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Der Staudamm bringt BKW unter Druck

AKW-DebatteIst der Wohlensee-Staudamm erdbebensicher? Diese Frage bleibt auch offen, nachdem das AKW Mühleberg dem EU-Stresstest unterzogen worden ist. Die BKW kommt in Bedrängnis und muss bereits Ende Januar ein überarbeitetes Gutachten präsentieren.

Weiteres Nachsitzen für die BKW: Der Berner Stromkonzern hat in seinem Bericht zum EU-Stresstest nur ungenügende Fakten eingereicht, was die Erdbebensicherheit des Wohlensee-Staudamms betrifft. Die Eidgenössische Atomaufsicht Ensi akzeptiert das Zahlenmaterial nicht und forderte die BKW gestern auf, bis Ende Januar ein überarbeitetes Gutachten zur Standfestigkeit des Staudamms vorzulegen. Der Staudamm spielt in der Sicherheitsbeurteilung des AKW Mühleberg wegen seiner geografischen Nähe zum Kraftwerk eine zentrale Rolle, ein Brechen des Damms wäre fatal. Das Problem der BKW: Die Frist bis Ende Januar ist sehr kurz bemessen. Dennoch glaubt der Stromkonzern daran, dass er die neuen Berechnungen zur Standfestigkeit des Damms fristgerecht wird einreichen können. «Die Untersuchungen laufen bereits», sagte BKW-Sprecher Antonio Sommavilla auf Anfrage. Dies, weil man dem Ensi spätestens Ende März ohnehin neue Daten zum Wohlensee-Staudamm übergeben hätte. Bis zu diesem Datum muss die BKW beweisen, dass das AKW Mühleberg eine Kombination von Erdbeben und Hochwasser, wie sie nur alle 10000 Jahre vorkommen, überstehen würde. «Jetzt ziehen wir diese Berechnungen vor», so der Sprecher. Kann die BKW das Ensi nicht von der Erdbebensicherheit des Staudamms überzeugen, sähe es womöglich nicht gut aus für das AKW Mühleberg. Diskussion flammt neu auf Auch wenn die BKW offensichtlich davon ausgeht, dass sie die Zweifel wird ausräumen können: Die erneute öffentliche Debatte darüber, ob der Wohlensee-Damm erdbebensicher ist, dürfte die BKW empfindlich treffen. Denn damit gerät das AKW Mühleberg erneut in die Schlagzeilen, währenddem es um die anderen vier Schweizer AKW zunehmend ruhig wird. Das stärkt die Position von Mühleberg in der Öffentlichkeit nicht. Kommt dazu, dass sich die BKW in Sachen Staudamm nicht immer geschickt verhalten hat: Im letzten November wurde publik, dass sie eine neue Studie zum Wohlensee-Damm monatelang unter Verschluss gehalten hatte. Das Pikante daran: Die BKW selbst hatte die Studie in Auftrag gegeben. Die Resultate waren wenig schmeichelhaft und wurden nur in englischsprachigen Fachzeitschriften und auf einem Kongress in den USA vorgestellt. Die Studie kommt zum Schluss, dass der Wohlensee-Staudamm oder zumindest Teile davon einem extremen Erdbeben, wie es sich alle 10000 Jahre ereignet, nicht standhalten würde. Die neuen Berechnungen dürften dazu Klarheit schaffen. Schweiz schneidet gut ab Das Ensi hat sich gestern vor den Medien nicht nur zu Mühleberg, sondern zu allen fünf AKW geäussert. Der EU-Stresstest, dem sich die Schweizer Atomkraftwerke nun erstmals unterziehen mussten, habe allen Anlagen ein hohes Mass an Sicherheit attestiert. Jedoch müssen alle AKW bezüglich Erdbebensicherheit einzelne Angaben nachliefern. So müssen sie nachweisen, dass die äusserste Sicherheitshülle des Reaktors – das Containment – gegen Erdbeben gerüstet ist. Das Containment soll die Radioaktivität einschliessen, auch im Fall eines beschädigten Reaktors. Den EU-Stresstest in der Schweiz hat das Ensi durchgeführt. Der entsprechende Länderbericht wird nun von EU-Experten geprüft. Es ist nicht auszuschliessen, dass daraus für die Schweizer AKW weitere Nachrüstungen resultieren. Philippe Müller>

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