Die Bond-Familie feierte grosses Wiedersehen

50 Jahre nach dem Kinostart von «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» trafen sich Protagonisten und Fans zur Jubiläumsparty auf dem Schilthorn. Auch der launische Hauptdarsteller George Lazenby nahm teil.

Zeitzeugen des 8. James-Bond-Streifens «On Her Majesty‘s Secret Service» kehrten am Samstag zurück auf den Gipfel des Schilthorns, darunter auch George Lazenby, der damals Bond gespielt hat.

Zuerst zu den Abwesenden. Nicht teilgenommen haben Produktionsleiter Hubert Fröhlich und Hauptdarstellerin Diana Rigg. Er ist vor 14 Jahren verstorben, sie ist gemäss offizieller Version mit Theater und Musicals schwer beschäftigt, gemäss inoffizieller Version mit George Lazenby schwer verkracht.

Aber auch so glänzte die Gästeliste der grossen Party vom Samstag auf dem Schilthorn noch immer mit sehr viel Prominenz. Schliesslich galt es das 50-Jahr-Jubiläum des James-Bond-Films «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» zu feiern.

Das Wiedersehen wurde zelebriert. Zuerst mit einer zweistündigen Pressekonferenz inklusive Einzelinterviews. Dabei waren die meisten Medienvertreter auf George Lazenby fokussiert. Der wiederum auf die Frauen. Doch davon später. Zuerst war die Reihe am sympathisch-bescheidenen John Glen. Er war als Second Unit Director für die 1968 und 1969 im Berner Oberland gedrehten Szenen verantwortlich und in den Jahren danach noch für fünf Bond-Filme als Regisseur tätig.

Über die legendären Partys in Mürren wusste er zwar nichts zu erzählen («ich war am Abend immer sehr müde und musste am nächsten Morgen früh auf»), umso mehr aber über die Dreharbeiten in Schnee und Eis. Dabei sparte er nicht mit Lob für Hubert Fröhlich, der ihm immer alles bestens organisiert habe «inklusive genügend Helikopter».

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Und heute – gefällt John Glen der moderne James Bond?: «Na ja, leider haben die Filme an Humor verloren, und zwar an britischem. Überhaupt würde eine Portion Britishness den Filmen sehr guttun.»

Dem stimmte auch Markus Hartmann bei. Der Präsident des James Bond Clubs Schweiz: «Humor ist für Bond-Filme sehr wichtig und sollte wieder mehr vorkommen.» Zudem waren sich die beiden Herren einig, dass «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» in den vergangenen 50 Jahren nach anfänglich viel schlechter Kritik an Wert gewonnen habe. Hartmann: «Es ist das bisher beste Drehbuch.»

Glen: «Der Film ist wie ein gut gereifter Wein.» Der selben Meinung war auch Stefan Zürcher. Er sei mit John Glen «sowieso immer sehr gut ausgekommen». Für den Wengener Stuntman war die damalige Zusammenarbeit der Startschuss für eine grosse Karriere. In zehn Bond- und noch mehr anderen Produktionen koordinierte Zürcher Actionszenen. Doch jetzt soll Schluss sein, verriet er im Einzelgespräch.

Eigentlich war er bereits für die Mitarbeit am nächsten Bond-Film vorgesehen. Doch die geplanten Szenen im kanadischen Winter wurden nach dem Wechsel der Regie (von Danny Boyle zu Cary Joji Fukunaga) im Drehbuch gestrichen. «Das Bond-Kapitel ist für mich damit nun abgeschlossen, und ich kann in schönen Erinnerungen schwelgen», sagte Stefan Zürcher mit leiser Wehmut.

In solchen Erinnerungen schwelgte am Samstag auch Erich Glavitza. Der Österreicher hatte – auf Vermittlung von Hubert Fröhlich, «dem ich sehr viel verdanke» – nach dreimonatiger Vorbereitung im Februar 1969 auf einer Wiese zwischen Lauterbrunnen und Stechelberg die Autorennszenen organisiert. Produzent Harry Saltzman sei von seinen Ideen sofort begeistgert gewesen.

«Es war eine sehr schöne Zeit, und zudem habe ich sensationell verdient», hielt der ehemalige Citroën-Werkfahrer fest. «Das Risiko war gleich null, wir fuhren ja höchstens 80 km/h, da ist ein Überschlagen des Autos kein Problem.» Anders als später beim Film «Le Mans», für den Glavitza Hollywoodstar Steve McQueen doubelte und mit bis zu 300 km/h an den Kameras vorbeiraste.

Höher geschlagen hat Glavitzas Herz übrigens auch am Samstagmorgen, als er im Hangar der Air-Glaciers Lauterbrunnen mehrere Autofahrer begrüssen konnte – alle am Steuer eines typischen Bond-Mobils wie des Aston Martin.

Kein Bond ohne schnelle Autos und ohne schöne Frauen. Gleich vier ehemalige Girls, wie man sie 1969 noch nennen durfte, freuten sich am Samstag über das Wiedersehen. Und wie! Catherine Schell, Helena Ronee, Jenny Hanley und Sylvana Henriques wussten derart viele Anekdoten zu erzählen, dass eine Stunde längstens nicht genügte und man beziehungsweise frau sich versprach, in 25 Jahren, am 75-Jahr-Jubiläum, die angeregten Gespräche fortzusetzen.

Dann soll auch definitiv geklärt werden, wie «Israeli-Girl» Helena trotz Verbot es wagte, während der drei Drehmonate Ski zu fahren. Umgekehrt dürfte auch dann George Lazenby kein grosses Thema sein. Catherine Schell: «Mister Lazenby ist halt Mister Lazenby. Sein Humor aber liegt leider immer wieder unter der Gürtellinie.»

«Just like home» habe er sich gefühlt, als er am Samstag auf dem Piz Gloria ankam. Und, so George Lazenby an der Pressekonferenz weiter: «Vor 50 Jahren konnte ich hier beim ersten Mal kaum atmen. Wegen der Höhe, wegen der spektakulären Aussicht. Und wegen der Frauen.» Gut erinnern möge er sich auch an die langen Mürrner Pokernächte mit Telly Savalas, der im Film den Bösewicht Ernst Blofeld spielte.

Das viele Geld, das ihm Savalas abgeknöpft habe, habe erst Harry Saltzman wieder zurückgewonnen. Mehr liess sich Lazenby auch beim Einzelinterview nicht entlocken. Auch nicht für fünf Minuten, denn «daraus werden bei euch Journalisten sowieso immer gleich zwanzig Minuten».

Nicht zwanzig Minuten, sondern über sechs Stunden lang dauerte die abendliche Party, zu der rund 250 Fans aus aller Welt eintrafen. Ein Teil von ihnen reiste direkt aus Lissabon an, wo sie ebenfalls zu ehemaligen Drehorten gepilgert waren. Wie es sich gehörte, trugen die Frauen Abendkleider und die Männer Smoking.

Viele auch einen Schottenrock aus Hochachtung vor Ahnenforscher Sir Hilary, zu dem sich Geheimagent 007 verkleidet hatte, um dem Schurken Blofeld das Handwerk zu legen. Was ihm bekanntlich gelang: Das Labor auf dem Piz Gloria explodierte – und das Schilthorn wurde zum Mekka aller Bond-Fans.

Berner Oberländer

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