Der Teufel blieb dem Inferno-Rennen fast fern

Mürren/Lauterbrunnen

14,9 Kilometer Downhill bei optimalen Schnee- und Wetterverhältnissen – die 76. Inferno-Abfahrt war traumhaft. Es siegten Marianne Rubi und Mathias Salzmann.

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Vielleicht war die traditionelle Teufelsverbrennung am Vorabend der 76. Lauberhornabfahrt noch etwas effizienter, weil Pfarrerin Olivia Raval den Teufel in Brand setzte. Jedenfalls waren die Verhältnisse am Samstag himmlisch: Eine der von den Meteorologen vorausgesagten Aufhellungen lag den ganzen Tag über dem Schilthorn. Vom ersten «Sternchenfahrer» um 8.48 Uhr bis zum letzten Starter um 15.25 Uhr hatten alle Sonnenschein und eine super Piste. Über Nacht hatte es nur wenig geschneit.

In der Nacht hatte das effiziente Freiwilligenteam mit Rennleiter Thomas Gertsch der Piste den letzten Schliff gegeben. «Beim Start auf dem Schilthorn ists irgendwie mystisch. Die Piste war perfekt», sagte Hans Niederhauser vom SC Boltigen, der im gelben Emmentaler-Skidress in seiner Kategorie den 86. Platz belegte. Und gewissermassen regionales Lob gabs von Peter Aeschimann, Präsident der Regionalkonferenz Oberland-Ost, der seine 46. Inferno-Abfahrt, jetzt in der Kategorie «Gentlemen», mit einer Zeit von 16:00,58 auf Rang 9 abschloss «Es war ein Erlebnis. Piste und Organisation waren ausgezeichnet.»

«Beim Start auf dem Schilthorn ists irgendwie mystisch.»Hans Niederhauser, Inferno-Teilnehmer vom SC Boltigen

Um die Piste perfekt zu machen, gibts beim Internationalen Inferno-Rennen mit Teilnehmenden aus 28 Nationen weder Militär noch Zivilschützer, sondern viel Kompetenz und Freiwilligkeit. Und Oberländer Standfestigkeit, denn für die Helfer auf der Piste zieht sich der Einsatz über Stunden. Egon Sonderegger, Alt- Präsident des Skiclubs Mürren, erzählte, dass nach der langen Nacht und dem langen Renntag die Helfer gleich noch alles Material weggeräumt haben, weil sich das Wetter verschlechterte.

Trotz Topwetter und Toppiste: Der Streckenrekord von 13:20,53 von Kuno Michel aus dem Jahr 2013 wurde knapp verfehlt. Mehrfach-Inferno-Sieger Mathias Salzmann aus Naters bewältigte als Schnellster die Strecke in 13:24,97. Laut OK-Präsident Christoph Egger war diese nicht ganz vergleichbar, denn wegen Lawinengefahr wurde sie etwas anders gesteckt. Überhaupt: Inferno ist nicht gleich Inferno: Manchmal gehts vom Schilthorn bis Winteregg, manchmal vom Allmendhubel bis Lauterbrunnen, manchmal von der Höhelücke bis Alpweg. Die Statistik zeigt: Nur zwanzigmal wurde die Originalstrecke Schilthorn–Lauterbrunnen gefahren, regelmässig nur in den Anfangszeiten.

Zum Inferno-Anfang gehörte, dass es kein Tor gab: freie Streckenwahl, Tiefschnee und Gegensteigung. Bei der 76. Auflage waren 20 Tore korrekt zu passieren und die Piste war präpariert. Die Gegensteigung hingegen blieb und war, so hörte man im Ziel, oft matchentscheidend. Klassiert over all waren 1666 Fahrer, 218 Damen und 1448 Herren. Inferno-Königin Marianne Rubi vom Skiclub Gündlischwand holte sich ihren 7. Sieg. Für Ruedi Brawand vom Skiclub Grindelwald, Zweiter und der schnellste Berner Oberländer, wars eher überraschend, dass er so weit vorne lag. «Für mich war die ganze Strecke schwierig», sagte er.

«Für mich war die ganze Strecke schwierig.»Ruedi Brawand, Zweiter und bester Oberländer am Inferno-Rennen vom SC Grindelwald

Wer verlor, zum Beispiel einen Ski wie Michel Eymann aus Kerzers, bekam Hilfe: Die Funktionäre halfen Ski suchen und schauten, dass die nachfolgenden Fahrer etwas abbremsten. Er bedauerte, dass er in der Rangliste mit dem 227. Rang etwas nach hinten gespült wurde, was sich auf seinen Startplatz beim 77. Inferno-Rennen auswirkt. Und auch ein bisschen, dass er den nachfolgenden Fahrern vielleicht etwas Zeit gekostet hat. Grundsätzlich war Eymann aber froh, unverletzt geblieben zu sein.

Dass das Inferno nicht risikofrei ist, wissen alle. Helikopter standen für Longline-Rettungen bereit, weil es etwa im Waldweg nach Lauterbrunnen wichtig war, sofort einzugreifen. Es gab sieben Personen, für die das Rennen im Spital endete, eine davon war eine Zuschauerin.

Berner Oberländer

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