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Der Zerfall des Unteren Gletschers

GrindelwaldDer sinkende Schuttdamm unter der Schlossplatte und das zerklüftete Eis dahinter zeigen es deutlich: Der Untere Grindelwaldgletscher schmilzt rasend schnell ab.

Entsteht am Unteren Grindelwaldgletscher einer der grössten Toteisriegel der Alpen? Der Berner Geologe Hans Rudolf Keusen stellt jedenfalls fest, dass sich die Eismassen unter der Bänisegg, zwei Kilometer südöstlich der Gletscherzunge, allmählich vom darüber liegenden Eismeer ablösen. «Und auch die Verbindung zum Fieschergletscher im Bereich der Heissen Platte ist eigentlich nur noch eine Frage der Zeit», sagt Keusen. Aufmerksame Beobachter und regelmässige Bäregg-Besucher haben tatsächlich längst gemerkt, dass der Felssporn der Heissen Platte immer mehr vor dem ewigen Eis freigelegt wird: «In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Fläche dieses Felsen mindestens verdoppelt», bestätigt Hansruedi Burgener, Bergführer und Pächter des Berghauses Bäregg. «Stollen hat sich gelohnt» Auf einer mächtigen Toteisschicht liegen unmittelbar hinter der Gletscherschlucht seit fünf Jahren die Trümmer vom damaligen grossen Bergsturz an der Schlossplatte, vis à vis der Bäregg. Da dieses unterirdische Eis nach und nach schmilzt, sinkt auch der Schuttkegel merklich. Er ist nur noch unwesentlich höher gelegen als das Eingangsportal zum vor eineinhalb Jahren fertiggestellten Schrägstollen (wir haben berichtet). Dennoch konnte vor zehn Tagen das Wasser des erneut bis auf 200000 Kubikmeter aufgestauten Gletschersees während weniger Stunden durch den Stollen in die Gletscherschlucht ablaufen. «Einmal mehr hat sich somit gezeigt, dass sich der Bau des Schrägstollens gelohnt hat», zeigt sich der zuständige Wasserbauingenieur Nils Hählen vom Kantonalen Tiefbauamt zufrieden mit den Vorgängen am Unteren Grindelwaldgletscher. Keine Sorgen bereitet ihm der immer grösser werdende Moränenkegel vor dem Stollenportal, der sich durch Rutschmassen von der Stieregg her bildet: «Wenn dort mal wieder genügend Wasser durchfliesst, wird dieser Sand gleich mit ins Tal geschwemmt. Und wenn die Moräne wirklich zu gross werden sollte, haben wir innert kurzer Zeit einen Schaufelbagger an Ort und Stelle, der durch den Schrägstollen bis auf den Gletscher fahren kann.» Das Stollenportal selber wird vom Druck des Mättenbergs zusehends zerdrückt wie eine Konservendose. Für Nils Hählen kommt dies nicht unerwartet: «Entweder werden wir das Portal Ende Jahr auswechseln oder sogar ersatzlos wegnehmen.» Wohin mit dem Geröll? Auch Peter Baumann als Präsident der Schwellenkorporation Grindelwald spürt Erleichterung: «Wir werden die Situation im Herbst neu beurteilen. Aber es ist jetzt schon absehbar, dass der unterste Gletscherteil viel schneller abschmilzt als erwartet.» Kopfzerbrechen bereiten Baumann indes die riesigen Mengen an Geschiebe, die vom Unteren Gletscher her durch die Gletscherschlucht nach Grindelwald Grund gespült werden. Für diese jährlich etwa 100000 Kubikmeter Geröll und Sand müssen langfristige Depots gefunden werden. Im Spätsommer soll mit Kantonalen Vertretern eine Begehung mehr Klarheit bringen: «Es ist klar, dass nicht alle Grundstückeigentümer Verständnis für die beabsichtigte Verwendung ihres Landes haben. Da sind viele Emotionen im Spiel», sagt Baumann. Mit entsprechendem Fingerspitzengefühl sollen hier aber Lösungen gefunden werden.Bruno Petroni>

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