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Der Hühnersuppenball lebt neu auf

BurgdorfIn den letzten beiden Jahren mussten die Freunde des Hühnersuppenballs ihre Tanzlust zügeln, denn der traditionelle Anlass fand nicht statt. Jetzt kommt neues Leben in den Brauch: Erstmals wird der Ball nicht

Die Hühnersuppe ist das älteste Fest in Burgdorf, um einiges älter noch als die Solätte. Beinahe wäre dieser Anlass, der während Generationen im Hotel Stadthaus stattfand, mehr oder weniger still eingeschlafen: In den zwei letzten Jahren fiel er bereits aus, weil immer weniger Leute zur abendlichen Gala mit Diner und Tanz erschienen. Jetzt aber lebt die Tradition wieder auf. «Der Hühnersuppenball darf nicht sterben», sagten sich Burgerrätin Edith Müller und der pensionierte Gymnasiallehrer Heinz Schibler und machten sich daran, dem Brauch wieder auf die Füsse zu helfen. Beim Stadthaus stiessen sie – noch unter dem vormaligen Wirt Fredi Boss – auf taube Ohren, also sahen sie sich nach einer Alternative um. Geschichtsträchtiger Ort «Es war im vergangen Jahr an einem heissen Sommertag, als wir beim Wirtepaar Leuenberger im Sommerhaus vorsprachen», berichtet Heinz Schibler, der zu den Stammgästen der Hühnersuppe gehört. Leuenbergers und die Zweierdelegation wurden sich einig; so kommt es, dass der Anlass am kommenden Samstag wieder stattfindet, diesmal im Landgasthof Sommerhaus am ländlich-idyllischen Stadtrand von Burgdorf. Als ehemaliges Heil- und Lustbad gehört die Gaststätte zu den geschichtsträchtigen Adressen in Burgdorf und bildet somit einen adäquaten Rahmen für den gediegenen Ball. Im Inserat angekündigt ist ein mehrgängiges Menü unter dem Motto «Variationen vom Huhn»; mit Essen, Apéro und Ballkarte kostet die Teilnahme 115 Franken. Für die Tanzmusik sorgt das Duo Häsler, verstärkt mit der Sängerin Noëlle; das Duo war bereits bei früheren Austragungen im Stadthaus mit von der Partie. «Wir haben den traditionellen ersten Februarsamstag als Termin bewusst beibehalten; die Hühnersuppe war schon immer ein Winterfest und die Solätte ein Sommerfest», sagt Historiker Schibler und erzählt im Weiteren vom Kupferkessel, aus dem der Wirt als Gastgeber nach überliefertem Brauch jeweils die Hühnersuppe schöpft. «Albert Leuenberger hat uns gesagt, dass er auch über einen solchen Kessel verfüge, einem Neustart in althergebrachter Manier steht also nichts im Weg.» Auch die Tracht gefällt Ob die Gäste auch wirklich erscheinen werden? Mit einer allzu optimistischen Prognose will Schibler nicht auftrumpfen. Nur so viel: «Ich denke, mindestens fünfzig bis sechzig Personen werden wir sein.» Festlich gewandet, natürlich – die Herren, wie es die Etikette will, gediegen dunkel, die Damen in langer Garderobe. «Die Tracht wird ebenfalls gerne gesehen», fügt Heinz Schibler an, der nicht verhehlt, dass der Anlass weniger das junge und hippe Publikum, sondern vor allem die mittlere bis ältere Generation anspricht. Extra die Ferien verschoben Am Ehepaar Leuenberger wird es bestimmt nicht fehlen, sollte der Anlass nicht neuen Schwung bekommen – immerhin haben die beiden eigens ihre Frühjahrsferien verschoben, um die Hühnersuppengäste zu bewirten. In die Menükarte lässt sich Albert Leuenberger noch nicht im Detail blicken, kündigt aber schon einmal an: «Es gibt bestimmt nicht einfach einen Salat mit Pouletstreifen, ich lasse mir schon etwas Besonderes einfallen.» Huhn sei nicht einfach Huhn, da gebe es die interessantesten Möglichkeiten. Das fange schon bei der Suppe – die am Hühnersuppenball natürlich nicht fehlen dürfe – an: «Muss sie klar sein, oder darf ich sie auch cremig machen?» Die Gäste werden sehen. Der Ursprung des Hühnersuppenfestes liegt im Dunkeln. Gemäss einer viel kolportierten Ursprungslegende kommt der Brauch von einem Scharmützel mit einer österreichischen Kriegerhorde im Jahr 1389. Die Burgdorfer Männer konnten sich der marodierenden Truppe nicht erwehren; dies gelang erst, als ihnen die Frauen tatkräftig zu Hilfe eilten. Zum Lohn bekamen die Retterinnen eine Hühnerbrühe, die es zum Gedenken an das Gefecht fortan jedes Jahr gab. Nach einer anderen Überlieferung spendete die Gattin des Schlossherrn Eberhard von Neu-Kyburg ab 1318 alljährlich eine Hühnersuppe, um sich mit den Burgdorfer Bürgersfrauen gut zu stellen. In den Schatten gestellt Welche dieser Geschichten stimmt, bleibe dahingestellt; Tatsache ist, dass die Hühnersuppe in der Barockzeit das bedeutendste gesellschaftliche Ereignis in der Emmestadt war, ab 1729 jedoch nach und nach von der Solennität in den Schatten gestellt wurde. Hans Herrmann>

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