Zum Hauptinhalt springen

«Der Parkplatz wird zum Strassenstrich»

«Der öffentliche Parkplatz an der Seestrasse entwickelt sich zum Strassenstrich»: Dies findet der Thuner FDP-Stadtrat Michael Lüthi. Deshalb wollte er vom Gemeinderat wissen, ob Sofortmassnahmen eingeleitet werden.

Die Fragestunde und somit das letzte Traktandum an der letzten Sitzung des Stadtrats in diesem Jahr war der Prostitution in Thun gewidmet: «Die ohnehin bedenkliche Entwicklung im Thuner Rotlicht-Milieu ist um einen Umstand reicher», schrieb FDP-Stadtrat Michael Lüthi in seiner Frage. «Der öffentliche Parkplatz an der Seestrasse entwickelt sich zum Strassenstrich.» Die Nebenerscheinungen wie der Zunahme von Strassenverkehr, Lärm, Gestank und Abfall sei enorm. So genannte Fragen können von Stadtratsmitgliedern vor der jeweiligen Sitzung kurzfristig eingereicht werden. Der Gemeinderat beantwortet diese entweder mündlich oder schriftlich jeweils am Ende der Sitzung. «Was tut Gemeinderat?» Lüthis Fragenkatalog war umfassend. Er wollte zum Beispiel wissen, warum die Direktion Sicherheit die Szene auf dem öffentlichen Parkplatz ignoriere und toleriere. Und, ob dem Gemeinderat bewusst sei, dass Passanten und Anwohner durch den harten Anschaffungs-Konkurrenzkampf belästigt würden. Auch, ob der «Parkplatzstrich» im Hinblick auf den geplanten Uferweg vom Bahnhof zur Kirche Scherzligen kein «Schandfleck» darstelle. «Ist sich der Gemeinderat bewusst, dass diese Szene ohne einschreitende Massnahmen weiterhin viele Freier anzieht, die das Schnelle, Billige und Miese suchen?» fragte Lüthi zuletzt und forderte Sofortmassnahmen. In seiner Antwort schreibt der Gemeinderat, dass sich die Regelung bezüglich Prostitution im Ortspolizeireglement seit 16 Jahren als tauglich erwiesen habe. Tatsächlich erscheine der Kanderkies-Parkplatz, welcher der BLS gehöre und von der Stadt gemietet werde, ab und zu in Polizeiakten. «Die Szene wird nicht ignoriert, sondern regelmässig kontrolliert und bei Problemen wird sofort reagiert.» Sowohl die Kantonspolizei wie die Securitas und das Tiefbauamt seien regelmässig vor Ort. «Aufgrund der aktuellen Situation werden keine Sofortmassnahmen eingeleitet», schreibt der Gemeinderat. Die Grösse der Szene verändere sich zwar immer wieder, doch bleibe diese im Durchschnitt der Jahre ziemlich konstant. Auch hätten die Begleiterscheinungen wie Suchverkehr, Kondome am Boden und harmlose Revierkämpfe nicht markant zugenommen. «Insgesamt», bilanziert der Gemeinderat, «haben die Probleme mit Dirnen und Freiern noch nicht ein Mass erreicht, das ein Einschreiten nach Artikel 15 im Ortspolizeireglement erlaubt.» Ausserdem würde sich die Szene nicht auflösen, sondern lediglich an einen Ort verschieben. «Ältestes Gewerbe» gefragt Peter Siegenthaler, der Vorsteher der Direktion Sicherheit, hat sich aufgrund einer Reklamation zudem ein persönliches Bild über die Verhältnisse vor Ort verschafft. «Die Situation ist noch verträglich», lautet sein Fazit. Zudem würden die Prostitutionsaktivitäten auf dem Kanderkies-Parkplatz nachts stattfinden und somit nicht während den Hauptbenutzungszeiten eines Uferweges und von Schulwegen. «Tatsache ist auch», beendet der Gemeinderat seine Ausführungen und Antworten, «dass es für das ‹älteste Gewerbe› auch heute eine Nachfrage gibt.» Franziska Streun >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch