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Der Polizeichef dementiert

Manuel Willi, Chef der Regionalpolizei Bern, kritisiert die Darstellung der Reitschüler. «Das Video zeigt nur einen kleinen Teil der Szenen.»

Manuel Willi, hat die Polizei in der Medienmitteilung vom Freitag gelogen? Manuel Willi: Nein, ich wüsste nicht, wo wir gelogen hätten. Weshalb meinen Sie? Auf dem Video, das Reithallegäste vom Polizeieinsatz gemacht haben, sind weder massive Angriffe noch Fusstritte gegen Polizisten zu sehen. Das Video setzt zu einem sehr späten Zeitpunkt ein. Der Angriff auf die Fahnder fand deutlich vor den Aufnahmen statt. Die Fahnder wollten den flüchtigen Mann verhaften. Doch sie wurden von Leuten aus der Reithalle daran gehindert. Besonders ein Mann trat extrem aggressiv auf (siehe auch Text unten links). Laut Medienmitteilung haben aber 30 bis 40 Personen die Polizei massiv bedrängt. Diese Zahl ist eine Schätzung unserer Fahnder. Da sind auch diejenigen mit eingerechnet, die im Restaurant Sous le Pont die Polizei an der Verhaftung gehindert haben. Die Fahnder haben nicht jeden Einzelnen gezählt. Die Polizei schreibt, die Fahnder hätten die Reitschule fluchtartig verlassen. Ist das etwa auch vor der Videoaufnahme passiert? Nein. Was versteht die Berner Polizei unter fluchtartig? So schnell wie möglich raus. Die Fahnder verliessen die Reitschule schnellen Schrittes. Sie waren froh, endlich aus der Reithalle draussen zu sein. Denn zuvor waren sie aktiv am Weggehen gehindert worden. Ich habe das Video heute gesehen. Von mir aus gesehen war das eine Flucht. Welchen Eindruck hatten Sie beim Anschauen des Videos? Man sieht, wie die Fahnder tätlich an ihrer Arbeit gehindert werden. Angenommen, die Polizei könnte die Medienmitteilung vom Freitag nochmals schreiben. Würde diese in Kenntnis des Reithallenvideos nochmals gleich formuliert? Inhaltlich ist diese Medienmitteilung korrekt. Zwar sehe ich die erwähnten 30 bis 40 Personen auf dem Video auch nicht. Aber man sieht darauf ja nur Szenen aus dem Innenhof. Ich sehe keinen Anlass, an der Darstellung unserer Fahnder zu zweifeln. Wer die Filmsequenz am Montagmorgen in der Reithalle sah, begann am Mediendienst der Polizei zu zweifeln. Hand aufs Herz: Diese Mitteilung wurde tendenziös formuliert. Ich sags nochmals: Die Sequenz zeigt nur einen kleinen Teil der Szenen – und immer nur aus einem Blickwinkel. Das Video setzt erst nach dem Angriff ein, wie mir unsere Leute den Ablauf geschildert haben. Trotzdem: Wer sich ungerecht behandelt fühlt, soll Anzeige erstatten, dann wird der Vorfall durch die Justiz unabhängig untersucht. Die Reitschulbetreiber unterstellen den Drogenfahndern, sie hätten die angehaltene Person bewusst in die Reitschule getrieben – was sagen Sie dazu? Das ist lächerlich. Da geht keiner von uns zum Plausch rein. Zwei Fahnder wollten einen Mann auf der Schützenmatte anhalten. Dieser ist bewusst in die Reithalle geflüchtet, weil er wusste, dass er dort geschützt wird. In den Gesprächen mit den Stadtbehörden betonen die Reitschule Betreiber regelmässig, sie wollten keine Polizei in der Reithalle haben. Das geben sie offen zu. Interview: Tobias Habegger>

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