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Der Helm erhält einen « V erband»

Nach 115 Jahren in Wind und Wetter verschwindet der Turmhelm des Münsters im Frühjahr hinter einem Gerüst. Ab 2014 soll der Turm dafür Jahrzehnte ohne «Rucksack» auskommen. Renoviert wird in aufwendiger Handarbeit.

Jahrhunderte blieb der Stumpf über der Gewölbehalle des Münsters stehen. «Das war immer ein Ärgernis für die Berner», erzählte gestern Jürg Schweizer ebenda. Er ist Stiftungsrat der Münsterstiftung und war Denkmalpfleger des Kantons Bern. Dann wurde der Helm zwischen 1889 und 1893 doch noch aufgesetzt. Seither war das filigrane Sandsteinskelett ungeschützt Wind und Regen ausgesetzt. «Das Löcherbecken ist nach dieser Dauer zwar in einem erstaunlich guten Zustand», stellte Schweizer 70 Meter über dem Münsterplatz fest. Trotzdem ist nun dessen Sanierung dringend notwendig: «Der Helm kriegt jetzt einen riesigen Verband.» Der legendäre «Rucksack», der mit Ausnahme der Jahre 2002 bis 2005 seit 60 Jahren irgendwo am Turm anzutreffen ist, wandert also nun bis an die Spitze des 101 Meter hohen Turms. Praktische Berner Erfindung Dessen oberste 40 Meter sind grösstenteils aus besonders hartem Sandstein aus Norddeutschland gefertigt, der doppelt so hart wie Beton ist. Doch die Jahrzehnte hinterliessen Spuren. Fugen müssen gekittet, abgeblätterte Stellen aufgemörtelt und Steine ersetzt werden. Zehn Personen sind jahrein jahraus am Münster damit beschäftigt. Zwar wird auch Hightech eingesetzt, wie Münsterarchitekt Hermann Häberli ausführte. Doch als besonders wirkungsvolles Hilfsmittel hat sich ein unscheinbarer Bleiklopfer erwiesen. Er wurde vor einigen Jahren von der Münsterbauhütte entwickelt. Weil er selber keine Resonanzgeräusche erzeugt, sind die hohlen Geräusche, die schadhafte Stellen anzeigen, besonders gut hörbar. Zwischen 2 und 2,5 Millionen Franken kostet der Unterhalt des Münsters pro Jahr. Laut Barbara Hayoz, die den Gemeinderat im Stiftungsrat vertritt, steuert die Stadt jeweils 750000 Franken bei. Den Rest zahlen vor allem die Burgergemeinde, die Gesamtkirchgemeinde, die Eidgenossenschaft und der kantonale Lotteriefonds. Plattform stets zugänglich Bald verhüllt das Wahrzeichen Berns sein Haupt. Einen Trost für Münsterfans haben die Münsterverantwortlichen jedoch: Das heute bestehende Gerüst kommt laut Jürg Schweizer dann weg, wenn der obere Teil aufgebaut ist. «Und Ende 2011 sollte das Spitzli bereits wieder aus dem Gerüst rausgucken.» Zudem soll die Aussichtsplattform stets zugänglich bleiben. Wenn die «alte Dame», wie Häberli das Münster liebevoll nennt, 2014 ganz zuoberst repariert ist, wird der Turm – so Gott will – einige Jahrzehnte ganz ohne Gerüst auskommen. Christoph Aebischer>

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