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Der Zufall hat kräftig mitgeholfen

Zwischen der Lebensgeschichte eines Hochstaplers und dem Psychogramm einer Gesellschaft bewegt sich Jakob Paul Gillmanns Stück «Bengala». Das Kellertheater Murten zeigt ab Samstag seine eigene Version davon.

Das Theater erzählt Geschichten, und die besten Geschichten schreibt manchmal der Zufall. Bei der neuen Produktion des Kellertheaters Murten, die am kommenden Samstag im Kulturzentrum im Beaulieupark Premiere feiert, hat der Zufall kräftig mitgeholfen, von der Auswahl des Stücks bis zur fertigen Inszenierung. Aktuelles Thema Beim Stück handelt es sich um Jakob Paul Gillmanns «Bengala». Auch wenn dieser Titel vielen wenig sagen dürfte, so hat doch der Inhalt in den letzten Monaten eine ganz neue Aktualität gewonnen. Inspiriert ist das Stück nämlich von der wahren Geschichte des Hochstaplers Hans-Peter Streit, die vergangenes Jahr unter dem Titel «Der Fürsorger» verfilmt wurde und seit Dezember in den Schweizer Kinos zu sehen ist. Beim Kellertheater Murten allerdings habe niemand von diesem Film gewusst, als man das Stück im vergangenen Sommer ausgewählt habe, erklärt Regisseur Rolf Brügger. Und überhaupt sei «Bengala» mehr zufällig in die engere Auswahl gerutscht und habe am Schluss alle überzeugt. Porträt der Gesellschaft Überzeugt ist Brügger immer noch, mehr denn je sogar: «Ich habe Spass an dem Stück und bin sehr zufrieden und glücklich damit, wie es sich in dem halben Jahr, in dem wir daran gearbeitet haben, entwickelt hat.» Auch dabei habe der Zufall geholfen. Weil das Murtner Ensemble das Stück nicht eins zu eins auf die Bühne bringen, sondern eine eigene Version erarbeiten wollte, habe sich vieles erst während der Proben ergeben. «Der Text ist mit uns gewachsen», blickt der Bieler, der nach 2007 zum zweiten Mal beim Kellertheater Murten Regie führt, auf die Proben zurück. Was das Murtner Publikum zu sehen bekommt, ist eine Mischung aus zwei Versionen Gillmanns – einer nie aufgeführten für Profiensembles und einer späteren für Laientheater – sowie aus eigenen Ideen der Murtner Truppe. Dabei sei die Lebensgeschichte Streits zwar der Ausgangspunkt, nicht aber der Kern der Inszenierung, betont Regisseur Brügger. Es geht weniger um das Porträt eines Einzelnen als um das Psychogramm einer ganzen Gesellschaft, geprägt von Gier, Geltungsdrang und der ständigen Jagd nach einem diffusen Glück. Auch die Wirtschaftskrise und das Gebahren der Banken seien ein Thema, verrät Brügger weiter. «Eigentlich machte Streit im Kleinen nichts anderes als die Grossbanken. Das wirft Fragen auf, etwa danach, warum die Menschen nach immer mehr Überfluss streben, wie die einen auf Kosten der anderen immer reicher werden können – aber auch danach, was jedem Einzelnen im Leben eigentlich wichtig ist.» Theater für alle Sinne Insgesamt bietet das Ensemble des Kellertheaters Murten – alles Schauspielerinnen und Schauspieler aus der Region – einen erlebnisreichen Theaterabend mit Schauspiel und Musik (unter anderem Kompositionen von Ensemblemitglied Fabiola Friolet), mit spannenden Choreografien, einem raffinierten Bühnenbild (Ruedi Gilgen) und vielschichtigen Szenen, die alle Sinne ansprechen sollen. Rolf Brügger: «Wir wollen bei den Zuschauerinnen und Zuschauern eigene Bilder wecken.» cs/hus Kulturzentrum im Beaulieupark, Prehlstrasse 13, Murten. Premiere: Sa, 16.Januar, 20.15 Uhr. Weitere Vorstellungen: 20., 22., 23., 27., 29., 30.1. sowie 5., 6.2., jeweils um 20.15 Uhr; 24.1., 18 Uhr. – Reservationen bei der Altstadt Buchhandlung Murten (026 6705777). •www.kellertheatermurten.ch>

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