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Der Neue will ins rechte Licht

Torhüter David Da Costa hat sich bei Thun gleich durchgesetzt. Nachdem

Der FC Thun überrascht bislang. Gewiss: Nach drei Spielen ist die Aussagekraft von Rang 3 in der Tabelle nicht riesig. Der Auftakt in die neue Spielzeit aber ist dem Aufsteiger fraglos geglückt. Noch ist er unbezwungen. Einen grossen Anteil am Erfolg haben die neuen Spieler. An David Da Costa etwa, dem neuen Torhüter, haben die Thuner Verantwortlichen wenig auszusetzen gehabt. Keines der fünf Gegentore musste er verantworten. Und in seinen Aktionen wirkte er sicher. Gerade den Punktgewinn gegen die Young Boys verdanken die Oberländer auch ihrem Keeper. Erst kurz vor der Begegnung mit dem Kantonsrivalen hatte Da Costa erfahren, dass er das Tor hüten würde. «Ich konnte nicht damit rechnen, gleich die Nummer eins zu sein», sagt der Sohn portugiesischer Einwanderer. Konkurrent Sascha Stulz hatte sich davor gegen all seine Mitstreiter durchgesetzt. «Wir verstehen uns sehr gut», sagt Da Costa. «Wir ticken beide ähnlich, sind ein bisschen verrückt. Torhüter eben.» David Da Costa hat sich in Thun prima eingelebt. Er wohnt mit seiner Freundin im Lerchenfeldquartier, in einer Bleibe, von der er schwärmt. Überhaupt gefalle es ihm im Oberland sehr gut. Auf Anhieb angetan habe es ihm das beeindruckende Panorama. «Mit all den Bergen.» Als Zürcher hatte er das nicht gekannt. «Beim ersten Training hier musste ich mich zusammenreissen. Murat Yakin sprach, und ich war gefangen von der tollen Kulisse.» «Ich habe Fehler gemacht» Nun, da es ihnen hier so gut gefalle, beginne seine Freundin, sich im Oberland nach einer Beschäftigung umzusehen. «Sie hat in Zürich vieles aufgegeben, bloss damit sie mich nach Thun begleiten konnte.» Die Vergangenheit von David Da Costa ist geprägt von einem Ereignis, das sich vor rund vier Jahren zugetragen hatte. Kresimir Stanic, Teamkollege des damaligen FCZ-Torhüters, war alkoholisiert Auto gefahren und verunfallte. Da Costa folgte – und fuhr vorbei. Dafür musste er sich vor Gericht verantworten, wurde aber freigesprochen. Heute sagt Da Costa: «Ich habe Fehler gemacht.» Das indes war lediglich der Beginn einer Zeit, die mit reichlich Hürden versehen sein sollte. Den FC Zürich nämlich musste er wenige Monate nach Stanics Unfall verlassen, Concordia Basel, Arbeitgeber in der Saison 2008/2009, aus finanziellen Gründen absteigen, und beim FC Wohlen bezichtigte ihn Torwart-Konkurrent Reto Felder des Mobbings. Ein zweites Mal geriet Da Costa damit in fette, unliebsame Schlagzeilen. Vernünftig, freundlich, reif Davon nahmen die Anhänger des FC Thun Notiz. Entsprechend empört reagierten sie auf ihrer Plattform, dem Fanforum, auf den Zuzug des ehemaligen U18-Nationalspielers. «Der wird es schwer haben!», drohte einer. Ein anderer betrachtete den Transfer als «schlechtesten», den Thun je gemacht habe, und schimpfte Da Costa einen «Charakterlumpen». Der Betroffene sagt: «Es ist das Recht der Fans, Transfers kritisch zu beäugen.» Es sei nun an ihm, sich in Thun Sympathien zu schaffen. Vernünftige, überlegte Aussagen sind bei David Da Costa keine Rarität. Der 24-Jährige wirkt reif und freundlich. Im Team jedenfalls scheint er mehr als nur akzeptiert. Er sagt: «Wir haben einen tollen Zusammenhalt. Sowas habe ich selten erlebt.» Die Leidenszeit dürfte damit erst mal vorüber sein, überstanden. «Ich fühle mich stärker.» Bei Thun steht er nun, in der Super League, im Scheinwerferlicht. Erstmals ist er dabei auf der Sonnenseite. Er will die gute Ausgangslage nutzen. Thun zum Erfolg verhelfen. Und die kritischen Fans umzustimmen. Adrian HornMehr zu Thun - St. Gallen Seite 12>

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