Zum Hauptinhalt springen

Der Mann für die Senkrecht- starter im Sportklettern

InterlakenSportklettern als Leidenschaft und Beruf. Kletterprofi Marcel Grossmann half in Interlaken das Regionalzentrum Sportklettern aufbauen. Ziel: Die besten Athleten im Berner Oberland an die nationale Spitze heranführen.

«Gib endlich Seil!», ruft Thea Masero zu Lisa Binggeli herunter. «Du siehst aus wie ein Frosch», entgegnet Lisa und lacht unbeschwert, während sie einen knappen Meter vom Sicherungsseil nachreicht. 14 und 15 Jahre alt; ganz normale Teenager, möchte man meinen – wäre da nicht diese Wand. Griffiger, sonnengewärmter Kalkstein. Fast senkrecht. Doch sie kennen keine Höhenangst. Über dem Abgrund sind die Mädchen daran, im Schwierigkeitsgrad 7a einen 70 Meter hohen Fels bei Meiringen zu durchklettern. «Darf ich runterspucken?» Das fröhliche Geflachse aber täuscht nicht darüber hinweg: die beiden sind konzentriert bei der Sache. Lisa, die von unten sichert, lässt Thea nicht aus den Augen, verfolgt jede Bewegung. Sie wissen, dass sie sich absolut auf einander verlassen müssen. Das können sie. Seit mehr als drei Jahren sind sie zu einem eingespielten Team zusammengewachsen. «Da rechts hats gute Griffe.» Immer weiter kommt Thea voran, mit einem Ziel: den Fels zu bezwingen. Später wird Lisa nachklettern, durch Thea dann von oben gesichert. Start geglückt Gut im Auge behält die beiden Nachwuchshoffnungen im Sportklettern ihr Trainer. «Klettern ist ein Teamsport», betont Kletterlehrer Marcel Grossmann. Vor vier Jahren hat er sich in Interlaken mit der Gründung der Kletterschule Mäx einen langjährigen Traum verwirklicht. Dabei ist sein Blick vor allem auf den Spitzensport gerichtet. So ist es der Vision und Beharrlichkeit des Konditions-Trainers mitzuverdanken, dass die Kletterhalle K44 in Interlaken seit einem Jahr Standort eines Regionalzentrums Sportklettern ist, unterstützt auch durch Swiss Olympic. Marcel «Mäx» Grossmann erklärt: «Regionalzentren sind Vereine, die im Konzept des Schweizerischen Alpenclubs SAC als Bausteine zur Nachwuchsförderung eingebaut sind.» Das Regionalzentrum in Interlaken sei also verantwortlich für die Führung, Organisation und Betreuung eines Leistungskaders mit den besten Athleten aus dem Berner Oberland. Das Startjahr des «SAC Regionalzentrum Sportklettern Berner Oberland» ist mehr als geglückt. So konnte Trainer Marcel Grossmann bereits an der ersten Hauptversammlung den Gewinn von insgesamt elf Medaillen an nationalen Wettkämpfen verkünden. Zudem qualifizierten sich Lisa Binggeli aus Steffisburg (SAC Grindelwald) und Thea Masero aus Thun (SAC Grosshöchstetten) für das U16-Nationalkader. «Gratwanderung» Besonders gern trainiert Marcel Grossmann, selber seit über 30 Jahren begeisterter Sportkletterer, Kinder und Jugendliche. «Die Begeisterung junger Menschen, welche die Freude am Sportklettern gepackt hat, ist unglaublich», meint der 44-jährige. «Sie packen die Herausforderungen noch eher spielerisch und weniger leistungsorientiert an.» Ehrgeiz und Hunger nach Anerkennung setze dann im Lauf der Pubertät immer mehr ein. Dann trete der Wettkampf in den Vordergrund. «Deshalb ist es besonders spannend, einerseits an der intensiven Entwicklung, Veränderung und Entfaltung über verschiedene Altersstufen teilhaben zu dürfen, andererseits aber auch die Vielfalt der Charaktere dieser jungen Menschen zu erleben.» So verwundert es nicht, dass Mäx gemeinsam mit dem Primarlehrer und J+S Kursleiter Christoph Schluchter den Kletterverein «Bergaffen», für Kinder und Jugendliche gegründet hat und auch die Trainingspläne für die «Bergaffen» schreibt. Mäx spricht von einer «Gratwanderung»: «Diese Menschen so zu fördern, dass sie ihre optimale Leistung abrufen.» Sie in diesem Sinne «ans Limit» zu führen, ohne sie zu überfordern. «Das Leuchten in den Augen dieser Menschen zu sehen, nachdem sie eine schwierige Herausforderung – und damit sich selbst – gemeistert haben, ist unbezahlbar», sagt der J+S-Experte, selber mit leuchtenden Augen. Wettkampf-Fieber Unterdessen sind auch Lisa und Thea vom Wettkampf-Fieber gepackt. «Öfter als draussen klettern wir an Kunstgriffen in der Halle und nehmen an Wettkämpfen teil», sagt Lisa Binggeli. «Das ist spannend. Man braucht zum Klettern fast jeden Muskel. Und es macht einfach unheimlich viel Spass.» Besonders spannend ist die Herausforderung dieses Wochenende in Niederwangen. Dort haben die beiden Jungkletterinnen an den Schweizermeisterschaften im Sportklettern die Gelegenheit, sich innerhalb des U-16 Nationalkaders mit den grossen Schweizer Nachwuchstalenten zu messen. Mit Freude fördern und fordern wird sie dabei ihr «Coach»: Mäx Grossmann.Hans Peter RothMehr Infos: www.kletterschule-interlaken.ch; www.k44.ch; www.bergaffen.ch; www.sac.ch >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch