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Die dritte Kaba fiel ins Wasser

kaba in thunEin Blick in drei Teilen auf die Kaba-Zeiten: Die Kantonal-bernischen Ausstellungen konnten in Thun 1899 und 1949 durchgeführt werden, nicht hingegen diejenige von 1974. Der Grund: die überhitzte Konjunktur.

Ende der 1960er-Jahre und Anfang der 1970er-Jahre: Hochkonjunktur herrschte, weshalb 1970 der Gewerbeverband des Kantons Bern beschloss, 25 Jahre nach der erfolgreichen Kaba 1949 eine Kaba 1974 auf die Beine zu stellen. Als Areal war der Bonstettenpark vorgesehen, der nach Ausstellungsende wieder in den Originalzustand zurückversetzt werden sollte, und als Sitz der Verwaltung der Landsitz Bellerive. Die Kaba 1974 sollte ein Spiegelbild aller Facetten des täglichen Lebens und des Schaffens und Wirkens im Kanton Bern darstellen. Als wichtigste Ausstellungshallen waren vorgesehen: Gewerbe und Industrie, Kaufen und Verkaufen, Lernen und Wissen, Vorbeugen und Heilen, Militär und Zivilschutz, Bauen und Wohnen, Forst- und Landwirtschaft. Weiter waren Restaurants, Degustationsmöglichkeiten, ein Lunapark und ein Festplatz geplant. Die Vorbereitungsarbeiten waren sehr weit gediehen, als das Organisationskomitee am 3.Februar 1973 beschloss, auf die Durchführung der Kaba 1974, schweren Herzens zwar, zu verzichten. Zwei Gründe spielten dabei eine Rolle. Zum einen opponierten separatistische Kreise aus dem damals noch zum Kanton Bern gehörenden Nordjura gegen die Ausstellung, indem sie Unterschriften für ein Referendum gegen einen Grossratsbeschluss sammelten, der eine Risikogarantie des Kantons Bern von zwei Millionen Franken vorsah, wenn die Kaba eine negative Schlussrechnung aufweisen sollte. 6033 Unterschriften wurden gesammelt, sodass eine Abstimmung ins Haus stand. Da die Kaba indessen zwischenzeitlich abgesagt worden war, musste nicht darüber abgestimmt werden. Ohne Defizitgarantie wäre die Durchführung der Kaba verunmöglicht worden. Zu wenig Arbeitskräfte Der andere Grund lag in der damaligen Wirtschaftslage und sorgt heute für Staunen: Auf die Durchführung der Kaba wurde als Konjunkturdämpfungsmassnahme verzichtet. Im damaligen Communiqué stand wörtlich zu lesen: «Im Bewusstsein, dass die Vorbereitungsarbeiten der Kaba 1974 in eine Periode besonders stark angespannter Konjunktur fallen müssten, und im Bestreben, die so bedingte weitere Beanspruchung des völlig ausgetrockneten Arbeitsmarktes, der bereits voll ausgelasteten Baukapazität und des sehr restriktiv bewirtschafteten Geld- und Kapitalmarktes zu vermeiden, wird auf die Durchführung dieses traditionellen bernischen Grossanlasses einstweilen verzichtet.» Wenn vom ausgetrockneten Arbeitsmarkt geschrieben wurde, ist zu bedenken, dass damals die Zahl der Arbeitslosen tatsächlich weit unter heutigen Zahlen stand und rund ein Prozent betrug. Doch das blieb nicht immer so. 1974, als die Kaba hätte stattfinden sollen, beeinflusste die erste Ölkrise weltweit das Wirtschaftsgeschehen im negativen Sinn. Und im selben Jahr 1974 fand die endgültige Liquidation der Kaba-Ausstellungsgenossenschaft statt, unter grossem Bedauern von Wirtschaft und Politik, aber auch vonseiten der Bevölkerung. Jon KellerJon Keller ist Alt-Stadtarchivar von Thun. Er hat im ersten Teil über die Kaba-Ausstellungen in Thun über diejenige im Jahr 1899 und in einem zweiten Teil über die Kaba 1949 geschrieben. Im heutigen letzten Teil schreibt er über die geplante dritte im Jahr 1974, die nie stattfand.>

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