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Der SCB landet vor Gericht einen Teilsieg

Champions Hockey LeagueDer Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne hat sich für zuständig erklärt, die Klage des SC Bern gegen den Internationalen Eishockeyverband zu behandeln.

Statt Sportchef Sven Leuenberger erschien gestern vor dem Match gegen die Rapperswil-Jona Lakers SCB-Chef Marc Lüthi höchstpersönlich für die ob-ligate Kurzpressekonferenz im Medienraum der Postfinance-Arena. Der CEO sprach denn auch nicht über die Mannschaftsaufstellung, sondern über den Zwist mit dem Internationalen Eishockeyverband. Lüthi verkündete einen Teilsieg des SC Bern auf juristischer Ebene: «Der Sportgerichtshof in Lausanne hat entschieden, dass der SCB vollumfänglich klageberechtigt ist.» 1,2 Millionen gefordert Zur Erklärung ist ein kurzer Abriss über das in diesem Fall bisher Geschehene notwendig: Der Ursprung des Rechtsstreits war die Absage der Champions Hockey League 2009/2010 durch den Internationalen Eishockeyverband, für die der SCB qualifiziert gewesen wäre. Marc Lüthi und seine Anwälte werteten das Vorgehen der IIHF und deren Marketingpartner Infront Sports & Media als Vertragsbruch. Den 16 teilnahmeberechtigten Klubs entging die Startgage von 300000 Euro; der SCB forderte vom Verband als Entschädigung 100000 Euro, was Lüthi als «Friedensangebot» bezeichnete. Weil die IIHF nicht darauf einging, reichte der SCB Anfang Jahr beim Internationalen Sportgerichtshof Klage ein und verlangte 1,2 Millionen Franken Schadenersatz. Die Summe setzt sich aus dem entgangenen Preisgeld aus zwei verpassten Champions-League-Teilnahmen sowie aus Personalaufwand zusammen. Die IIHF machte hingegen geltend, der Klage des SCB fehle die Grundlage, weil sie den Dreijahresvertrag mit den Verbänden und Ligen, nicht aber mit den einzelnen Klubs abgeschlossen habe. Das CAS gab nun dem SCB recht, der argumentiert hatte, er sei ein Direktbegünstigter. Im juristischen Jargon berief sich der SCB auf die Rechtsfigur «Vertrag zugunsten Dritter». Der in die Defensive gedrängte Verband reagierte, indem er beim Bundesgericht gegen den Entscheid Beschwerde einreichte. Lüthis Seitenhieb Lüthi bezeichnete es als «höchst bedenklich, wenn ein olympischer Sportverband, dessen Präsident noch dazu IOC-Mitglied ist, das Urteil des Sportgerichts nicht akzeptiert». Süffisant fügte er, auf den FC Sion und dessen Präsidenten Christian Constantin anspielend, an: «Ich habe geglaubt, an Zivilgerichte gelangen im Sport nur Walliser.» IIHF-Präsident René Fasel, übrigens ein Freiburger, verteidigte auf Anfrage das Vorgehen: «Das Bundesgericht ist die einzige Rekursmöglichkeit. Wir nehmen nur ein Recht wahr, das jedem zusteht.» Er fügte an, die Verbandsjuristen taxierten den CAS-Beschluss als Fehlentscheid. Die Chancen für die IIHF sind freilich eher klein, denn sie verfügt nur über ein beschränktes Beschwerderecht. Das Bundesgericht kann den Fall daher nicht neu aufrollen, sondern das CAS-Urteil nur auf grobe Rechtsfehler überprüfen. Fasel unter Druck Das Vorgehen der IIHF-Entscheidungsträger ist höchst ungewöhnlich, aber aufgrund der Umstände nicht unverständlich. Der Verband steht massiv unter Druck, denn die Klage des SCB kann enorme finanzielle Folgen haben. Sollte das CAS dem SCB Schadenersatz – in welcher Höhe auch immer – zusprechen, werden ohne Zweifel andere verhinderte Champions-League-Teilnehmer vor Gericht ebenfalls Entschädigungen fordern. Daher erstaunte es nicht, sagte Fasel gestern: «Wir werden alle juristischen Mittel ausschöpfen.» Der Rechtsstreit dürfte also noch eine Weile dauern. ar>

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