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Der Mann, der den Tigern den Weg ebnet

SCL TigersChristoph Bärtschi ist der stille Arbeiter bei den Tigers. Vom Aufstiegsjubel bis zur Abstiegsangst hat er

Wer organisiert für die Spieler der SCL Tigers eine Wohnung und ein Auto? Wer bestellt das Essen, das die Mannschaft nach dem Match zu sich nimmt? Wer führt Statistik über jeden Schuss, jeden Check und jedes Bully? Und wer sitzt bei den Auswärtsspielen im Mannschaftscar vorne neben dem Chauffeur? Die Antwort lautet: Christoph Bärtschi, der Teamleiter. Der 36-Jährige arbeitet im Hintergrund dafür, dass die Spieler im Rampenlicht stehen und nun als Playoff-Helden bejubelt werden können. Aber keiner von ihnen ist so lange dabei wie Bärtschi: Am 1.März 1997 hatte er seinen ersten Arbeitstag, damals, als der Klub noch SC Langnau hiess und in der NLB spielte. Ein Jahr später folgte der Aufstieg in die NLA. «Dieses Fest war super», sagt Christoph Bärtschi. Oft habe er seither daran gedacht – in den letzten zwölf Jahren, in denen der SCL immer wieder einen neuen Anlauf für die Playoffs nahm und jedes Mal scheiterte. Dazu kamen die wirtschaftlichen Probleme: 2005 die gescheiterte Vorwärtsstrategie sowie die «Affäre Müller» und vor anderthalb Jahren schliesslich der drohende Konkurs. «Wir Angestellten wussten nicht, ob wir am nächsten Tag überhaupt noch arbeiten können.» Die Erinnerung an das Aufstiegsfest half, trotzdem weiterzumachen. «Tolle Typen» Bärtschi nimmt den Teamguide zur Hand, blättert darin und zählt zusammen: Elf verschiedene Trainer, zehn Geschäftsführer und fünf Präsidenten hat er während seiner bisherigen Zeit bei den Tigers erlebt. Dass der Erfolg ausgerechnet jetzt zurückgekehrt sei, komme nicht von ungefähr. «Beim Aufstieg waren wir alle wie eine grosse Familie», erzählt er. Das sei auch heute wieder so. Die Trainer John Fust und Alex Reinhard seien «tolle Typen. Sie haben nicht das Gefühl, sie seien auf einer höheren Stufe als wir anderen Angestellten.» Grossen Anteil am Erfolg hätten auch Präsident Peter Jakob und Geschäftsführer Ruedi Zesiger. Dieser war seinerzeit bereits beim Anstellungsgespräch von Christoph Bärtschi dabei und kehrte nach einem Gastspiel beim Bund 2009 wieder nach Langnau zurück. «Der Kreis hat sich geschlossen: Wie 1997 zählt heute wieder die harte, ehrliche Arbeit», sagt Bärtschi. Der Zufall half mit Wobei Christoph Bärtschis Arbeit längst nicht nur aus der Betreuung der 1.Mannschaft besteht. Auf der Geschäftsstelle leitet er den Spielbetrieb sowie das Ticketing. Entsprechend lang können die Arbeitstage sein, erst recht jetzt, nach der Playoff-Qualifikation. Manchmal ist er morgens um acht im Büro und kommt, nach einem Auswärtsspiel in Davos zum Beispiel, nachts um halb drei nach Hause. Macht ihm das nichts aus? Christoph Bärtschi schüttelt den Kopf. «Schliesslich bin ich ein Bauerngiel», sagt er, der auf einem Hof in Herbligen aufwuchs und nun im Stöckli wohnt. «Ich schaue meinen Job auch als Hobby an.» Denn Christoph Bärtschi verfolgte das Eishockey schon von klein auf, und während der Banklehre kaufte er in Langnau sein erstes Sitzplatzabo. Dennoch kam er eher durch Zufall zu den Tigers: Er war soeben Filialleiter der Raiffeisenbank in Thun geworden, als er nach Trubschachen in den WK musste. «In einer herumliegenden Zeitung sah ich das Inserat, wonach der SCL jemanden für die Administration suchte.» Weil man vielleicht nur einmal im Leben die Chance bekomme, für ein solches Sportunternehmen zu arbeiten, habe er sich beworben. Und siehe da: Er bekam den Job. Motiviert wie nie zuvor Seit Christoph Bärtschi bei den SCL Tigers arbeitet, gingen diese im letzten Spiel der Saison stets als Gewinner vom Eisfeld – 1998 in der Aufstiegs- und seit 1999 jeweils in der Abstiegsrunde. «Wir wollen nicht zu frech sein. Aber wer weiss: Vielleicht gelingt ja auch heuer ein Sieg zum Abschluss», sagt er und lacht verschmitzt. Jedenfalls ist er überzeugt, dass die Feier nach der Playoff-Qualifikation jedem Spieler unter die Haut gegangen sei. «Das ganze Team ist motiviert, dieses Jahr etwas ganz Ausserordentliches zu leisten.» Das letzte Spiel der Saison zu gewinnen – das würde übrigens bedeuten: Schweizer Meister zu werden. Markus Zahno>

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