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Der Ruf der traurigen Fabelerzählerin

KonzertEin Akkordeon spielt Walzer, und alle Tiere kommen angetanzt: Die kanadische Sängerin Wendy McNeill entführt nächste Woche das Berner Publikum in ihre düstere Fabelwelt.

Für einen Spaziergang im mysteriösen Märchenwald, in dem unheimliche Fabelwesen herrschen, gibt es spätestens seit Wendy McNeills Debütalbum «Whats Your Whiskey, Baby?» (2001) die passende Begleitmusik. Mit ihrer rohen, dennoch klaren Stimme und dem Klang des Akkordeons schafft die in Schweden lebende Kanadierin mal gesungene, mal gehauchte Fabelgeschichten, die irgendwo zwischen folkiger Zirkusmusik und melancholischen Seemannsliedern anzusiedeln sind. Ihre Protagonisten sind oftmals Tiere, die stellvertretend für die Underdogs in der Menschenwelt stehen: «Dieses Ding will einfach nicht gehorchen, sie ist ein Tier.» McNeill greift auf diese Tiercharaktere zurück, «weil ich dadurch eine Distanz schaffen und in tiefere Abgründe vordringen kann», sagt die Musikerin. Vom Tanz zur Musik Eigenwillig ist nicht nur McNeills Musik, sondern auch ihre Biografie. Aufgewachsen in Kanada als Hippietochter, verbrachte sie ihre Kindheit sowohl fröhlich-tanzend zu Abba-Musik wie auch melancholisch-vegetierend zu Dolly Partons Balladen. Doch erst nach eine Punkphase und einer Tanzausbildung erwachte in ihr die Sängerin. «Frauen wie ‹Madame George› von Van Morrison oder ‹Suzanne› von Leonard Cohen sind, seit ich die Songs zum ersten Mal gehört habe, lebendig in meinem Kopf. Es waren solche Stücke, die mich dazu gebracht haben, selbst Sängerin zu werden», verrät McNeill. Die Musik habe ihr geholfen, ihre Gefühle zu kommunizieren – was ihr zuvor schwergefallen sei. Ihre Gefühle waren es denn auch, die sie von Kanada in ihre Wahlheimat Schweden geführt haben: «Ich folgte meiner grossen Liebe», so McNeill. Und diese hält bis heute. Berührend persönlich Nächsten Mittwoch macht die elfenhafte Sängerin halt in Bern – im Gepäck hat sie ihr neues Album «For the Wolf, a Good Meal». Es ist ein Konzeptalbum, das die Zuhörer im Walzertakt über ein stürmisches Meer führt, in dem die eigenwilligen Songs schwimmen: Lieder über ertrinkende Liebende, Verlassene – und über das Fressen und Gefressenwerden: «Wir sind uns so ähnlich, Löwen und Lämmer, bereit zu töten, bereit zu sterben.» Die Songs muten düsterer, melancholischer an als jene auf den vorgängigen Alben. «In diesen Geschichten verarbeite ich Dinge, die mir in den letzten Jahren widerfahren sind. Den Tod meiner Mutter beispielsweise», sagt McNeill. Umso berührender muten Textzeilen an wie «Ich liebte es, in ihre grauen Augen zu schauen, doch nun verfolgen sie mich jede Nacht». Trotzdem sei «For the Wolf, a Good Meal» nicht ihr persönlichstes Album: «In jedem meiner Songs stecken eigene Erfahrungen, das war schon bei der allerersten Platte so.» Obwohl McNeills neuste Songs tief hineinführen in den düsteren Wald, ist irgendwo am Horizont stets ein Licht zu erkennen – in einer Strophe oder einer Melodie. «Das ist es, was ich sagen will: Alles nimmt irgendwie eine hoffnungsvolle Wendung.» Stefanie Christ;Konzert: Mi, 9.3., 20.30 Uhr, Turnhalle im Progr, Bern. Tickets: www.petzitickets.ch. CD: «For the Wolf, a Good Meal», ab 4.3. im Handel, Cargo Records.>

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