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«Der Weg zurück ist eine Option»

Erwin Walker, Statthalter im Obersimmental, hat zum letzten Mal die Tür der Verwaltung auf Schloss Blankenburg geschlossen. Eine neue Herausforderung erwartet ihn im Emmental. Er schliesst jedoch eine Rückkehr nicht aus.

Nach 13 Jahren als Regierungsstatthalter für das Obersimmental geben Sie nun Ihre Schlüssel ab. Was geht Ihnen dabei durch den Kopf? Der Abschied ist mit viel Wehmut verbunden. Ich habe dieses Amt gerne ausgeübt. Sie gehen nicht freiwillig. Die Bevölkerung der Region hat Michael Teuscher den Vorzug gegeben. Empfinden Sie einen gewissen Groll? Natürlich bin ich enttäuscht. Dies vor allem ob der tiefen Wahlbeteiligung in der gesamten Region. In Boltigen waren es nur gerade 28 Prozent, die abstimmen gingen. Aber der Volksentscheid muss respektiert werden. Ich zitiere hier Massimo Rocci, der jeweils sagt: «Es isch e so u fertig». Ich muss jetzt vorwärts schauen und freue mich auf die neue Herausforderung als stellvertretender Statthalter im neu gegründeten Amtsbezirk Emmental Wo sehen Sie die Gründe für IhreAbwahl? Das ist schwierig zu sagen. Ich habe in meiner Amtszeit viele Entscheide gefällt, darunter auch rund 550 Bodenrechts- und rund 400 Bauentscheide. Allen kann man es sicher nicht recht machen. Verschiedentlich hörte ich auch, man wolle nun einem Jüngeren den Vorzug geben. Wurden Ihnen Ihre zahlreichen Ämter – unter anderem bei der Bergregion Obersimmental-Saanenland – zum Verhängnis? Den mehrfach geäusserten Vorwurf, ich sei deswegen nicht unabhängig, weise ich entschieden von mir. Mit meinen Ämtern habe ich mich an vielen Fronten für die Region engagiert. Diese Funktionen haben meine Arbeit als Regierungsstatthalter nicht beeinflusst. Sie hätten auch stellvertretender Statthalter bei Michael Teuscher werden können. Vor allem das schlechte Wahlergebnis im Amt Saanen hat dazu beigetragen, dass ich mich entschieden habe, auf diese Aufgabe zu verzichten. Sie arbeiten in Zukunft im Emmental, bleiben aber an der Lenk wohnhaft. Suchen Sie Abstand, wollen das Alte aber nicht loslassen? Ich bin seit über 25 Jahren lokal oder regional politisch tätig gewesen. Nun suche ich tatsächlich Abstand. Meine Frau und ich sind jedoch beide in der Region verwurzelt. Sie arbeitet als Lehrerin an der Lenk. Aus diesen Gründen kommt ein Umzug nicht in Frage. Was haben Sie bereits über das Emmental gelernt? Der Amtsbezirk mit 42 Gemeinden und 100000 Einwohnern wird eine Herausforderung, auf die ich mich freue. Ausserdem denke ich, dass die Emmentaler ähnlich ticken wie die Simmentaler. Berührungsängste habe ich keine. Blicken wir zurück. Gibt es Dinge, die Sie bereuen? Der Verlust wichtiger Amtsstellen in der Region sowie die Spitalstandortgeschichte machte meine Arbeit nicht einfacher. Gerade beim Thema Spital habe ich mich im nachhinein oft gefragt, ob es besser gewesen wäre, ich hätte mich ganz aus der Diskussion ausgeklinkt. Schliesslich geht es aber darum, ob man eine Meinung hat oder nicht. An welche Ereignisse erinnern Sie sich gut? An den Orkan Lothar am 26. Dezember 1999 kann ich mich sehr gut erinnern. An Silvester gleichen Jahres war ich am späten Nachmittag im Färmeltal. Die Einwohner waren noch immer ohne Strom. Als ich zurückkam, sagte mir meine Frau, das Telefon klingle seit einiger Zeit pausenlos. In St. Stephan war eine Telefonstange in Brand geraten und führte zu einem erneuten Stromausfall in den Gemeinden St. Stephan und Lenk. Nur mein analoges Telefon, das ich bereits hatte fortwerfen wollen, funktionierte noch. Ich habe es noch immer. Was beschäftigt die Obersimmentaler Bevölkerung zur Zeit am meisten? Wohl die Spitalangelegenheit. Wichtig erscheint mir dabei, in die Zukunft zu schauen und nicht zurück auf verpasste Chancen. Was für eine Beziehung haben Sie zum Saanenland? Ich bin in Saanen geboren worden und bin am 31. März 1960 dort einen Tag zur Schule gegangen. Danach sind wir an die Lenk gezogen, wo ich bis heute wohne. Ich habe noch immer viele gute Verbindungen ins Saanenland. Im Rennen um das Statthalteramt habe ich im Saanenland jedoch schlecht abgeschnitten. Das hat mich sehr enttäuscht. Worin sehen Sie die Gründe? Die Saaner sind sehr solidarisch mit ihren eigenen Leuten. Das mag mit ein Grund für den Erfolg von Michael Teuscher gewesen sein. Welche Ämter behalten Sie auch nach Ihrem Einstand im Emmental? Die meisten Ämter behalte ich, so zum Beispiel auch das Amt des Co-Präsidenten bei der Bergregion. Nach 12 Jahren habe ich das Amt als Vorstandsmitglied bei der Schweizer Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete SAB abgegeben. Ein Gerücht behauptet, dass Sie nur ein Jahr im Emmental bleiben und danach als Sekretär für die noch zu bildende Regionalkonferenz Thun-Oberland West zurückkehren werden. Stimmt das? Das ist eine Option. Markus Grossenbacher, Statthalter im Emmental und somit mein Vorgesetzter, weiss das. Er sagte zu mir: «Es wird Dir bei uns so gut gefallen, dass Du nicht mehr zurückkehren willst.» Wir werden sehen! Sarah McGrath-Fogal >

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