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«Die Axt» und ein beliebter Glatzkopf

Für Südafrika kommt heute der Tag X. Die Regenbogennation eröffnet die erste WM auf ihrem Kontinent. Der Gastgeber trifft ab

Gumbi Sibongiseni ist Journalist bei der Zulu-Zeitung «Isolezwe». Er kennt die Fussballverhältnisse in Südafrika. An der WM bleibt er für die Leser am Ball. Sibongiseni glaubt: «Unsere Mannschaft ist bereit. Ich sehe Willen und Teamspirit. Allen Spielern ist bewusst, was von ihnen erwartet wird. Jetzt ist es an der Zeit, zu zeigen, was wir können.» Von einigen wird Südafrika bereits im Vorfeld der Endrunde als der aussichtsloseste Gastgeber der WM-Geschichte angesehen. Bafana Bafana belegt in der Fifa-Weltrangliste lediglich den 83.Rang. Von den anderen WM-Teilnehmern ist nur Nordkorea schlechter klassiert. Steven Pienaar vom FC Everton ist der Einzige, der sich auf höchstem Niveau etabliert hat. Zudem entstand Unruhe, weil Benni McCarthy – Rekordtorschütze des Landes und Enfant terrible in Personalunion – nicht aufgeboten wurde. Der Stürmer von West Ham United soll sich bezüglich Fitness in einem lamentablen Zustand befinden, heisst es offiziell. Er ist einer, der nach dem Lust-und-Laune-Prinzip funktioniert und sich nicht immer an die Regeln hält. Dies könnte ihm nun zum Verhängnis geworden sein. «Booooooooooth»-Rufe Ähnlich umstritten ist ausgerechnet der Captain. Kein Südafrikaner hat mehr Länderspiele absolviert als Aaron Mokoena, der kürzlich die 100er-Marke knackte. Und doch gilt der 29-Jährige vom aus der englischen Premier League abgestiegenen FC Portsmouth bei etlichen Fans als Störfaktor. «Es soll Leute gegeben haben, die beteten, dass sich Mokoena eine Verletzung zuzieht, damit er an der WM nicht dabei sein kann», weiss Sibongiseni zu berichten. Mokoena liefere in der Landesauswahl selten gute Leistungen ab. Im Nationalmannschaftstrikot soll er den Part des Abwehrchefs übernehmen, nachdem er im Klub oft als defensiver Mittelfeldspieler eingesetzt wurde. Die Kritiker legen Mokoena unter anderem zur Last, dass er taktisch zu wenig diszipliniert sei und dass er zu viele Freistösse in gefährlichen Positionen verursache. Der temporäre Innenverteidiger, der wegen seiner gefürchteten Tacklings den Spitznamen «die Axt» trägt, ist aktuell beim türkischen Überraschungsmeister Bursaspor im Gespräch. Mokoena bildet möglicherweise mit Matthew Booth das Abwehrzentrum. Der Routinier ist der einzige Weisse im Kader, was aber seiner Popularität bei den vorwiegend schwarzen Anhängern keinen Abbruch tut. Der 1,98 m grosse Glatzkopf wird jeweils mit «Booooooooooth»-Rufen geehrt, wenn er den Ball berührt. Dies wurde fälschlicherweise von Laien auch schon als Ausbuhen interpretiert. Dabei ist Booth bei allen Schichten äusserst beliebt. Er ist in der Heimat beim in Pretoria ansässigen Rekordmeister Mamelodi Sundowns engagiert. Ob es Booth gegen Mexiko für die Stammformation reicht, ist jedoch ungewiss. Für dieselben Aufgaben hat sich auch Bongani Khumalo empfohlen. Seit elf Partien ungeschlagen Journalist Gumbi Sibongiseni sagt unmissverständlich: «Wenn man die Negativpunkte und die Konkurrenz anschaut, muss man realistischerweise feststellen, dass wir in unserer Situation Glück benötigen.» Doch es gibt sie, die Strohhalme, an die sich in Südafrika auch mässig euphorische Schreiberlinge klammern. Seit Startrainer Carlos Alberto Parreira im Oktober das Zepter wieder in die Hand genommen hat, also seit elf offiziellen Testpartien, ist Bafana Bafana ungeschlagen. Allerdings hiessen die Gegner nicht etwa Brasilien, Spanien oder England, sondern beispielsweise Guatemala, Thailand, Jamaika und Simbabwe. Das jüngste Resultat war das wertvollste. Am vergangenen Samstag wurde Dänemark 1:0 bezwungen. Das entscheidende Tor erzielte Katlego Mphela, genannt «der Killer». Er soll im Angriff McCarthy vergessen machen. Der Sieg gegen Dänemark stärkte das Selbstvertrauen. Das Volk glaubt mehr denn je an das Team. Der Heimvorteil ist nicht zu unterschätzen. Und der brasilianische Coach wird aufgrund seiner Vita bewundert. Er soll zum Trumpf werden. Das wegen der Apartheid lange isolierte Südafrika will erstmals an einer WM die Vorrunde überstehen. Gumbi Sibongiseni wird mitfiebern. Er tippt im Vergleich mit Mexiko auf ein 1:0 oder 2:1. «Wenn wir das erste Tor schiessen, bin ich optimistisch für das Turnier.» Mexikos schlechte Bilanz Gegner Mexiko kommt die Rolle der «Spassbremse» zu. An den letzten vier WM-Endrunden überstand Mexiko die Gruppenspiele immer, doch dann war stets Endstation. Viermal in Serie schieden die Mexikaner in den Achtelfinals aus. Doch der Sieg letzte Woche im Testspiel gegen Italien steigerte die Euphorie im eigenen Land: 50 Prozent der Mexikaner glauben laut einer Umfrage, dass es ihre Mannschaft diesmal in die Viertelfinals schafft. Offizielle WM-Eröffnungsspiele gibt es erst seit 1966. Zum Start einer WM mussten aber die Mexikaner in der Vergangenheit schon viermal ran. Gewonnen haben sie noch nie. si>

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