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Der Spagat zwischen Interessen

Urs Frey geht als Leiter des Thuner Amtes für Stadtliegenschaften in Pension. Er hat vier Chefs, fünf Reorganisationen und X geänderte Gesetze erlebt. Trotz ewigem Spagat zwischen verschiedenen Interessen blieb die Freude am Job.

«Ich hätte nicht im Traum gedacht, dass ich 34 Jahre bei der Stadt Thun bleiben würde», der gebürtige Spiezer Urs Frey und schmunzelt. An Weihnachten hat der Leiter des Amtes für Stadtliegenschaften (AfS) seinen «Letzten» an der Industriestrasse. «Es war eine sehr interessante, vielfältige, aber auch anspruchsvolle Aufgabe – ich habe sie geliebt», zieht der mit 62 Jahren Frührentner Bilanz. Anno 1976 wurde Urs Frey Thuner Liegenschaftsverwalter. Er brachte eine Notariatslehre, die Ausbildung zum eidgenössisch diplomierten Immobilientreuhänder und praktische Erfahrung von der kantonalen Steuerverwaltung (Abteilung Vermögensgewinnsteuer), und der eidgenössischen Finanzverwaltung mit. In der Weiterbildung folgten unter anderem das St. Galler Management Seminar und die Nachdiplome Bestellenkompetenz und Gesamtleitung im Bauwesen und Facilitiy und strategisches Management . Vielfältige Aufgaben Das AfS beschäftigt inklusive Reinigungspersonal über 150 Angestellte. Es ist verantwortlich für die Bewirtschaftung, den laufenden Betrieb, Unterhalt und die Sanierung der über 400 stadteigenen Liegenschaften und Grundstücke (ohne Strassen). Dem Amt unterstehen auch An- und Verkauf. Für Grosssanierungen fehlt oft das Geld. Deshalb hat sich Frey vehement dafür eingesetzt, dass Verkaufserlöse nicht einfach in die Stadtkasse, sondern ein Teil in einen Spezialfonds fliesst – das ist nach mehreren Anläufen auch gelungen. Das AfS hat nach Integration des Hochbaus die Federführung bei stadtgeigenen Neubauten. Es muss zudem Verträge für neue und Anpassung bestehender Baurechte zu Handen der politischen Behörden aushandeln. verschiedene Interessen In seiner Ära hat Urs Frey vier Chefs, fünf Reorganisationen, unzählige Gesetzesänderungen erlebt und sein Büro vier Mal gezügelt. «Die Interessen der verschiedenen Parteien – politisch und privat – sind oft recht unterschiedlich», schildert Frey diplomatisch. Das heisst zum Beispiel, Private wollen möglichst tiefe Baurechtszinse und Landpreise, die Stadt dagegen einen optimalen, marktgerechten Gewinn. Also ein schier unmöglicher Spagat? «Ömu nid e eifache», sagt der einstige Oberturner und lächelt verhalten (vgl. Kasten). Das Finden von für alle tragbaren Kompromissen sei aufwändig und zeitraubend. «Die Geschäfte sind komplexer geworden und müssen breiter abgestützt sein», stellt Frey fest. Nährboden für Kritik Ja, er sei ab und zu ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. «Wenn sie berechtigt und konstruktiv ist und nicht nur der eigenen Profilierung dient, habe ich keine Mühe damit», versichert er. «Möge» habe ihn etwa in den 70er-Jahren die Kritik um einen Landhandel für ein neues Ferienheim in Schönried. Das vom Vorgänger «geerbte» Geschäft scheiterte. «Aus heutiger Sicht muss man sagen, das ist gut, denn kurz danach schwand das Bedürfnis nach Ferienheimen», stellt Frey nüchtern fest. Im Zusammenhang mit Kritik, wünschte sich Frey, dass über Gelungenes und Erfreuliches «öppe glich viel» geredet und geschrieben würde, wie über «gfundeni Haar ir Suppe». Als erfreulich verbucht An was erinnert sich der Liegenschaftsverwalter gerne? «Da gäbe es Vieles», zögert er kurz und nennt dann: Die Verlängerung des Rathausquais, die Erweiterung des Schadauparks und die Parzellierungen des Wohngebietes «Bostude» und der Gewerbezonen Bierigut, «Mösli» (Gwatt) und Allmendingen-Nord. Der (Teil)Kauf des Expo-Geländes, der Post Rosenau, des Selve-Areals und der Schlossberg-Liegenschaften. Unter «erfreulich» stehen auch die Verkäufe der «Siedlungsstrasse» (Lerchenfeld) und ein Teil der Neufeldsiedlung für Neuüberbauungen. Und das Mühle-Areal? Urs Frey gesteht: «Ich war eher für einen Teilabbruch. Was der Totalabbruch aber gebracht hat, ist für die Stadt gut und richtig». Was bleibt offen? Seinem Nachfolger Thomas Zumthurm hinterlässt Urs Frey einige Geschäfte, die er gerne noch zum Abschluss gebracht hätte. Dazu gehören etwa die Übergabe des ausgebauten Kultur- und Kongresszentrum KKT, die Umnutzung der Schlossberg-Liegenschaften, der Abschluss des neuen Hotels Lachenwiese und angepasste, private Baurechte. Soweit möglich, seien die entsprechenden Geschäfte aber gut vorbereitet. Die Stadt attestiert Urs Frey in einer Mitteilung, dass dieser den Liegenschaftsbereich «wesentlich geprägt» habe. Nelly Kolb >

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