Die doppelte Staumauer am Grimselsee

Innertkirchen

Die grössere der beiden Staumauern beim Grimsel-Hospiz wird in den nächsten sechs Jahren ersetzt. Ab Juni bauen rund 100 Arbeiter für 125 Millionen Franken eine neue Talsperre. Die alte hat einen langen Riss.

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Julian Witschi

Sie ist 114 Meter hoch, auf der gebogenen Mauerkrone 258 Meter lang und fast 90 Jahre alt. Das Problem ist aber nicht das Alter, sondern dass die Spitallamm-Staumauer am Grimselsee einen Riss hat. Dieser reicht von der einen Talseite zur anderen, praktisch durch die ganze Mauer. Das könnte bei einem starken Erdbeben ein Problem sein. Die Staumauer muss deshalb ersetzt werden. Der Verwaltungsrat der Kraftwerke Oberhasli (KWO) hat gestern dem Bau einer neuen Staumauer für 125 Millionen Franken zugestimmt.

Eine Katastrophe durch einen Dammbruch sei nicht zu befürchten: «Die alte Mauer ist stabil», versichert KWO-Chef Daniel Fischlin. Allerdings sind auf der Innenseite Mauerblöcke vom restlichen Bauwerk durch Fugen getrennt. So wurde beim Bau der Mauer die Abkühlung des Betons beschleunigt. «Die Mauerblöcke sind konisch», erklärt Fischlin, «wenn der See gefüllt ist, drückt es sie an die Mauer heran.» Wenn aber der See abgelassen sei, dann «könnte ein schweres Erdbeben im schlimmsten Fall dazu führen, dass ein solcher Block in den See fällt», sagt der KWO-Chef.

Für Erhöhung vorbereitet

Wenige Meter unterhalb der Mauerkrone besteht aber auch ein horizontaler Riss. Das Bundesamt für Energie hatte von der KWO verlangt, dass sie bis 2017 ein Bauprojekt für die Instandsetzung der Staumauer einreicht. Noch gerade fristgerecht hat das Unternehmen ein Baugesuch gestellt.

Ursprünglich hätte die KWO die Mauer bei der Erhöhung des Grimselsees sanieren wollen. Doch dieses Projekt war lange Jahre durch Einsprachen wegen des Moorschutzes blockiert. Inzwischen hat es die KWO selber in die Schublade gelegt, weil es sich wegen der tief gefallenen Preise am Strommarkt derzeit nicht rechne. Die Kosten für die Erhöhung um 23 Meter, mit der die Kapazität des Sees fast verdoppelt würde, waren auf 345 Millionen Franken geschätzt worden.

Für gut ein Drittel davon baut die KWO nun vor die alte Staumauer eine neue. Sie ist mit 113 Metern praktisch gleich hoch. Und sie ist so konzipiert, dass sie später aufgestockt werden könnte. Die alte Mauer wird nicht abgebrochen, sondern eingestaut. Einerseits, weil der Betonschutt in einer Deponie teuer entsorgt werden müsste. Andererseits sei die alte Mauer aus Denkmalsicht erhaltenswert.

Ferner müsste die KWO den Stausee für den Abriss leeren. «Uns war wichtig, dass wir das Wasser aus dem Grimselsee langfristig und ohne Einschränkung für die Stromproduktion nutzen können», sagt Fischlin.

Die neue Mauer wird ein Bogenbauwerk, das sich auf die beiden Talflanken abstützt. Sie kann entsprechend wesentlich dünner gebaut werden als die alte Mauer, die zwar auch im Bogen gebaut ist, aber dem Wasser vor allem auch ihr Gewicht entgegensetzt. Trotzdem sind die benötigten Betonmengen gewaltig: 215000 Kubikmeter, das entspricht einem Gewicht von 520000 Tonnen.

Dreierkonsortium baut

Den Bauauftrag hat eine Arbeitsgemeinschaft erhalten, welcher die Frutiger AG aus Thun, der Zürcher Baukonzern Implenia und die Ghelma AG Baubetriebe aus Meiringen angehören. Die drei Firmen hätten wirtschaftlich und technisch das attraktivste Angebot eingereicht, hiess es.

Die federführende Frutiger AG ist als Aktionärin eines Belagswerks in die Berner Kies-, Beton- und Belagswerkeaffäre verwickelt. Die Wettbewerbskommission untersucht mögliche Kartellrechtsverstösse. KWO-Chef Fischlin sieht sein Projekt nicht betroffen. Es hätten Offerten aus mehreren Betonwerken in unterschiedlichen Höhen vorgelegen.

Zudem steuere die KWO den Kies selber bei. Denn für die Staumauer werden an den Talflanken Wannen herausgesprengt. Das Material kann als Zuschlagstoff verwendet werden. Und die KWO bedient sich bei der Deponie am Fuss des unweit gelegenen Rätterichsbodensees. Dort ist Aushubmaterial vom Pumpspeicherkraftwerk Grimsel 2 deponiert. Der Zement wird per Lastwagen angeliefert. Über vier Jahre sind rund 5000 Lastwagenfahrten nötig.

Die Bauarbeiten sollen im Juni beginnen. Bis zu 100 Arbeiter werden im Einsatz sein. Geplant ist ein Containerdorf beim Grimsel-Hospiz. Die Staumauer soll voraussichtlich 2025 fertig gebaut sein.

Berner Zeitung

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