zuletzt angeschlagenen Finnen wieder gesund sein werden. Konkurrenz droht zudem von Schlierenzauers Landsleuten. Thomas Morgenstern, Wolfgang Loitzl, Andreas Kofler und Martin Koch befinden sich in Lauerstellung. Welche Rolle Andreas Küttel spielen wird, ist schwierig abzuschätzen. Gestern liess der Jungvater leichten Aufwärtstrend erkennen. Sein bester Versuch wurde in der Endabrechnung wegen des Abbruchs aber nicht berücksichtigt. si/mjs >

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