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Der Sommer-Winter-Sportler

Der 21-jährige Lauterbrunner Oliver Zurbrügg ist ein sportlich starker Allrounder. Besonders auf Skiern und dem Bike fühlt er sich wohl. Das führt zu einem dichten Jahresprogramm aus Training und verschiedenen Wettkämpfen.

«Irgendein junger Lauterbrunner führt das Klassement an.» Nur so viel wussten bestandene Inferno-Rennfahrer, die am 23. Januar mit der Schilthornbahn zur Preisverteilung nach Mürren fuhren. Der inkognito mitreisende Inferno-Super-Kombinations-Sieger Oliver Zurbrügg hörte die gute Nachricht mit Schmunzeln und Genugtuung. Die Kombination Langlauf, Riesenslalom und Abfahrt hatte ihn sehr gereizt. Nun war seine Anfang der Saison beschlossene Rechnung mehr als aufgegangen: 2010 unter die ersten zehn der Inferno-Super-Kombination zu kommen. «Ich präparierte stundenlang meine Skier. Sie müssen unbedingt auch auf den flachen Abschnitten laufen», verrät der 21-jährige Allrounder seine lohnenden Vorbereitungen für den guten siebten Rang in der Abfahrt. Kein Skirennfahrer Das talentierte Mitglied der JO Skiclub Lauterbrunnen war auf dem besten Weg, ein erfolgreicher Skirennfahrer zu werden. Bis ihm ein Skiunfall einen Strich durch die Rechnung machte. «Dass ich darauf aus dem BOSV-Alpin-Kader geworfen wurde, empfand ich zuerst als frustrierend», urteilt Oliver Zurbrügg. Im Nachhinein sieht er ein, dass er körperlich wohl zu leicht und zu klein wäre, um in der alpinen Elite zu reüssieren. aber ein Biker Also versuchte der vielseitige Routinier sein Glück im Biken, in seinem beliebtesten Sommer-Sport. Schon als Drittklässler hatte er sich Lorbeeren geholt, etwa im Bikerennen von Twing nach Käserstatt. Zudem kam ihm der gute Draht seines Onkels Werner Imboden zu Marc Pschebizin, dem achtfachen Inferno-Triathlon-Sieger, zugute. Der deutsche Spitzensportler stellte Oliver Trainingspläne zur Verfügung und gab ihm den guten Rat, mehr Ausdauersport statt Alpinskirennsport zu trainieren. Der Erfolg blieb nicht aus, Olivers Leistungskurve im Bikesport zeigt steil nach oben. «Im Abfahren bin ich einer der Stärksten geworden. Dabei fahre ich eine Rennmaschine und nicht einen Downhiller», betont Oliver. Ein Muss ist der Start in der Inferno-Team-Trophy. Die 30-Kilometer-Mountainbikestrecke Grindelwald–Kleine-Scheidegg–Stechelberg führt ja neben dem Haus seiner Eltern vorbei. Auch die Eiger-Bike-Challenge Grindelwald mit der 55-Kilometer-Strecke sowie der 104-Kilometer-Nationalpark-Bikemarathon gehören zu Olivers Jahresprogramm. Der junge Athlet träumt von der Trans Alp Challenge, einem 8-Tage-Etappenrennen über die Alpen. «Ich starte lieber in der Kategorie ohne Lizenz, in der zweiten Formation», erklärt Oliver Zurbrügg. So müsse er zwar früher am Start sein, gehöre dann aber sogleich zu den «Jägern» und nicht zu den Gejagten. Vater Hans Zurbrügg hat den Wechsel vom Ski- zum Bikecoach problemlos vollzogen. Zwei Standbeine behalten Sollte er nur noch biken, also auch im Winter hart auf dem Zweirad trainieren wie seine schärfsten Konkurrenten? «Der Skisport steht mir da quasi etwas im Weg», gesteht Oliver Zurbrügg. Skifahren sei für ihn eben auch wichtig. Besonders bei Hochnebellagen würde es ihm schwerfallen, Richtung Unterland ins Training zu fahren. «Der SCL hat mir viel gegeben und mich finanziell unterstützt», begründet Oliver sein Engagement beim heimischen Skiclub. Oliver absolvierte J+S-Kurse in den Disziplinen Alpin und Telemark und gibt nun als JO-Leiter dem Klub etwas zurück. Im SCL-Vorstand fungiert er als Rennleiter des Rivella Family Contest auf der Kleinen Scheidegg. Oliver könnte sich sogar eine Zukunft als Schneesportlehrer in den Disziplinen Alpin und Telemark vorstellen. Der starke Amateur fühlt sich aber auch im beruflichen Umfeld wohl. Er schloss die Lehre als Schreiner mit Auszeichnung ab und profitiert viel von seinem sportbegeisterten Arbeitgeber und einem aufgestellten Team. Auch Laufen und Klettern Oliver Zurbrügg könnte vor der Haustüre gleich mehrere Sportarten ausüben. Extremsport kommt aber nicht in Frage: «Ich interessiere mich nicht für Base-Jumpen, das ich das ganze Jahr von zu Hause beobachten kann.» Vielmehr geniesst er es, nach der Arbeit an der frischen Luft Ausdauersport im heimischen Gelände zu trainieren – im Winter auf der nahen Langlaufloipe, im Sommer auf Wander- und Bergwegen. Oliver verfügt über Durchhaltewillen und mentale Stärke und arbeitet intensiv an seinen konditionellen Fähigkeiten. Er ist sozusagen jede freie Minute sportlich unterwegs – oft allein. Ski- und Felsklettertouren unternimmt er nur zu zweit. Er mag nicht in einer Gruppe warten, bis jeder startbereit ist. Aber Unihockey spielt er im Team aus dem Tal. Am 14. März will Oliver zum vierten Mal den Engadiner Ski-Marathon bestreiten. Im Jahr 2007 wurde er guter Siebter beim Nacht-Inferno-Jubiläumslauf Mürren–Schilthorn. Er liebäugelt auch mit dem Jungfrau-Marathon, obschon der anspruchsvolle Berglauf punkto Bewegung und Zeitpunkt schlecht in sein Programm passt. Träumt Oliver Zurbrügg gar von Olympia? «Die Teilnahme an Olympischen Spielen ist für jeden Sportler ein Traum. Er wird sich mir aber ziemlich sicher nie erfüllen.» Im vergangenen Winter absolvierte Oliver die Gebirgsspezialisten-RS in Andermatt. Seither ist er Mitglied der SAC-Rettungsstation Lauterbrunnen. Ferdinand Waespe >

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